Eduardo Galeano's "Die Füße nach oben - Zustand und Zukunft einer verkehrten Welt" war für mich eines dieser "Muss ich sofort haben - Bücher" und dies, obwohl ich bisher weder den Autor kannte, noch etwas von diesem Buch gehört hatte. Meine Erwartungen sollten nicht enttäuscht, sondern eher noch übertroffen werden: Obwohl "Die Füße nach oben" eigentlich ein politisch - sozialkritisches Sachbuch ist, liest es sich - und das macht einen Großteil seiner Faszination aus - wie ein spannender Roman. Ein Buch, das man eben erst dann aus der Hand legt, wenn man es fertiggelesen hat. Galeano erzählt in einer wunderschönen,bilderreichen manchmal schon fast poetischen Sprache über die sozialen Missstände, politischen Skrupellosigkeiten und Ungerechtigkeiten unserer Welt, und vor allem auch darüber, warum ein Großteil der Menschen diese kritiklos hinnehmen. Viele Einzelheiten, besonders aus südamerikanischen Staaten, sind genauestens recherchiert und dargestellt - gewürzt wird das Ganze mit einer kräftigen Prise Sarkasmus. Wie auch im Klappentext erwähnt - "eine schonungslose Bilanz zum Jahrtausendwechsel". Das Buch hinterfragt vieles, zeigt noch mehr auf und -für mich eines der wichtigsten Kriterien eines guten Buches diese Genres - es regt zum Nachdenken an. Obwohl viele der Beispiele aus Südamerika stammen, was vielleicht anfangs eher Europa-orientierten LeserInnen etwas abschrecken könnte, sind die dargestellten Verhältnisse auch ohne größeres Vorwissen leicht verständlich und grötenteils auf globale oder europäische Strukturen umzumünzen. Der Text des Autors wird zusätzlich durch zahlreiche Illustrationen, Rahmentexte, Zitate und Sprichwörter untermauert, die - wie alles in diesem Buch - den Nagel genau auf den Kopf treffen, was die Lektüre noch interessanter und fesselnder macht. Niemals vergisst Galeano jedoch darauf, neben allen düsteren Perspektiven und Tatsachen, auch die Fantasie anzuregen, seine Leser dazu zu bewegen, sich eine "wie könnte es vielleicht anders sein"-Welt vorzustellen. Das Buch ist ein Aufruf an alle, die sich mit den derzeitigen Verhältnissen auseinandersetzen, nicht aber unbedingt zufriedengeben wollen. Abschließend noch eine Warnung: Wie bei vielen Dingen, ist der Genuss dieses Buches eine Freude, die Nach- und Nebenwirkungen sind allerdings nicht so einfach zu verdauen.