Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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28 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wäre es doch im richtigen Leben so..., 23. Mai 2008
...und nicht nur in Hans Weingartners Film Free Rainer. Ich würde diese Illusion jederzeit gegen die Wirklichkeit der Deutschen Spätnachmittag- und Frühabendverdummung eintauschen. Klar, Free Rainer ist eine Satire, ein Zerrbild der Wirklichkeit, das uns mit überzogenen, plakativen Botschaften auf einen kleinen Kern der Realität hinweisen will, aber in diesem kleinen Kern steckt so unendlich viel Wahrheit.
Rainer(Moritz Bleibtreu) ist Produzent beim privaten Fernsehsender TTS. Er ist eigentlich rund um die Uhr zugekokst, betrunken oder sonstwie auf Droge. Die perfekte Voraussetzung für ein Programm, das lediglich auf Quoten ausgerichtet ist. Selbst der letzte Dreck wird gesendet, wenn die Einschaltquote nach oben geht. Rainer ist das nicht nur egal, nein, er lebt diese Philosophie auch noch. In seiner Schickimicki-Fernseh-Glamourwelt fühlt er sich wohl. Der Zuschauer ist ein opportuner Dummkopf, der den ganzen Mist ja auch sehen will. Er bekommt letztendlich, was er verdient. Da kommt bei Rainer kein schlechtes Gewissen auf...noch nicht.
Pega(Elsa Sophie Gambard) sieht das völlig anders. Ihr Großvater hat sich das Leben genommen, weil er in einer Sendung von Rainer verleumdet wurde. Man beschuldigte ihn, seiner Enkelin Pega, einer erfolgreichen Schwimmerin, Dopingmittel verabreicht zu haben, obwohl das nicht stimmte. Pega hasst Rainer wie die Pest und will seinen Tod. Als Rainer, mal wieder völlig stoned, mit seinem Wagen durch die Stadt kurvt, rammt Pega mit ihrem Geländewagen Rainers Sportwagen. Pega und Rainer werden schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Rainer erlebt im Delirium eine Läuterung und erwacht als anderer Mensch. Er erfährt von Pegas Schicksal und fühlt sich verantwortlich. Nach seiner Gesundung will er das Fernsehprogramm ändern, den Menschen mit kulturellen und intelligenten Sendungen die Glotze schmackhaft machen. Das Ergebnis ist eine Einschaltquote von knapp Null und Rainers Entlassung. Aber der gibt nicht auf. Zusammen mit Pega und einem abenteuerlichen Haufen von Freunden, die er allesamt vor dem Arbeitsamt aufgegriffen hat, läutet Rainer die Attacke auf die Fernsehquote ein. Wenn die repräsentativen Zuschauer mit ihren Vote-Boxen nicht die richtigen Knöpfe drücken wollen, dann muss man eben ein wenig nachhelfen. Mit viel Technik, Dreistigkeit, Alkohol, einem unerschütterlichen Kampfgeist und reichlich Kohle, verwandeln Rainer und Co. Deutschland in ein Fernsehland der Dichter und Denker. Als jedoch Rainers ehemaliger Chef ihnen auf die Schliche kommt, droht der große Plan zu scheitern.
Was für ein wahnsinnig guter Film! Moritz Bleibtreu nimmt man die Rolle des Rainer voll und ganz ab; sie ist ihm auf den Leib geschneidert. Elsa Sophie Gambard ist ein Name, den man sich merken muss. In der Rolle der Pega ist sie der kongeniale Part zu Bleibtreu. Alle Nebenrollen, vor allem das Chaos Team um Rainer und Pega sind göttlich gut besetzt. Dabei ist Free Rainer keine Klamotte, sondern ein Film der nachdenklich macht. Was ist da eigentlich so gndadenlos überzogen, und was nicht? Sind wir nicht schon längst da, wo Weingartners Film ansetzt? Free Rainer ist einer dieser wenigen Filme, der unterhält, lehrreich ist und eine Botschaft verbreitet, die ich ohne wenn und aber unterschreiben würde. Da kann man abschließend nur sagen: Der Deutsche Film lebt! Filme wie Free Rainer sorgen dafür, dass es auch so bleibt. Dankeschön!
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
kompromisslose Medienkritik, 27. Mai 2008
Auch der neue Film von Hans Weingartner zeigt den Mächtigen wieder die Grenzen auf.
Die Botschaft ist klar, die Idee stimmt, die Dramaturgie mitreißend.
Ein Pamphlet gegen festgefahren manipulierende Verhältnisse, die dem Menschen als soziales und empfindentes Wesen mehr schaden als nützen.
Schaut euch diesen Film an, wenn ihr euch noch nicht ganz als Individuum aufgegeben habt.
1a Film in der Directors Cut Fassung. Und bei welchen Filmen ist ein Directors Cut aussagekräftiger als bei denen, die die Position des Regisseur und Autors gleichzeitig mit einem Visionär besetzen?!
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Furiose Abrechnung mit dem Gaga-TV, 26. Mai 2008
Der permanent koksende Rainer (Moritz Bleibtreu) produziert Sendungen wie "Hol' dir das Superbaby", in der die Samengeschwindigkeit dreier Männer entscheidet, wer die Kandidatin schwängern darf. Aus seinem Leben auf der Überholspur wird Rainer jäh herausgerissen, als Pegah (Elsa Sophie Gambard) ihn mit dem Auto zusammenfährt. Rainer erfährt, dass deren Opa sich wegen einer von ihm produzierten Sendung erhängt hat und beendet daraufhin sein bisheriges Leben. Er tut sich mit Pegah und dem technisch begabten Philipp (Milan Peschel) zusammen. Sie versammeln ein Dutzend von der Gesellschaft geschmähter Arbeitsloser, um 1000 Quotenboxen zugunsten geistreicherer Sendungen zu manipulieren. Dabei geht es nicht nur um besseres Fernsehen, sondern auch darum, die Gesellschaft aus der Geißel von Bevormundung und Konsumterror zu befreien.
Ich war skeptisch, ob man auf die Realität mit einer Satire noch viel draufsetzen könnte. Doch es geht: Der Film hat viele starke, aberwitzige, emotionale Momente und dabei eine ernste Intention, die ihn bis zum Ende trägt. Dazu gibt es ein Übermaß an wunderbar überzeichneten Figuren. Man könnte sich nun über den einfallslosen Titel, einige Schwächen im Plot und die überzogen durchschimmernde Sozialromantik mokieren; die Kritiken sind voll davon. Das ist aber nebensächlich, da es dem Film erstaunlicherweise gelingt, dass der Zuschauer am Ende das Kino mit einem gehörigen Gefühl des Kulturoptimismus verlässt. Das Werk von Hans Weingartner sollte man sich unbedingt ansehen.
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