Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
keine leichte Kost..., 25. Januar 2008
Ein Tag auf 220 Seiten.
Sorokin schreibt aus der ich-Perspektive, teils in einem stream-of-conciousness Stil, aus dem Leben eines Opritschniks, einer Art Gestapo Mann in einem zukünfitgen Russland. Die Sprache ist brutal aber auch poetisch, und das nicht nur in den gelegentlichen Gedichten, die meiner Meinung nach brilliant übersetzt sind - es fällt überhaupt nicht auf, dass hier eine Übersetzung vorliegt. Teilweise gerät der Roman ins Geschmacklose, was aber der Beschreibung des Terrorregimes in einem Russland des Jahres 2027 dienlich ist. Zusätzlich zu diesem ereignisreichen Tag erfährt man nebenbei auch viel über die Welt in der der Opritschnik lebt, dass das in Russland spielt wird ebenfalls gut übermittelt. Ich habe diese Buch schnell gelesen, weil es spannend geschrieben war und sich flüssig las, und das bei einer hohen Sprachqualität.
Eine Dystopie die leider nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Auch deshalb lesenswert.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gekonnte bissige Satire mit Polit-touch, 30. Januar 2008
Kraftvoll und poetisch schreiben kann dieser Sorokin. Mit überschäumendem phantastischem Realismus bis hin zu surrealistischen Szenen verlängert er die heute in Russland erkennenden Tendenzen in die Zukunft und schildert eine vom Westen durch eine Mauer abgeschottete Präsidialdiktatur in der eine gefürchtete Truppe von Schlägern und Mördern alles im Schach hält, was dem geliebten Diktator nicht gefällt, vor allem Oligarchen, die der Autor als Adlige darstellt, deren Schlösser vom Mob im Staatsdienst geschliffen werden.
Kein Wunder, dass der Autor vom Putin-Regime nicht unbedingt geliebt, ja der Pornografie bezichtigt wird. Kein Wunder auch, dass ihn im Westen viele lieben, denen ein erstarktes Russland, das sich der Hegemonie der USA immer deutlicher widersetzt, nicht in den Kram passt.
Viele Kleinigkeiten, die chinesischen Händler auf den Märkten, die Käuflichkeit und Bestechlichkeit der Speichellecker bis hin zum "Goldrubel", der neben die Fiatwährung getreten ist, dürften besonders dem Kenner des neuen Russland gefallen. Für alle anderen ist dieser Roman ein faszinierendes Stück Literatur, die den zeitgenössischen deutschen Autoren ein Armutszeugnis ausstellt. Mit Sorokins Arbeiten verglichen wird überdeutlich, wie einfallslos und langweilig ihre meist in der Vergangenheit angesiedelten Familiendramen sind, in denen die soziale Realität gewöhnlich ausgeblendet bleibt. Ja, Literatur kann große Kunst sein. Wir müssen sie aus dem Ausland beziehen und übersetzen lassen, was hier gleichfalls sehr gut gelungen ist.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ziemlich krass, aber faszinierend..., 18. Juli 2009
Achtzehn Jahre in der Zukunft...
Russland wird vom "Gossudar" beherrscht, dem alleinigen Machtinhaber. Seine Leibgarde, die Opritschnina, hilft ihm treu ergeben, seine Wünsche zu erfüllen und durchzusetzen. Dafür ist ihnen so gut wie jedes Mittel recht, sei es noch so grausam oder brutal. Vladimir Sorokin lässt uns einen der gnadenlosen Männer begleiten. Einen ganzen Tag verbringt man mit Andrej Danilowitsch, einem hochrangigen Opritschnik, begleitet ihn zu einer Hausräumung, in die Sauna, auf einen Trip oder gar bis in die Gemächer der allseits gehassten Gossudarin. Andrej selbst schildert als Ich-Erzähler seine Erlebnisse, nimmt uns mit in seine wild verschlungenen Gedanken, um im nächsten Moment wieder die totale Selbstbeherrschung zu demonstrieren. Gemeinsam mit seinen Kameraden feiert er wilde Drogenpartys und geht seinen geheimsten Gelüsten nach. Der Glaube an die Macht seines Gossudaren begleitet ihn jedoch überall hin...
Hart, direkt und mitten ins Hirn trifft einen diese Geschichte Sorokins. Interessiert lauscht man den ersten Tracks, ist leicht irritiert, aber auch seltsam fasziniert. Man lässt sich auf den vorgegebenen Weg ein und reißt manches Mal ungläubig die Augen auf, um schließlich kopfschüttelnd die nächste Cd einzulegen und weiterhin gebannt zu lauschen. Sorokin beschreibt ein Russland, dass erstaunlich glaubwürdig und real erscheint, eher rückständig wirkt, als Zukunftsvision zu sein. Vielleicht liegt es u.a. daran, dass die Opritschnina bereits im Jahre 1565 unter der Herrschaft des Zaren Iwan des Schrecklichen ihr Unwesen trieb. Sorokin ist es gelungen, diese uralte Ausstrahlung einzufangen und zu nutzen. Die frei gelebte Brutalität der Opritschniks wirkt durch ihre offene Art damit umzugehen, weniger bedrohlich als es im wahren Leben der Fall wäre. Andrej Danilowitsch ist ein auf seine Weise interessanter Mann, der einen zwar beunruhigt, aber gleichzeitig mit seinem etwas herben Charme betört. Die Auswirkungen der Droge Macht wird hier sehr eindruckvoll dargestellt.
Das Ganze wird aber erst zu einem wahren Hörerlebnis durch den Vortrag Stefan Kaminskis. Dieser Mann ist ein wahres Genie, wenn es darum geht, die unterschiedlichsten Personen zu spielen, oder in seinem Fall, zu leben. Als menschlicher "Stimmenmorpher" verwandelt er sich auf diesen 6 Cds über sechs Stunden in die unterschiedlichsten Personen. Egal ob Mann oder Frau, jung oder alt, egal welche Stimmlage gerade erforderlich ist, Kaminski kann alles und zeigt das auch. Man merkt als Zuhörer deutlich, wie begeistert Kaminski selbst von Sorokin und seinen Werken ist und kann dies im Booklet auch in seinen eigenen Worten lesen. Seine Wertschätzung hätte Kaminski durch seine großartige Darbietung nicht deutlicher klar machen können.
Ein teilweise recht schwer verdauliches Hörerlebnis, das noch lange nach dem Lauschen im Kopf rotiert und gleichzeitig so herrlich ungewöhnlich ist, dass man es immer wieder hören will, auch, wenn es einem anfangs vielleicht ein paar Bauchschmerzen bereitet.
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