Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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103 von 116 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der umgekehrte Domino-Effekt, 11. Februar 2005
Handlung im engeren Sinne gibt es eigentlich eher wenig (gemessen am Umfang des Buches). Anna Gavalda widmet sich so ausgiebig ihren Figuren, dass man alles andere rundum vergisst. Episodenhaft erzählt sie ihre Geschichte. Sie zeigt, wie sich vier grundverschiedene Menschen, die jeweils einsam und völlig am Boden sind, gegenseitig aufrichten. Sie selbst nennt das den umgekehrten Domino-Effekt. Ihre Steinchen kippen nicht nacheinander um und das eine zieht das andere mit ins Verderben, bis keines mehr auf steht, sondern machen (zunächst ganz unbewusst) das genaue Gegenteil. Gerade heutzutage, wo sich jeder nur noch um sich selbst und seine eigenen Probleme kümmert, wirkt die Art, wie die Figuren aufeinander aufpassen, sich umeinander sorgen, fast schon altmodisch - und ist gerade deswegen irgendwie herzerfrischend.Anna Gavaldas Stil ist dabei absolut hinreißend. Sie verfolgt ihre Protagonisten mit stetig wechselndem Blickwinkel, beobachtet mal den einen, mal den anderen und zeichnet von allen ein so lebendiges, so reales Bild, dass man fast schon glauben mag, es gäbe sie wirklich. Man kennt die Figuren mit der Zeit richtig gut, möchte sie anschubsen, damit sie endlich aus ihrer Haut herauskönnen, sie in den Hintern treten, wenn sie mal wieder auf dem Schlauch stehen und sie in den Arm nehmen, wenn sie traurig sind. Es gibt kaum "echtere" Romanfiguren als die von Anna Gavalda. Sie hauen einen um. Sie reißen einen mit. Viele Handlungsstränge erschließen sich über die Dialoge. Es wird sehr viel geredet, aber nicht immer mit vielen Worten. Dennoch steckt in den Dialogen sehr viel und selbst Schweigen hat Gewicht. Jeder Satz, jedes Wort passt genau, vervollständigt das Bild und lässt die Figuren umso lebendiger erscheinen. Jede der Figuren trägt ihr eigenes Bündel Schicksal, aber es wirkt nie aufgesetzt. Anna Gavalda betrachte ihre Figuren stets mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Sie hat ein Gespür für tragische Momente, genau wie für lustige und unterstreicht ihren Roman mit einer fast schon zärtlichen Ironie. Anna Gavalda wächst mir mit jedem Buch mehr ans Herz. Wer noch die Muße hat, sich auf einen Roman einzulassen, der fast schon allein durch die Figuren wirkt, der wird mit einer zart und feinfühlig erzählten Geschichte belohnt.
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25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Spritzig, einfühlsam, positiv. Endlich wieder ein ehrlicher Mutmacher, 6. April 2008
Ein Griff in die Auslage, ein Blick hinein und man ist vergiftet. Süchtig. Gefangen. Ich habe dieses Buch zufällig in die Hand genommen, irgendwo aufgeschlagen und saß sofort in der Falle.
Wie macht sie das, die Anna Gavalda?
Sie beobachtet Menschen sehr intensiv. Und sie muss diese Menschen lieben. Anders ist so ein Buch nicht vorstellbar.
Der Titel klingt banal. So gar nichts reißerisches. Das ist das erste, was angenehm auffällt. Wer sich das erlauben kann, muss ein As im Ärmel haben.
Die Charaktere der drei + eine Hauptperson werden meisterhaft gezeichnet. Strich für Strich, Satz für Satz entstehen die Porträts, Nuancen, Andeutungen, kurze, blitzlichthafte Ausleuchtung. Immer hat der Leser genügend Freiraum, seine Phantasie einzusetzen, nie fühlt er sich gegängelt und doch führt die Autorin diese auf den ersten Blick so unscheinbaren Figuren sicher durch die kleine, alltägliche Handlung. Schält ihre Schmetterlinge aus den Puppen, bis sie stark genug sind, ihre Farben zu zeigen.
Ein Buch über tiefe Menschlichkeit, über Alltagsängste und Einsamkeit bis zur Lebensbedrohung, über Hilfe, Solidarität, Verständnis und Achtung des Nächsten. All das, was wir so nötig brauchen.
Sicher, dass in den drei Protagonisten letztlich kleine Genies stecken, ist frei erfunden, ebenso wie das etwas durchschaubare happy end. Aber machen das nicht alle Märchen so?
551 Seiten französisches Esprit, eine laufend überraschende Sprache voller kleiner gags, überhaupt nicht intellektuell überhoben und selbst in der sparsam dosierten Unflätigkeit immer glaubhaft. Das macht Spaß, das ergreift, das zieht den Leser mit hinein.
Kleines Beispiel: Wie drückt man Ratlosigkeit aus?
Camille sah Philibert an, und Philibert sah woandershin.
So einfach geht das.
Noch ein Schmankerl gefällig?
Keine Nachrichten von der Liebesfront? Gut. Keine Nachrichten, gute Nachrichten.
Hoppla, wie war das? Wie gut, dass man im Buch dreimal nachlesen kann und dann drüber nachdenken. Im Film ist das sofort weg.
Natürlich bleibt das nicht so stehen. Aber neugierig macht das schon auf den Weitergang der Geschichte, nicht wahr?
Mehr wird jetzt nicht verraten.
Wie schön, dass es auch noch Champagner gibt zwischen all dieser Cola und fun-drinks. Von mir gibt's für dieses Feuerwerk 5 Sterne.
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ein ruhiges Buch für freie Stunden, 4. September 2007
Zwei Männer und zwei Frauen. Eine junge, magersüchtige Frau, die ein ärztliches Attest für ihre Arbeit als Putzfrau benötigt, eine alte Dame, die im Kampf gegen das Alter die Waffen strecken muss und mit dem Schreckgespenst des Altersheims im Krankenhaus liegt; ein schüchterner Adliger, der sich im Alltagsleben kaum zurechtfindet und ein junger Koch, der fast ausschließlich für seine Arbeit lebt und atmet. Und irgendwie kommen diese Einzelkämpfer durch eine Verkettung von Umständen zusammen.
Franck, der Koch, sucht eine Bleibe zum stundenweise schlafen und findet ein Plätzchen in der adligen Riesenwohnung von Philibert, wo er sich bald häuslich einrichtet. Und da Camille ihren Heizofen mit der Illusion des offenen Feuers unbedingt in Gesellschaft einweihen will, kommt ihr Nachbar Philibert auf ein kleines Picknick vorbei. Als Camille dann eine schwere Erkältung bekommt, wird die Ritterlichkeit in dem schüchternen Adligen mit den vielen Komplexen geweckt und er gewährt ihr Asyl in seiner feudalen Wohnung. Franck ist gar nicht begeistert von der eingezogenen Weiblichkeit und beäugt die Neue mit Skepsis. Außerdem hat er andere Sorgen. Seine Großmutter, Paulette, ist nun im Altersheim gelandet und dort einfach todunglücklich. Doch schließlich hat Camille die Idee, die alte Dame ebenfalls in die neuentstandene WG aufzunehmen und bietet sich gleichzeitig als bezahlte Pflegekraft ein. So entsteht eine Gemeinschaft der besonderen Art und die einzelnen Personen stellen erstaunt fest, dass sich in ihrem Leben etwas bewegt, was die Erfüllung ihrer Wünsche in greifbare Nähe rücken lässt. Denn gemeinsam ist man einfach stärker.
Die Autorin Anna Gavalda lässt dem Leser sehr viel Zeit um die einzelnen Personen näher kennen zu lernen. Obwohl Camille, Philibert, Franck und auch Paulette gerne ihre eigenen Ängste und Sorgen vor der Außenwelt verstecken, bemerkt man ihre Zartheit und Verletzlichkeit, die sie trotz ihrer Widerborstigkeit so liebenswert macht.
Der Schreibstil der Autorin ist etwas gewöhnungsbedürftig. Die einzelnen Sätze wirken manchmal wie hingeworfen. Zusammengewürfelte Aussagen und unvollendete Gedankengänge werden spielerisch auf das Papier gebracht. Da die einzelnen Sätze jedoch meist knapp abgefasst sind die einzelnen Abschnitte relativ kurz, kann der Leser schnell das Puzzle zusammensetzen und hat mit der Zeit sogar Spaß daran, Kleinigkeiten zu entdecken, auch wenn sie zur eigentlichen Handlung keinen wesentlichen Beitrag leisten.
Leider hängt die Geschichte im vorletzten Viertel etwas durch und die Hauptpersonen scheinen sich etwas vom Leser zu distanzieren. Der Schluss macht hier einiges wieder gut. Aber leider kommt das Gesamtwerk zu sehr aus der Balance und man misstraut der Harmonie des glücklichen Endes.
Trotzdem: "Zusammen ist man weniger allein" ist ein schönes Buch für ein ruhiges Lese-Wochenende und auch prima als anregende Urlaubslektüre geeignet.
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