Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Nicht mehr zeitgemäß, 21. Dezember 2006
In diesem psychologischen Ratgeber widmet sich der Autor dem Phänomen der Liebe. Man sollte allerdings bedenken, dass das Buch in den 50er Jahren erschien, und dass einige der beschriebenen psychologischen Modelle inzwischen überholt sind.
Zunächst erklärt der Autor, das grundsätzliche Problem des Menschen sei sein Abgetrennt-Sein von allem anderen, das er durch verschiedene Mittel wie Gruppenzugehörigkeit, Ekstase (Drogen, Sex,...), Konsum u.a. zu überwinden versucht. Eine wirkliche Überwindung sei jedoch nur durch "richtiges" Lieben möglich, das kein Gefühl, sondern eine aktive Tätigeit sei. Im Folgenden wird auf die Besonderheiten von Elternliebe, Nächstenliebe, Selbstliebe, erotischer Liebe und Liebe zu Gott eingegangen. Die Erklärungen sind dabei auch für den Laien gut verständlich und interessant geschrieben. Besonders ausführlich wird auf die Elternliebe eingegangen, die der erwachsene Mensch, der sich von den Eltern gelöst haben sollte, verinnerlicht hat. Geschieht diese Loslösung von den Eltern nicht oder unvollständig oder ist schon in der Kindheit die Elternliebe in irgendeiner Form beeinträchtigt, so entwickelt der erwachsene Mensch je nach Art der Störung verschiedene Formen von Neurosen bzw. neurotischen Beziehungsmodellen. Beispielsweise soll eine Depression häufig durch eine einseitige Bindung an die Mutter (fehlende Vaterliebe) bedingt sein.
All diese Dinge und Zusammenhänge fand ich durchaus interessant und ihretwegen hat es sich für mich gelohnt, dieses Buch zu lesen. Etwas seltsamer fand ich jedoch die Auffassung des Autors, Lieben sei ein "Akt des Willens" und nicht an ein bestimmtes Objekt gebunden, d.h. man könne jederzeit einfach beschließen, jeden beliebigen Menschen zu lieben. Andeutungsweise rechtfertigt der Autor damit sogar Zwangsehen, mit dem Argument, diese Menschen würden sich wenigsten aktiv bemühen zu lieben, und nicht wie in unserer Gesellschaft passiv abwarten, bis die Liebe ihnen "passiert". Ebenfalls fragwürdig finde ich die Einstellung des Autors zu Homosexualität: diese sei ein "Unvermögen", die gegensätzlichen Pole der Natur (männlich und weiblich) zu vereinigen, und somit keine wahre Liebe, denn die erotische Liebe bestehe in eben jener Vereinigung der Gegensätze. Homosexuelle Liebe sei somit gleichzusetzen mit "dem durchschnittlich heterosexuell veranlagten, der nicht lieben kann".
In Anbetracht dieser Äußerungen finde ich es etwas beunruhigend, dass so viele Menschen dieses Buch scheinbar ohne Einschränkung toll finden. Wenn man es etwas differenzierter betrachtet, kann man aber durchaus interessante Dinge lernen, die unter Umständen für die eigene persönliche Entwicklung hilfreich sein können. Im Übrigen sollte noch erwähnt werden, dass man von diesem Buch keine konkrete Anleitung für richtiges Lieben erwarten darf; man erhält eher einige Denkanstöße, die man dann selber sinnvoll weiterführen kann.
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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Liebe, kein Objekt sondern eine Fähigkeit, 11. Mai 2003
„Die Kunst des Liebens lernen? Das habe ich doch nicht nötig." So werden wahrscheinlich viele Menschen denken, die dieses Buch in die Hand bekommen und es dann wieder weg legen. Damit liegen sie allerdings völlig falsch, denn hinter diesem Titel versteckt sich etwas ganz anderes als eine billige Anleitung zum Thema Liebe bei deren Lektüre man die Kunst des Liebens spielend erlernen kann. Vielmehr handelt es sich hier um eine eindrucksvolle Sammlung von Denkansätzen und Analysen zum Bergriff und Phänomen der Liebe. Systematisch geht der Autor auf die verschiedenen Arten der Liebe, Nächstenliebe, Mütterliche Liebe, Erotische Liebe, Selbstliebe und die Liebe zu Gott ein. Für ihn ist die Liebe nicht in erster Linie eine Bindung an eine bestimmte Person sondern vielmehr „eine Haltung, eine Charakter-Orientierung". Das heutige Verständnis von Liebe sieht er mehr als eine, aus dem Egoismus und Narzissmus geborene Handlung, um der eigenen Einsamkeit zu entfliehen und nicht als das, was der Begriff Liebe wirklich hinter sich verbirgt. Er analysiert die verschiedenen Arten der Liebe eindrucksvoll und auch für den ungeübten Leser verständlich. Nach dieser theoretischen Einführung über die Liebe geht er im letzten Kapitel auf die Praxis der Liebe ein. Aber auch hier wird man keine Pauschalrezepte finden um die Kunst des Liebens zu erlernen, sondern auch nur mit Gedanken konfrontiert, die einem vielleicht dabei helfen können seine eigenen Sichtweisen bezüglich der Liebe zu überdenken und dann gegebenenfalls zu ändern. Es dient also primär als Anregung zu eigenem Handeln, Denken und Aktiv werden. Allerdings stellt er sehr hohe Ansprüche an die Realisation der wahren Liebe, wie er sie versteht. Diese Ansprüche dürften in der heutigen Zeit noch schwerer zu erfüllen sein, als sie früher vielleicht zu erfüllen waren, obwohl er in seinem Buch auch schon die damalige Gesellschaft und den Kapitalismus für den verfälschten Liebesbegriffs mitverantwortlich macht. Eine eindeutige Kritik an der Gesellschaft und am Kapitalismus kommt in seinem Buch stark zur Geltung. Das Buch ist nicht gerade dafür geeignet um es „mal so nebenbei" zu lesen sondern mehr für den interessierten Leser bestimmt, welcher sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen mag. Auch Leser mit der Erwartung und dem Wunsch nach Do-it-yourself Anleitungen oder präzisen Lebenshilfen werden von diesem Buch enttäuscht sein. Befasst man sich allerdings intensiver mit dem Thema wird man entdecken, dass in diesem Werk noch viel mehr steckt als erwartet.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
"Wahre" Liebe ist eine große Kunst, 10. Januar 2000
Von Ein Kunde
Ein Buch, wie man es sich wünscht, offen und ehrlich, dem Leser zugetan, ein allseitiges Vertrauen und Verständnis ausströmend. Fromm macht es uns vor, wie es funktionieren sollte oder könnte, die Kunst des Liebens zu leben. Man darf nicht erwarten, in diesem Buch eine Do-it-yourself-Anleitung zum Thema Liebe und Beziehung zu finden, es ist vielmehr eine Analyse der Widerstände und Widrigkeiten gegen eine erfüllte und ehrliche Liebe um der Liebe willen, wie sie ihr in unserer modernen Gesellschaft entgegenstehen. In Anlehnung an marxistische Erkenntnisansätze überträgt er diese auch auf die psychologische Situation des Menschen, der sich mehr und mehr von seinem Selbst, seinem Innern entfremdet hat, der nicht mehr ehrlich sich selbst lieben und damit die Menschen in sich und sie selbst zu lieben in der Lage ist. Eingelullt von Konsum und Produktion, Geschwindigkeit und Alltagstrott, ist auch die Liebe zu einem Tauschwert verfallen, man gibt sich dem hin, von dem man den besten Gegenwert für einen selbst zu erhalten hofft. Zugegeben, das alles klingt recht fremd, aber in der klaren und offenen Sprache Fromms erkennt man schnell diverse Eigenarten, man fühlt sich in der Lage, die eigene Situation zu hinterfragen und die Konsequenzen für einen konzentrierteren und aufmerksameren Umgang mit sich selbst und seinen Mitmenschen anzugehen, eine sehr positive Wirkung des Buches. Fromm propagiert die reife Annahme des Menschen um seiner selbst willen, das Wagnis, den Partner um seines Daseins willen zu lieben, sich mit ihm in den Persönlichkeiten zu treffen. Dabei stellt er die verschiedenen Formen fehlgeleiteter und nicht eigentlicher Liebe vor, in der wir nur zu oft vertraute Zustände finden können. Es ist kein Buch, daß den Leser mit einer Läuterung in ein besseres Leben entläßt, aber es sind die weisen Ratschläge eines besorgten Menschen, denen zu folgen kein Fehler sein kann.
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