|
|
10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Düstere Ästhetik mit exzellentem Showdown, 11. November 2002
Während der Anfangs-Credits sind ein paar verschwommene Einstellungen zu erkennen, Säure frisst sich durch Stahl, ein Alien krabbelt über eine Schlafkammer, ein Röntgenbild, auf dem ein fremder Organismus im Hals eines Menschen zu sehen ist. Bereits die Entscheidung, Newt, Bishop und Hicks an Bord des Raumgleiters Sulaco sterben zu lassen, obwohl sich der Zuschauer noch gegen Ende des zweiten Teils noch bereitwillig in Sicherheit wiegen ließ, ist ein überrumpelnder und gelungener, weil den Zuseher verstörender Kniff. Dennoch bleiben wichtige Fragen unbeantwortet - woher stammt das zweite Alien? Was passiert wirklich mit Newt?Nach der Landung auf dem trostlosen Eiland Fiorina 161 beginnt eine düstere Fortsetzung der Alien-Saga. So düster ist die Welt, dass später selbst der Android Bishop den Wunsch äußert, lieber abgeschaltet zu werden, als weiter in dieser Welt existieren zu müssen. Die Bewohner des Gefängnis-Planeten sind Schwerverbrecher, für die Mord und Vergewaltigung allenfalls Kavaliersdelikte zu Beginn ihrer kriminellen Laufbahn waren, inzwischen jedoch jeglicher Gewalt abgeschworen und eine eigenartige religiöse Bruderschaft errichtet haben. So ist Ripley trotz Glatze die erste Frau, die sie seit langem gesehen haben, und damit anfangs der weitaus bedrohlichere Fremdkörper in dieser martialischen Männergesellschaft. Wie im zweiten Teil mag ihr zunächst keiner glauben, wie im ersten Teil knöpft sich das Alien in dunklen Schächten seine Opfer einzeln vor. Ebenfalls wie im ersten Teil verfügen die Insassen des Gefängnisses (auch deren Wärter!) über keinerlei Waffen. Statt dessen muss auf Steinzeitmethoden zurückgegriffen werden, Menschen als lebende Beute, Feuer als Waffe. Allerdings können wie bei vielen anderen Gefängnis-Filmen die kahl geschorenen Insassen nur schwer auseinander halten werden. Wenn dann das Alien zuschlägt, so stellt sich bei aller technischen Raffinesse auch eine gewisse emotionale Leere ein, weil einem so gut wie alle Nebenfiguren herzlich egal sind. Eine echte Unzulänglichkeit des Drehbuchs ist, dass Ripleys Geliebter, Charles Dance, mit dem sie die einzigen zärtlichen Momente verbringen darf, viel zu früh geopfert wird. Allerdings ist das auch ein echtes Alien-Charakteristikum, keiner darf sich sicher fühlen, schon gar nicht der Zuschauer. Leider auch nicht Ripley selbst, und die Idee der Autoren, sie durch das zu töten, was sie über die vorhergehenden Teile der Saga bekämpft, ist genial. Aus ihr soll eine neue Queen, eine neue Alien-Mutter entstehen. Und da sie in keinem Fall zu retten ist, ist sie einsichtig genug, sich zu opfern. Ähnlichkeiten mit anderen Filmfiguren, zum Beispiel mit "Terminator 2" sind sicherlich unbeabsichtigt, aber leider nicht zu übersehen. Das erstaunliche ist, dass es dem Film gelingt, uns davon zu überzeugen, dass diese Opferung nicht nur unvermeidlich geworden ist, sondern gleichzeitig das Beste ist, was Ripley passieren konnte. Endlich wird sie erlöst. Regisseur Fincher setzt auf eine düstere Atmosphäre, auf geniale Kamerafahrten und auf ein Stahlwerk-Design, das die übliche Sci-Fi-Sterilität ersetzt. Hinzu kommen Eigenschaften der Aliens, die in den ersten beiden Teilen verborgen blieben: Geschwindigkeit und Durchhaltevermögen. Damit bleibt Fincher dem Serien-Charakter der Saga treu, wonach jeder Regisseur ein ganz und gar eigenständiges Werk erschaffen durfte. Leider musste er sich mit einer Reihe von Drehbuchautoren herumschlagen, von denen jeder seine eigene Sicht der Dinge in die Handlung einarbeiten konnte, was dann zu manch abrupten Rissen in den Handlungssträngen führte. Gerade in der wiederholten DVD-Betrachtung treten diese zu Tage. Dennoch bleibt Alien3 für jeden Fan ein Muss!
|