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49 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gory, gory, what a hell of a way to die..., 23. März 2006
Als ein hervorragender und gar nicht mal extrem amerikanischer (Anti-)Kriegsfilm kann "Band of Brothers" bezeichnet werden. Vorgelegt wird eine schöne, relativ edle Metallbox mit 10 Folgen eben jener Miniserie auf 6 DVDs, die eigentlich aber als überlanger Film zu bezeichnen sind; die Geschichte beschreibt die wahren Erlebnisse der Soldaten der Easy Company der 101st Airborne Division von der Ausbildung zum Fallschirmjäger über den Absprung hinter den deutschen Linien am D-Day über die "Operation Market Garden" in Holland, die Ardennenoffensive in Belgien und schließlich das Kriegsende in Deutschland, bei dem die Easy Company sogar Hitlers Kehlsteinhaus okkupieren dürfen. Hier findet sich allerdings eine kleine historische Ungenauigkeit, denn eben dieses von Martin Bormann 1938 in Auftrag gegebene "Teehaus" hoch in den Berchtesgadener Alpen haben die Franzosen als erstes betreten dürfen. Da die Serie aber auf den Erinnerungen der echten Easy-Veteranen basiert und dort oben offenbar keine Franzosen aufzufinden waren, geht diese Ungenauigkeit in Ordnung. Filmtechnisch ist das von Tom Hanks und Steven Spielberg produzierte Werk an "Saving Private Ryan" angelehnt, gleicht dessen inhaltliche Schwächen wie z.B. überzogenen Patriotismus durch eine realistische Darstellung der Kämpfe und die Fokussierung auf die Psyche der Soldaten aus und übertrifft "Ryan" bei weitem, wobei insbesondere die Ausmaße der Szenarien höchst beeindruckend sind. Ein weiterer Vorteil ist, daß beinahe nur unbekannte -aber dennoch herausragende- Schauspieler gecastet wurden, was die Soldaten als Gruppe noch deutlicher herausstellt. Die absoluten Highlights der Serie sind für mich die Folgen 6 und 7, "Bastogne" und "The Breaking Point". Beide Folgen handeln von der Ardennenoffensive im Dezember 1944 bzw. Januar 1945 und zeigen den Kampf der eingekesselten Easy Company in den Wäldern Belgiens gegen die Deutschen, die durch diese massive Offensive das komplette Kriegsgeschehen zu ihren Gunsten drehen wollten. Die Darstellung der Kriegsszenen ist dabei eine Klasse für sich und mir fällt auf Anhieb kein ander Film ein, der die Bezeichnung "Antikriegsfilm" mehr verdient hätte. Weiterhin ist positiv zu vermerken, daß die Deutschen nicht per sé als marodierende Nazi-Monster dargestellt werden, nein, vielmehr werden die Wehrmachtssoldaten am Ende in Folge 10 auf eine Stufe mit den Amerikanern gesetzt, als ein deutscher General eine Ansprache hält, die von einem GI übersetzt wird; daraufhin realisieren die Amerikaner, daß beide Seiten (auch die Mehrheit der Deutschen) nicht kämpfen wollten, sondern mußten und daß die Deutschen zum großen Teil auch nur ganz normale Soldaten waren, was beeindruckend von den echten Veteranen auf der Bonus-DVD geschildert wird. Zur Darstellung des Verhaltens der deutschen Truppen, das hier oft bemängelt wird: Diese Darstellung ist nicht falsch; nimmt man den Angriff auf die Artilleriestellung bei Brécourt Manor (Folge 2) als Beispiel, so lässt sich in verschiedenen Geschichtsbüchern nachlesen, dass dieser Angriff tatsächlich so passiert ist; die Deutschen waren schlicht und ergreifend vollkommen verwirrt, weil es ein Überraschungsangriff war, auf den sie nicht vorbereitet waren. Auch der Angriff auf Carentan in Folge3 ist so geschehen, denn die Waffen-SS war zahlenmäßig unterlegen und war von der Führung in der Tat nur zum leichten Widerstand beordert, da Verstärkung in Form von Panzern und zusätzlicher Infanterie unterwegs war, die Carentan von vornherein zurückerobern sollten. Die viel kritisierte Szene in Folge 5, bei dem Richard Winters "aus der Hüfte" schießt, ist ebenfalls laut seinen eigenen ("Beyond Band of Brothers") und auch anderen, unabhängigeren Berichten so geschehen, weil die Deutschen taktisch äußerst unklug und fast ohne Deckung positioniert waren, sodass "Easy" aus einer strategisch höchst vorteilhaften Position trotz Unterzahl ein Hasenschießen veranstalten konnte, wobei auch noch Artillerie-Unterstützung dazu kam. So, damit nicht genug: Die 6. DVD enthält sehr viel schönes Bonusmaterial wie z.B. eine Original-Dokumentation, die leider im Guido Knopp-Hobby-Historiker-Stil gehalten ist, bei der Interviews mit den "richtigen" Easy Company-Männern im Vordergrund stehen. Beim Schauen der Dokumentation merkt man deutlich, daß die Folgen der Serie auf den Erzählungen der Männer beruhen, auch ein schönes Making-Of ist dabei. Weiterhin ist äußerst positiv zu vermerken, dass der sonst für amerikanische Produktionen so typische Pathos/Patriotismus völlig ausgeblendet wird; es laufen keine Amerikaner mit wehenden Flaggen ins MG-Kreuzfeuer und sterben den ultimativen Heldentod, keiner haucht mit seinen letzten Worten aus, dass er froh ist, für sein Land zu sterben; Respekt, das hätte ich als bekennender Kritiker amerikanischer (Anti)-Kriegsfilme dem Produzentenduo Hanks/Spielberg nicht zugetraut, die mit "Saving Private Ryan" technisch großartige Arbeit leisteten, sich aber schlussendlich in Floskeln und Pathos verloren. Sogar als Kriegsverbrecher werden in dieser Serie zwei amerikanische Soldaten teilweise dargestellt (Capt. Speirs, Cpl. Liebgott). Also wie gesagt, wer einen guten Kriegsfilm sehen will, schaue sich "Band of Brothers" an, denn eine authentischere, unvoreingenommenere Nachzeichnung des Zweiten Weltkriegs aus amerikanischer Sicht habe ich bisher noch nicht gesehen.
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