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51 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Familiensaga, Tragikomödie, eine Geschichte vom Erwachsenwerden, ein Buch über das Leben, ein stilles Buch , 4. Juli 2006
Der siebzehnjährige Phil führt ein ungewöhnliches, chaotisches Leben. Er bewohnt mit seiner Zwillingsschwester und seiner Mutter eine alte Villa am Rande einer provinziellen Kleinstadt. Am Rande im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die anderen Bewohner meiden Phil und seine Familie.
Eine Vielzahl zwar ungewöhnlicher und seltsamer, doch liebenswürdiger und warmherziger Menschen spielt in Phils Alltag eine Rolle. Phils Schwester Dianne spricht mit Tieren, geht nachts schwimmen, ist unnahbar, verschlossen, ablehnend, ja gleichgültig. Die Mutter Glass, die von ihren Kindern ausschließlich mit ihrem Vornamen angesprochen werden möchte, ist alles andere als eine Bilderbuchmutter. Körperliche Zuwendungen sind selten, diese beanspruchen ihre wechselnden Liebhaber. Der Vater, Nummer drei auf der Liste Glass? Partner, ist den Kindern unbekannt. Dann ist da noch Gable, der einzige Verwandte. Ruhelos bereist er die Welt und verletzt sich selbst, um nicht zu vergessen. Kat, Phils beste Freundin, lernte ihn als Leidensgefährten in einer Klinik kennen, wo ihnen die abstehenden Ohren angelegt wurden. Annie Glösser, die mit roten Schuhen durch die Straßen tanzt, bringt Phil, achtjährig, bei, sich ein schönes Gefühl zu bereiten. Außerdem sind da noch Tereza, die lesbische Anwältin und beste Freundin von Glass, sowie der unglückliche Wolf, der, krank im Herzen und im Kopf, mit einem Gewehr auf Vogelnester schießt.
So ungewöhnlich die Personen sind, die Phils Leben bestimmen, so außergewöhnlich sind auch die Geschichten, die er erlebt. Phil und Dianne ? noch Kinder ? und Glass helfen Tereza dabei, die Leiche ihres Vaters mit Kartoffelsäcken zu tauschen, um dessen letzten Wunsch zu erfüllen, in seinem Garten begraben zu werden. Eine kindliche Schlacht zwischen den Hexenkindern Phil und Dianne mit den Stadtkindern wird geschlagen, bei der sich Dianne schützend vor ihren Bruder wirft und mit einem Messerstich bezahlt.
Und schließlich verliebt sich Phil in den Schwarm seiner Schule - Nicholas. Es beginnt eine Zeit der Entdeckungen, Enttäuschungen und Entscheidungen.
In Andreas Steinhöfels ?Die Mitte der Welt? ist zentrales Thema das Erwachsenwerden, der Übergang vom Kind zum Jugendlichen und die damit verbundenen Konflikte und Probleme, von letzten kindlichen Riten hin zur ersten Liebe, ein Erwachen.
Die Liebe des Hauptprotagonisten Phil zu einem Jungen spielt keine dominante Rolle. Steinhöfel stellt sie in absoluter Selbstverständlichkeit dar. Auch wenn der Autor Andreas Steinhöfel den Jungen Phil in den Mittelpunkt seines warmherzigen Buches gestellt hat, vernachlässigt er in keinem Moment die anderen Figuren, da sie zu wichtig sind, um den Helden zu formen.
Die Andersartigkeit, das Außenseiterdasein Phils und seiner Familie und die Personen die ihn umgeben im Gegensatz zu den normalen Stadtbewohnern, den Gewöhnlichen, dem Klein- oder Spießbürgertum macht das Buch zu einem stillen Aufruf für Toleranz, ja Akzeptanz, Menschlichkeit, für ein Miteinander. Dabei ist es von brisanter Aktualität als auch völlig zeitlos.
Steinhöfel gelingt es aufzuzeigen, was fehlende Kommunikation anrichtet, was es bedeutet wenn (familiär) kein Austausch mehr stattfindet. So hat die ohnehin gefühlskalte Mutter ihren Kindern siebzehn Jahre lang verschwiegen, dass nicht der Kindesvater sie verlassen hat, sondern sie ihn.
Steinhöfel thematisiert, präzise beobachtet, Vaterlosigkeit, den Wunsch nach Nähe, Vertrauen und Betrug.
?Die Mitte der Welt? lässt sich nicht einordnen. Es ist eine Familiensaga, eine Tragikomödie, eine Geschichte vom Erwachsenwerden gleichermaßen, ein Buch über das Leben, ein stilles Buch ? trotz aller Schicksalsschläge im Leben Phils.
Schon lange lag das Buch auf meinem Lesestapel. So häufig wurde es mir empfohlen. Jedoch schreckte mich die buchhändlerische Zuordnung zum Jugendbuch stets ab.
Ich nahm die Aufgabe der Bewertung/Beurteilung eines Jugendbuches in Form dieser schulischen Aufgabe zum Anlass und las es.
Andreas Steinhöfels ?Die Mitte der Welt? ist großartig. Ein großes, beeindruckendes, mutiges und zeitloses Buch. Ich habe es so langsam als möglich gelesen, um die Sprache zu genießen, die vielen Details und scheinbar nebensächlichen Handlungsstränge wahrzunehmen, die vielen liebreizenden, so verschiedenartigen Charaktere zu erleben.
Ich habe gelacht und war begeistert, ich habe (mit-) gelitten und geweint.
Lesen!
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45 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein bestürzend sanfter und betörend anmutiger Roman, 30. April 2001
Von Ein Kunde
Vollkommene Bestürzung und tiefe Melancholie waren meine ersten Reaktionen, als ich irgendwann im Morgengrauen "Die Mitte der Welt" aus der Hand gelegt hatte. Noch Tage danach ging ich wie in Trance in Uni und Arbeit, unfähig auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.Es ist schier nicht zu fassen, mit wieviel Liebe und Behutsamkeit A. Steinhöfel seine Geschichte entwickelt. Mit einer wunderbar klaren, aber nie ins Banale abrutschenden Sprache: sanft, mit traumhaften Bildern und nicht selten herrlich verschmitzt. Liebevoll zeichnet er auch seine Figuren. Den sensiblen Phil, der sich unsterblich in seinen schönen aber unerreichbaren Mitschüler Nicholas verliebt; seine seltsam verschlossene Schwester Dianne, auf der ein schweres Geheimnis lastet; die schrullige aber verständnisvolle Mutter Glass, die ob ihrer zahlreichen Liebschaften einen eher zweifelhaften Ruf in der Stadt genießt; der wunderbare Herr Tröht mit seinem staubigen Krämerladen und den heißgeliebten Bonbongläsern; oder eben die dicke Annie, die in knallroten Schuhen tänzelnd und bepackt mit unzähligen Flaschen Kirschlikör - ihrem Grundnahrungsmittel - in Baugruben plumpst... Es ist unverkennbar. Steinhöfel weiß wovon er spricht, denn er sieht mit dem Herzen - und den Träumen eines Kindes. Nur dort findet wirkliches Leben statt. Viele vergessen das mit dem Älterwerden. Leider. "Die Mitte der Welt" ist für mich mein kostbarstes Buch geworden. Nicht selten trage ich es auch bei mir. Als Trost und als Lebensversicherung: daß man nie vergißt, wie herrlich bunt und zauberhaft menschliches Leben doch sein kann. "Das habe ich nie vergessen. Daß man liebt, um die Kälte zu vergessen und den Winter zu vertreiben." (S.96)
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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mehr als nur ein Jugendbuch!, 3. Dezember 2008
Die Mitte der Welt ist ein beeindruckendes Buch, das ich in einem Rutsch gelesen habe, weil ich nicht mehr aufhören konnte.
Andreas Steinhöfel beschreibt stilistisch gekonnt das Leben des 17-jährigen Phil, der entdeckt, dass er sich in einen Mitschüler verliebt hat. Aber Homosexualität spielt in dem Buch eher nur am Rande eine Rolle. Es sind die zahlreichen skurrilen Figuren und Geschichten, die dem Roman die Würze geben. Ein Wechselbad aus Humor und Drama nimmt einen regelrecht gefangen.
Fazit: Ein liebe- und humorvolles aber auch ernsthaftes Buch über das Erwachsenwerden und menschliche Schwächen. Die Einordnung als Jugendbuch sollte hier nicht abschrecken, sie wird dem Buch nämlich nicht gerecht.
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