Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Viel besser als sein Ruf, 10. Oktober 2006
Um sich FEGEFEUER DER EITELKEITEN in der Filmversion nähern zu können, muss man zunächst auf seine Schwächen hinweisen:
Tom Hanks ist nichts anderes eine eklatante Fehlbesetzung. Er verkörpert nicht den Sherman McCoy, der er sein müsste, um in dieser Rolle glaubhaft zu sein. Man stelle sich diesen Wallstreet-Softie im Duell mit einem Gegner vom Kaliber eines Gordon Gekko aus Oliver Stones WALLSTREET vor
Die Synchronstimme von Melanie Griffith ist furchtbar. Obwohl sie sonst passabel spielt, wird ihre Rolle in der deutschen Version einfach nur lächerlich.
Und das Schlussplädoyer des Richters ist viel zu dick aufgetragen, noch verstärkt durch die fratzenhaft abgebildeten Gesichter der Scheinheiligen, als wenn uns hier die Message mit dem Holzhammer eingetrichtert werden soll.
Nimmt man aber diese Mängel in Kauf und ignoriert die zahlreichen Kritiker, deren Enttäuschung wie bei jeder Literaturverfilmung vor allem in einer ihrer Meinung nach ungenügenden Umsetzung der Romanvorlage auf Zelluloid motiviert ist, so kann man einen großen Film entdecken.
Die Handlung Wallstreet-Yuppie biegt auf dem Highway falsch ab, wird dadurch in einen Unfall verwickelt und gerät durch eigene Ignoranz in einen katastrophalen Strudel aus Einzelinteressen und Medienhype - ist spannend erzählt.
Die visuelle Umsetzung durch die Kamera ist genial. Jede Szene ist stimmig und elegant gefilmt, ob in der Subway, vor und im Gericht, in der schnittlosen Peter Fellows-Szene in den von Komparsen wimmelnden Hotelkatakomben oder in der Eingangssequenz mit dem Wasserspeier des Chrysler-Buildings.
Bruce Willis spielt hervorragend. Zwar löst auch er sich sehr von seinem Konterpart im Buch, aber seine Interpretation der Rolle ist sehr gut gelungen.
Morgan Freeman ist die Idealbesetzung des Richters und stellt ihn dar voll von respekteinflößendem Sarkasmus.
Und auch das Drehbuch fängt glaubhaft die ganze Scheinheiligkeit, Ego-Zentriertheit, Boshaftigkeit und den Zynismus des Romans ein auch wenn hier natürlich weitreichende Zugeständnisse an Filmlänge und Sehgewohnheiten der Zuschauer zu machen waren.
Fazit:
Dieser Film hat es nicht verdient, nur als Oberflop in die Annalen des Kinos einzugehen. Trotz aller vorgenannten deutlichen Schwächen ist er dafür einfach zu gut.
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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
sehr unterschätzt, aber trotzdem kein Meisterwerk, 2. Oktober 2004
Selbst als Brian De Palma-Fan muss man sagen, dass "Fegefeuer" kein Meisterwerk ist, dafür hat er zu viele offensichtliche Schwächen, aber er ist auch nicht der Total-Ausfall, der ihm immer wieder gern unterstellt wird (er war der Film, der im Erscheinungsjahr am heftigsten verrissen und ignoriert wurde, gilt als einer der größten Flops aller Zeiten). Sogar De Palma selbst mag sich kaum noch an die Dreharbeiten erinnern, in der eine Katastrophenmeldung die nächste ablöste (Melanie Griffith war z.B. ein Last-Minute Ersatz). Und die Vorlage, der brillante Roman von Tom Wolfe, ist den Amerikanern zu heilig, um eine Verfilmung einfach so durchgehen zu lassen.
"Fegefeuer der Eitelkeiten" hat durchaus einen intelligenten, satirischen Humor, den De Palma seit Urzeiten beherrscht, auch wenn man den Regisseur eher mit Thrillern in Verbindung bringt (man sehe sich nur "Greetings" an), der hier aber aus Mainstream-Gründen nicht wirklich zum Tragen kommt. Hätte man De Palma allein gelassen, wäre der Film deutlich böser und anarchischer geworden und hätte dann auch der Vorlage besser Rechnung getragen - aber bei einem solch teuren Mammut-Projekt sind einfach viel zu viele Köche am Brei, die möglichst alles glattbügeln wollen - das ist der Tod für die Satire.
In dem hervorragenden Buch "The Devil's Candy" wird die Entstehung des Films begleitet und detailliert beschrieben, und dort findet sich auch die erschreckende Szene, als der fertige Film zum ersten Mal vorgeführt wird und nur an einer einzigen Stelle ein Lacher kommt (der Dackel!) und dann zwei Stunden keiner mehr. Urgh!
Die Kameraarbeit ist exzellent, De Palmas visueller Stil ist hier zurückhaltender als üblich, aber immer elegant und faszinierend (allein der lange, lange Tracking-Shot zu Beginn ist eine Augenweide). Die Schwächen sind die Besetzung und das Drehbuch. Fast alle Hauptdarsteller sind fehlbesetzt. Selbst Fans von Tom Hanks müssen einsehen, dass er der falsche Darsteller ist - der eitle, selbstgerechte Yuppie Sherman McCoy aus dem Roman wird durch Hanks zu einem jammernden, dümmlichen Sympathie-Loser, bei dem man sich immer fragt, wie er überhaupt so reich und erfolgreich werden konnte, und dessen Niedergang vollkommen kalt lässt. Bruce Willis spielt zwar angenehm entspannt, aber den intellektuellen Journalisten mit scharfer Zunge nimmt man ihm trotzdem keine Sekunde ab. Melanie Griffith ist darstellerisch nichts vorzuwerfen, aber ihre Charakter soll eine heiße, junge Südstaaten-Geliebte sein (das "Devil's Candy"), und dazu muss man nicht mehr sagen. Die Synchronisation verpasst ihrer Rolle übrigens den Todesstoß, in dem man sie LISPELN lässt. Das ist eine Frechheit sondergleichen und sollte gerichtlich geahndet werden - wie kann man eine Darstellerin dermaßen denunzieren?
Das Drehbuch hat keinen Sinn für Aufbau und Rhythmus, immer wieder hat man das Gefühl, der Film wäre gleich zu Ende, dabei geht er noch lange weiter, bis sich schließlich das Gefühl einstellt, er wäre drei Stunden lang. Dazu kommt noch, dass das Finale im Kitsch ertrinkt - was die Fans von Tom Wolfe endgültig auf die Barrikaden gebracht hat. Wenn Morgan Freeman seine "Capra"-Rede über Anstand hält, glaubt man nicht, was man sieht und hört, so schlecht ist sie geschrieben, gespielt und unpassend obendrein. Zweck der Satire ist es nicht, den Zuschauer zu belehren, da hat jemand etwas völlig missverstanden, leider. In einem Film, der mit bösartiger Freude die schlimmsten menschlichen Eigenschaften aufzeigt, ist für einen Moralapostel kein Platz.
Fazit: "Fegefeuer der Eitelkeiten" ist unterhaltsam, ein Fest Fürs Auge und stellenweise witzig und intelligent. Aber er ist bei Weitem nicht das, was er hätte sein können, nämlich ein modernes Meisterwerk der Satire, und das ist sehr schade.
Zur DVD: das anamorphe 1,85er-Format der DVD ist zwar identisch mit allen ausländischen Veröffentlichungen, entspricht aber nicht dem korrekten Bildformat des Cinemascope-Films. Die deutsche VHS-Version bot den Film im korrekten 2,35er Format (wenn auch natürlich nicht 16:9). Das ist bei einem Regisseur wie DePalma und einem Kameramann wie Zsigmond besonders schade, da hier ausgefeilte Bildkompositionen zerstört werden. Extras gibt es keine.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Warum ehrlich sein, wenn alle lügen?, 31. Juli 2008
Wenn man Wolfes Buch, das die Grundlage für diesen Film lieferte, noch als Gesellschaftskritik auffassen konnte, geht das bei diesem Film nicht mehr. Alle Film-Figuren sind dermaßen überzeichnet, dass wir gleich zu Beginn dieses Streifens die satirische Absicht des Regisseurs einfach nicht übersehen können. Aber die Satire ist nicht beißend. Sie ist eher harmlos und unterhaltend. Uns wird die Verlogenheit der Welt vor Augen geführt, und zwar in einer Weise, dass wir hinterher nicht betroffen sind und uns nächtelang Gedanken über die Schlechtigkeit der Menschheit machen müssen.
Wertpapierhändler McCoy (T. Hanks) verpasst die richtige Highway-Abfahrt in New York, weil er gerade von seiner mannstollen Geliebten (M. Griffith mit nervtötender deutscher Stimme) befummelt wird. Sie landen in der Bronx und leider auch zur falschen Zeit am falschen Ort. Durch die dann folgenden Ereignisse verliert McCoy Frau, Geliebte, Vermögen und Freiheit. Aber am Ende findet sich schließlich doch die rettende Lösung. In einer verlogenen Welt muss man eben auch manchmal selber lügen, wenn der eigene Hintern in höchster Gefahr schwebt. Das ist irgendwie die Botschaft dieses Filmes.
Dazwischen erleben wir alles, was das amerikanische Hollywood-Kino an Figuren zu bieten hat: Yuppies, saufende, aber obercoole Journalisten (B. Willis), nervige Ehefrauen, noch schlimmere und obendrein gewissenlose Geliebte, politisch ambitionierte und das Gesetz biegende Staatsanwälte, Hassprediger, richtungstreue Arschkriecher, Moralapostel und einen Richter, der Gott gleicht. Was will man mehr?
Fazit:
Vergisst man die Romanvorlage, dann ist das gutgemachte Unterhaltung. Kann man das nicht, dann sollte man sich diesen Film einfach nicht ansehen.
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