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67 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kristallin und pittoresk, 6. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Valleys Of Neptune (Audio CD)
Es ist immer eine gefährliche Angelegenheit, wenn plötzlich, nach Jahrzehnten, irgendwelche Aufnahmen aus dem Nachlass oder sonst woher auftauchen und noch einmal an das anknüpfen sollen, was einstmals sich als Mythos begründet hat. Zu oft schwingt der Verdacht mit, irgendwelche Rechtebesitzer oder Nachkommen wollten noch einmal abkassieren. Bei Jimi Hendrix war das in der Vergangenheit oft nicht anders. Viele Alben erschienen nach seinem Tod, auf denen neben schlechter, manchmal grottenschlechter Aufnahmequalität ein vom Touren erschöpfter und von Drogen gebeutelter Jimi Hendrix zu hören war, der nicht an das heranreichte, was ihn zu einem der großartigsten Akteure der modernen Musik gemacht hatte. Es spricht für seine nicht revidierbare Wirkung mit Alben wie Are You Experienced, Axis, Bold As Love und Electric Ladyland, dass seine musikhistorische Rolle durch diesen Trash keinen Schaden genommen hat.
Nun sind unter dem Titel Valleys Of Neptune Aufnahmen auf den Markt gekommen, die als Titel neu wie bekannt waren und die allesamt nicht als eine sensationelle Entdeckung im Sinne des innovativen Potentials des Ausnahmegitarristen und Komponisten gewertet werden können. Dennoch hat diese Zusammenstellung etwas, das in großem Maße selbst den legendären Alben fehlt. Hört man sich die Sammlung an, dann fällt zunächst auf, dass es sich um eine vollkommen andere Aufnahmequalität handelt, die weniger mit modernen Techniken als mit der eigenen Akribie Hendrix zu tun hat. Wie Klaus Theweleit in seiner unbedingt lesenswerten Biographie beschrieb, verbrachte Hendrix nächtelang seine Zeit in einem New Yorker Studio, um den richtigen Sound zu finden. Ihm schwebte etwas anderes vor als die damals gängigen Aufnahmeverfahren, die ihm zu breiig und unscharf waren. Bei Valleys Of Neptune scheint es sich um Aufnahmen zu handeln, die der Soundvorstellung Hendrix wohl am nächsten kamen. Neben der Gitarre, die sonst immer durch die pure Phonzahl im Vordergrund agierte sind nun das exzellente Schlagzeug Mitch Mitchells und die asynchron zu Hendrix Riffs verlaufenden Basslinien klar und deutlich zu hören. Was dabei heraus kommt, ist eine akustische Befreiung von den heute üblichen Komprimierungsformaten, die Hörer wie Ohr mit epigonalen Weisen zu vergewaltigen drohen.
Die bisher unbekannten Stücke wie der Titelsong Valleys of Neptune, Ships Passing Through The Night, Mr. Bad Luck, Lullaby For The Summer und Crying Blue Rain sind allesamt musikalisch wie textlich so hoch stehend wie die bekannten und in der Aufnahme von Red House, der wohl nie auslöschbaren Liebeserklärung an den Electric Blues erklingen gesanglich bereits erste Avancen an den Soul. Der Mann, der sich die Tonarten in Farben notierte und immer wieder metaphorisch einer kosmischen Poesie verfiel, enttäuscht mit diesem Album keinesfalls. Und das vierzig Jahre nach seinem Tod. Come on, let the good times roll!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schatz gehoben, 1. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Valleys Of Neptune (Audio CD)
Was nach Hendrix' frühem Tode von dutzenden Plattenfirmen an seinen Studio-Bändern verbrochen wurde, war nicht in den Valleys sondern eher in den Grotten des Neptun anzusiedeln. Glücklicherweise fand man auf einer der Arbeits-Spulen hinter manipulierten Material die vorliegenden Basisspuren mit nichts als Gesang, Bass, Drums und Gitarre.
Dass Hendrix ein exzellenter und akribischer Klangtüftler war, wird jetzt mehr als deutlich. Die von allen posthumen Overdubs befreiten Tracks klingen wie 2010: Hendrix war nicht nur begnadeter Gitarrist und Komponist, er schuf zeitlose Klangwerke.
Die Stücke sind allesamt bekannt, lagen in derartig brillianter Qualität allerdings so noch nie vor. So fein hat Hendrix noch nie geklungen. Eddie Kramer hat die Aufnahmen vorsichtig und akribisch restauriert, auf einer guten Anlage entsteht auch mit nur zwei Boxen der Hendixtypische Surround-Sound, der einen wegnimmt und nicht mehr losläßt. Der Bass ist treibend-abgrundtief, die Snare knallt trocken, die Becken klingen wie Feingold. Das Album läßt glücklicherweise nicht viel Platz für die Jimi'sche Rückkopplungseskapaden und Girarrenquälereien, es ist eher bluesorientiert und funkig angelegt. Schade ist, daß bei nur 64 Minuten Laufzeit einige Tracks ausgeblendet wurden. Was soll das denn?
Im Begleitheft findet man interessante Details zur Klangentstehung. So schloß Hendrix seine Gitarre an die Rotationslautsprecher einer Leslie-Orgel an, was einen schönen flirrenden Sound erzeugt. Dann ließ er sich ein Gerät basteln, welches die Gitarre eine Oktave höher transponiert, dazu spielte er dann die Originaltöne und schuf dudelsackartige Klänge. Eine wunderbare Idee.
Ich denke, Valleys of Neptune ist ein verspätetes Weihnachtsgeschenk für alle Rockopas und Grundlage für solche, die noch begeisterte Hendrix-Fans werden wollen. Im Booklet deutet Mac Dermott an, daß ein profunder Schatz an Tracks noch auf seine Bergung wartet. Mal sehen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine späte Überraschung vom Gitarrengott, 19. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Valleys Of Neptune (Audio CD)
Ich bin schon ein Hendrixfan. Ich habe eine Kiste mit allen offiziellen und vielen inoffiziellen Hendrix-Cds sowie eine Menge Coverversionen. Auch die beste Musik kann man nicht ewig hören und so stand besagte Kiste einige Jahre verschlossen im Schrank. Nun gab es diese "neue CD" und habe sie ohne große Überlegung gekauft - "Hendrix kannst du ja mal wieder hören" dachte ich gelangweilt. Und dann das: WOW, welche geile und zeitlose Gitarrenmucke: Differenziert, dynamisch, rebellisch,emotionsgeladen und technisch perfekt bezüglich Tonbildung, Anschlag und Rhythmik. Das klingt ja wirklich irre. Klar, die Stücke kannte ich fast alle in anderen Versionen - aber diese hier sind wirklich gut und fetzen. Erwähnen muss ich auch, dass die Drums von M.Mitchell unwahrscheinlich gut passen und fast jazzig differenziert sind. Das ist eine Wohltat und Erholung von vielen heutigen Drummern (und Drumcomputern) die nur ein tumbes 1-2-3-4 zustande bringen und in effekthaschenden Monstersounds zu hören sind. Und ein dickes Lob an Tonmixer E.Kramer: Excellente Leistung. Es ist der Sound der 60er-anfang 70er-Technik genau wiedergegeben und doch soviel transparenter und dynamischer (Ich empfehle Kopfhörer!)
Fazit:
Blues-Rockmusik vom feinsten aus einer hoch innovativen Zeit. Wer Hendrix kennenlernen will, kann sich auch getrost diese Scheibe zulegen. Für Hendrixfans ein 100%iges "Must". Zudem ist die CD auch gut konsumierbar: Es gibt keine Dauersoli und keine ewig kreischenden Rückkopplungen, von denen es auf frühen Live-Aufnahmen manchmal zuviel gab. Da hatte es Hendrix damals manchmal übertrieben.
Für die Spezialisten:
Für mich schließt sich dieses posthume Werk ganz gut an die ebenso posthum (1997) erschienene CD "First Rays of the new rising Sun an" an.
Nachtrag:
Einiges Wertvolle muss noch in den Archiven der Hendrx-Family schlummern. So ist z.B. 1982 bei CBS eine Vinyl-LP "The Jimi-Hendrix-Concerts" erschienen, die auch excellente Versionen bekannter Hendrix-Hits enthält. Allerdings in flauem Sound. Die gibt es bisher noch nicht als remasterte CD!
Bitte Herr Eddie Kramer: Machen Sie sich an die Arbeit! (Am besten noch bevor ich in Rente gehe!)
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