Seit langem habe ich wieder eine SUSE Ausgabe gekauft (zuletzt 9.1). Die bisher verwendete 10.3 habe ich damals heruntergeladen. Installiert habe ich die 11.4 auf einem etwas betagten Notebook, einem Fujitsu-Siemens Amilo. Das darauf befindliche Windows Vista sollte aber erhalten bleiben, so war mein Wunsch. Würde die SUSE den berücksichtigen? Wir werden sehen.
Installation:
An einem Abend, so nebenbei fand ich dafür Zeit. Würde Nebenbei reichen? Oder fordert SUSE all meine Aufmerksamkeit?
+ Sehr übersichtlicher Einstieg
+ Den akzepablen Vorschlag zur Umpartitionierung habe ich einfach abgenickt
+ Die Einstellung zur Zeitzone, Tastatur, etc. war einfach. Ich verwende traditionell die englische Version, aber natürlich mit dt. Tastatur. Es wäre interessant, ob die deutsche Version endlich korrekt übersetzt ist. In der Vergangenheit (9.x) war das hier und da ein Sprachgemisch. Darauf wollte ich mich nicht einlassen (ist aber evntl. mein antiquiertes Vorurteil).
+ Erkennung der Komponenten funktionierte problemlos! WLAN, LAN, Sound, Graphik, alles OK.
+ Installation lief, abgesehen von den initialen Einstellungen, nebenbei autonom. Dauer insgesamt: ca. 1h.
- Windows Vista hatte offensichtlich etwas Müll produziert. Der Linux-Installer kommt dann mit dem (zwar korrekten!) Hinweis, die Windows Partition sei mit chkdsk/f zu reinigen. und Windows 2x neu zu starten. Leider kam der Hinweis erst NACH der Eingabe aller Daten für das Linux-Setup. Die waren dann natürlich weg. Ein Ignorieren des Hinweises führte zum Absturz des Linux Installers.
Also, doch neu starten, checkdisk, und dann auf ein Neues. So funktionierte es.
- Achtung: Umpartitionierung dauerte 20 min (Verkleinern der Windows-Partition). Da rödelt nur die Festplatte, Rückmeldung kommt leider keine, und der Installer reagiert auch nicht. Geduld - solange die HDD aktiv ist, keine Sorge.
Fazit: SUSE gibt sich Mühe, alles einfach zu halten, treibt dem System aber den Hang, den Benutzer zu foppen, dann doch nicht ganz aus. Ohne diese Zicken (evntl. frisches System ohne Altlasten und keine exotische Hardware) könnte aber auch ein kompletter Nicht-Techniker wahrscheinlich dieses Linux problemlos installieren.
Betrieb:
+Ich verwende KDE, der in der 4.6er Version kommt. Befürchtungen wg. fast traditioneller Instabilität der "runden" KDE Ausgaben kann ich bisher nicht bestätigen.
+ Am Startbildschirm (Auswahl des Systems/Boot-Optionen) war auch Windows zu finden. Dieses startete, fand einiges zu reparieren, lief dann aber OK.
+ KDE 4.x hat das Zeug, das "Kaugummi Design" Image aus der 3.x Zeit loszuwerden. Persönlich gefiel mir 3.x auch gut (nach etwas optischer Pflege), über Geschmack kann man eben nicht streiten ;-) einfach selbst probieren!
~ Doch Halt, wo ist der Adobe Reader? Aha. Auf der Non-OSS DVD. Diese kann man in Yast als Paketquelle hinzufügen (geht auch während der Installation).
- Und weiter geht's - dachte ich. Beharrlich weigerte sich Yast, den Adobe Reader und andere Zusatz-Pakete zu installieren. Erst ein wiederholtes Probieren (DVD raus, wieder rein, retry, ...) führte zum Erfolg. Also die DVD evntl. bei der Installation angeben, vielleicht geht's dann leichter. Auch hier zeigt sich eine leichte Fopperei, die ein langjähriger Linux-User (bin wirklich User und nicht Admin) aber gleichmütig hinnimmt.
Hat man diese leichten Hürden genommen, darf man sich über ein flott startendes System freuen. Es lassen sich einfachst Desktop-Themes herunterladen (auf DVD dabei sind nur wenige), im WWW aber jede Menge. Standard Applikationen sind mit dabei, und wenn nicht, einfach von DVD nachinstallerien.
Sonstiges: Über den Netzwerk-Manager (im KDE-Panel) konnte ich WLAN in Kürze einrichten. Geht wirklich einfach, einmal Ausloggen und wieder einsteigen war aber notwendig. KDE Wallet (Passwort-Manager) funkte dazwischen (WPA Passphrase), den braucht man hier aber nicht. Das könnte verwirren.
Zugriff auf NTFS geht nut lesend, als root aber auch schreibend. Wie man das für den User frei schaltet, steht wahrscheinlich im Hilfe-Forum, hab aber noch nicht näher geschaut.
Das war's soweit. Fazit: Durchaus empfehlenswert, Installation war einfach, Bedienung ist kinderleicht, aber ein paar Zicken (DVD/Installations-Fopperei, NTFS Nur-Lesezugriff für User) bleiben. Diese lassen sich aber austreiben.
Evntl. komme ich zum Vergnügen, das ganze auf einem neuen System nochmals zu exerzieren, in dem Fall schreibe ich noch ein paar Zeilen.
# # # UPDATE 1 # # #
Linux auf sandigen Brücken
Ich hatte versprochen, noch ein paar Zeilen zu schreiben, sollte ich die Gelegenheit haben, Linux
auf einem neuen PC zu installieren. Nun, die hatte ich - und hier sind sie.
Wie kann sich die neue Suse 11.4 auf neuester PC Hardware behaupten? Zunächst zur Hardware. Es ist
ein Intel Core i7-2600S auf einem Intel DH67 mini-ITX Mainboard (Sandy Bridge), 8GB RAM, on Board Grafik, und
eine SSD mit 120GB ist ebenfalls mit dabei.
Der Rechner ist als Bürorechner und zur SW-Entwicklung gedacht, nicht für Spiele oder
anspruchsvolle Grafik.
Kompatibilität: Die Linux-Installation (siehe meine vorige Rezension zu den allgemeinen Punkten) war
in 20 min fertig. Es begrüßte mich ein frischer KDE Desktop (Gnome habe ich nicht probiert).
Sämtliche Hardware wurde erkannt, incl. mein betagter HP 375F Drucker/Scanner. Über Yast war dann
die Netzwerkeinstellung in 5 min erledigt und der Internetzugang hergestellt. Die
Spezial-Funktionstasten auf der neuen Tastatur (Mute/Laut/leise/Play) funktionierten ebenfalls. KDE
erlaubt zudem eine Konfiguration der Zusatztasten der Maus. 3D Desktop (und das war eine der
größten Fragen) funktioniert so ziemlich. Wie die 3D Performance aber mit den mitgelieferten
Treibern wirklich ist, damit habe ich mich nicht beschäftigt. Irgenwie, lt. div. Quellen im Internet
soll noch einiges daran nicht ausgereift sein. Und da haben wir es auch schon. Artefakte
in Menüs des KDE sind deutlich zu sehen. Da hakt es noch. Sonst aber keine Patzer in Sicht.
Wenn es also 3D mit guter Performance sein soll: Eine eigene Grafikkarte spendieren
(Kompatibilitätsliste studieren ;-) ).
Hinter den Kulissen scheint die Arbeit schon weiter zu sein. Aus Computerzeitschriften/Internet zu
entnehmen ist etwa, dass z.B. der neue Befehlssatz der CPU bereits sehr gut unterstützt wird.
Performance: Was soll man bei der o.g. Hardware noch sagen (ist daher auch weniger der Verdienst von
Linux): Systemstart von Einschalten bis zur Bereitschaft: 15 sec. Applikationsstart (erstes Mal):
Ohne spürbare Verzögerung. Selbst der nicht als Schnellstarter bekannte GIMP ist nach 2 sec da. Das
mitgelieferte Libre Office (Open Source Fork von Open Office): 2 sec. Firefox, Thunderbird: 1 sec.
Fazit: Das 11.4 tut sich mit neuer Hardware recht leicht. Kaum Wünsche bleiben offen. Die
(zu erwartende) Graphik-Schwäche sollte in Zukunft wohl hoffentlich kein Thema mehr sein (oder
einfach eine geeignete Karte spendieren). Das ist auch die einzige wirklich offensichtliche Schwäche
dieser Version: Die zeitlich eng zusammen liegenden Termine der Ausliefung und der Erscheinung der
Sandy Bridge Hardware. Und bei Linux (speziell Suse!) ist es eben wie bei mancherlei Käse: Erst eine
Zeit lang gereift macht den Genuß perfekt.
# # # UPDATE 2 # # #
Jetzt hat die Rezension schon Blog Charakter :-) . Mit dem neuesten Intel Grafiktreiber geht es jetzt.
Keine Grafikfehler in den KDE Menüs mehr, mit der ON BOARD Grafik!
Einfach
Intel Sandy Bridge Grafikfehler openSUSE 11.4
mit der bevorzugten Suchmaschine finden, und ein paar Klicks weiter steht es dann in Ladislav's blog (Installing latest Intel graphics driver to openSUSE 11.4 ).
Keine Angst, kompilieren tut nicht weh. Evntl. muss man das eine oder andere Paket mit Yast nachinstallieren. Bei mir war's das XOrg SDK.
Configure regt sich da ohnehin auf und steigt mit dem Hinweis aufs Paket aus. Einfach nachinstallieren und nochmals probieren.
So, das war's (hoffentlich).
Have a lot of fun.