In den letzten Jahren geht in der Grenzwissenschafts- und Esoterikszene etwas wie die Pest um - rassistische und rechtsextreme Thesen, vertreten durch Autoren wie Jan van Helsing genießen eine große Popularität.
Dabei zeigt ein bisschen Recherche schnell, dass die verrückten Behauptungen dieser Autoren nicht nur Volksverhetzend, sondern auch auf naiv-dümmliche Art und Weise falsch sind. Der Begriff Geschichtsverfälschung ist hier sicherlich angebracht.
Glücklicherweise machte sich Goodrick Clarke in diesem Buch die Mühe, anhand von Originalquellen einmal der Frage nachzugehen, wieviel Einfluss Geheimbünde wie die Thulegesellschaft tatsächlich auf Hitler und Konsorten hatten.
Dabei schafft er es nachzuweisen, dass Okkultismus viel weniger Hintergrund der Thulegesellschaft war, als vielmehr völkische Interessen, außerdem wird mit so manch einer Legende aufgeräumt. So kann nachgewiesen werden, dass die "Vrilgesellschaft" zum Beispiel eine Legende ist und nie existierte. Den Ursprung nahm hier der Roman "Das Geschlecht der Zukunft", eine Desutopie, in der der Autor Edward Bulwer eine Vrilkraft erfand. Diese wiederum wurde von den Theosophen um Helene Blavatzky aufgegriffen und für ihre esoterischen Lehren verwendet. Und erst in dem Buch "Aufbruch ins Dritte Jahrtausend" dann tauchte plötzlich die Behauptung einer angeblichen Vrilgesellschaft auf, die an keiner Stelle belegt wurde und seither von van Helsing und anderen Autoren der Neuen Rechten fleißig weiter verbreitet wird.
Der Text selbst ist auf Informationen getrimmt. Hier steht nicht der Unterhaltungsfaktor im Vordergrund, sondern die Studie der Fakten. Das macht das Buch mitunter anstrengend zu lesen, doch aufgrund der minutiösen Arbeit des Autors, mit der endlich einmal mit dem ganzen Unsinn der in der Szene floriert aufgeräumt wird, hat das Buch die volle Punktzahl verdient.