Flop!!!
Dieses Buch ist eine Frechheit! Manfred Auer schreibt ein Buch zum Thema „Marketing FÜR Film und Fernsehen". Seine Agentur scheint dabei blendend zu laufen, sonst hätte er durchaus etwas Zeit für ein schlüssiges Konzept gehabt. So aber hat er ein Buch verfaßt, deren einzelne Artikel bestenfalls journalistische Qualität hatten. Immer wieder bemängelt Auer in dem Buch, daß in Deutschland kaum die erforderlichen Kompetenzen für erfolgsorientierte Filmproduktion bereitstehen. Dieses Buch ist ein Beispiel dafür und dagegen. So handelt es im Hauptteil Produktgestalltung nacheinander zahlreiche "Erfolgsfaktoren" ab, zu welchen Auer zwar eine Meinung nicht aber fundiertes Wissen präsentieren kann. Den Gipfel zum Thema Erzählungen zum Film bildet für mich dabei der Abschnitt "Ausstattung":
"Ein typischer deutscher Polizist macht in seiner grünen Uniform in einem Kinothriller wenig her. Eine solche zugegebenermaßen "realistische" Darstellung führt eher dazu, dass der Kinozuschauer unmittelbar an die eher blassen TV-Polizisten erinnert wird und dem gleichaussehenden Protagonisten im Kinospielfilm ähnliche Attribute zuordnet, also vertrottelt, lahm engstirnig, emotionslos etc. Wenn dann der Polizist vom Drehbuch her cool sein soll, haben der Regisseur ein echtes Problem. Also stecken er den Schauspieler einfach in die schwarze Uniform einer privaten Wach- und Schließgesellschaft. So einfach kann eine Verfremdung sein, welche zu einem untypischen deutschen Look führt. Und genau in diese Richtung müssen die deutschen Kinospielfilme gebracht werden. Der Film ist Fiktion. In einem Dokumentarfilm muss der Polizist eine der Realität entsprechende Uniform tragen. Im Kino besser nicht."
So einfach mache ich also einen erfolgreichen, gut ausgestatteten Film? Man kann ja entfernt erahnen, wo der Autor da hin will, es fehlt aber wie fast dem ganzen Buch eine systematische Darstellung der Problemfelder und möglicher Strategien diesen zu begegnen. Anekdoten sind da doch eindeutig zu wenig. Das zitierte Kapitel ist auch deshalb ein gutes Beispiel, da es den krassen Kontrast zum anschließenden Kapitel „Film-Musik" zeigt. Dieses vom Co-Autor Jörg Pfeil verfaßte Kapitel hat eben all das was ich mir von diesem Buch erwartet hatte: eine systematische Beschreibung des erfolgsrelevanten Elements Filmmusik unter Berücksichtigung seiner filmästhetischen und seiner marketingstrategischen Bedeutung. Ein paar mehr Co-Autoren hätten das Buch sicher sehr interessant werden lassen. Ein weiterer Beleg das es sich bei dem Buch um einen Ausgesprochenen Schnellschuß von Autor und Verlag handelt, kann man in der mangelhaften Lektoratsarbeit erkennen.
Richtig kompetent schien mir Herr Auer vor allem im Kapitel „Kommunikationspolitik" zu sein. Mir ist jedoch nicht einsichtig was etwa Productplacement oder Programmsponsoring mit „Marketing für Film und Fernsehproduktionen" zu tun hat, sind doch beide für den Produzenten Tools der Finanzierung und nicht der Absatzförderung.
Abschließend eine Bitte an den Verlag: Bei Ihrer Wettbewerberanalyse haben Sie sicher festgestellt, das es in diesem Fachbuchsegment in Deutschland nicht viel gibt. Sie haben mit diesem Buch allerdings auch nichts wesentliches dazu beigetragen. Mit etwas mehr konzeptioneller Vorarbeit, ein paar mehr Co-Autoren mit wirklicher Fachkompetenz (oder weniger Zeitmangel?) und einem kompetenten und kritischen Lektor sollte es durchaus möglich sein dieses Fachbuchsegment qualitativ zu bedienen. Ich jedenfalls bleibe am Ball und werde auch die übrigen Bände der Serie kritisch unter die Lupe nehmen, wenn auch nicht mehr gleich kaufen. Ich fühle mich jedenfalls betrogen.