Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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29 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Frauen hatten's wirklich nicht leicht im Mittelalter..., 26. November 2003
In "Die Hexe und die Heilige" geht es um Zwillingsschwestern, die beide die Gabe des Sehens haben. Eine der beiden, Helena, wird als junges Mädchen ins Kloster geschickt, während ihre Schwester Sibylla in einer anderen Stadt zur Hebamme ausgebildet wird. Das Buch spielt in einer Zeit (genauer gesagt Anfang des 17. Jahrhunderts), in der die Hexenverfolgung in großen Teilen des Landes an der Tagesordnung war. Gab die Kuh keine Milch oder zerstörte ein Hagelsturm die Ernte war vielleicht die Nachbarsfrau, die sich in letzter Zeit verdächtig benommen hatte, schuld. Schnell wurden böse Gerüchte und Verleumdungen in Umlauf gebracht, die "Hexe" vom Schultheiß abgeholt und in den Kerker verbracht. Wurde diese dann einer peinlichen Befragung (Folter) unterzogen, hatte sie die Namen ihrer Gespielinnen zu nennen - Namen, die ihr von ihren Folterknechten vorher eingebläut worden waren.Das Buch hat bereits zu Anfang einige dicke Pluspunkte bei mir gesammelt, denn es enthält ein ausführliches Glossar, das Begriffe wie Untergänger oder Bursnerin erklärt und dazu einige ergänzende Bemerkungen der Autorin zu Dichtung und Wirklichkeit. Zwei Karten klären über den Aufbau der Haupthandlungsorte, Ellwangen und Leonberg, auf. Man merkt dem Buch von Beginn an, dass die Autorin sich sehr viel Recherchearbeit gemacht hat. Die meisten mittelalterlichen Begriffe (wie z.B. die o.g. Berufsstände) sind zudem im Glossar erklärt, was für das Verständnis wichtig ist. Etwas verwirrend finde ich die Angewohnheiten der Menschen im Mittelalter, ihren Kindern Namen aus einem relativ begrenzten "Pool" zu geben. Im Buch stolperte ich schon des Öfteren darüber, dass z.B. in einer Situation nicht von der Tochter des Hauses die Rede ist, sondern von der Nachbarsfrau. Oder dass Mutter und Tochter denselben Namen haben - wie es bei Helena der Fall ist. Bedrückend wird auch die Rolle der Frau geschildert - ich weiß ja, dass es damals so üblich war, dass eine Frau auf der Inventarliste ihres Mannes irgendwo zwischen Kleiderschrank und Melkschemel rangierte. Trotzdem macht es mich wütend zu lesen, wie Männer ihre Frauen behandeln durften, ohne dass ihnen jemand etwas anhaben konnte. Nun ja, so ganz sind diese Zustände ja auch in unserer "modernen" Welt noch nicht beseitigt... Alles in allem ein gutes Buch, dass viele Details aus dem Leben der normalen Bevölkerung schildert und sich wirklich flüssig lesen lässt. Vor allem gegen Ende nimmt die Handlung noch an Fahrt auf und ließ mich fast die Hälfte des verbliebenen Buches in einem Rutsch durchlesen. Ich bin schon sehr gespannt auf die anderen Bücher der Autorin!
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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bin ich froh, dass ich HEUTE lebe!, 5. November 2003
Wer dieses Buch gelesen hat, kann eigentlich nur vor Dankbarkeit auf die Knie fallen, dass er/sie nicht vor 400 Jahren gelebt hat!Ulrike Schweikert schreibt nach langen und gründlichen Recherchen einen Roman über eine Hebamme und ihre Schwester (die als Heilige betrachtet wird) und ihr Schicksal zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Ausgerechnet in Ellwangen, dem schwarzesten Fleck der katholischen Kirche während der Hexenverfolgungen, lernt Sibylla den Beruf der Hebamme. Es ist klar, dass auch sie letztendlich verhaftet, verhört und gefoltert wird. Wird sie tatsächlich auf dem Hexenwasen verbrannt werden oder kann sie diesem Schicksal entgehen? Fast noch beängstigender und empörender als die fiktive Erzählung selbst (die allerdings mit etlichen historischen Figuren gespickt ist!), fand ich den Anhang: In Ellwangen wurden von 1611 bis 1618 ca. 450 Menschen als Hexen getötet, was der Hälfte der Frauen und einem Sechstel der Männer Ellwangens entspricht! Nur einem einzigen Menschen gelang die Flucht aus dem Gefängnis und KEIN EINZIGER, der wegen angeblicher Hexerei verhaftet wurde, wurde freigesprochen! Die Grausamkeit, mit der vorgegangen wurde, schockiert. Und die Selbstherrlichkeit, mit der die katholische Kirche damals vorging, widert mich an. Dieses Buch ist einfach unglaublich lesenswert, spannend, und gleichzeitig informativ.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
einfach atemberaubend spannend!, 4. Januar 2003
durch "die tochter des salzsieders" auf ulrike schweikert aufmerksam geworden, verschlang ich die hexe und die heilige. kompliment an die autorin, sie hat ihr erstlingswerk um meilen übertroffen (und das will etwas heißen...).erneut ist es der autorin gelungen, eine hauptfigur zu schaffen, die man einfach ins herz schließen MUSS. von anfang an haben die hauptfigur sibylla und ihre zwillingsschwester eine mystische wirkung, die den leser an das buch fesseln. ich habe an ulrike schweikert lieben gelernt, dass ihre geschichten dem leser an keiner einzigen stelle erlauben, sich zu denken, was als nächstes geschehen könnte. so fiebert man mit sibylla ständig mit. beeindruckend sind die hervorragenden recherchen der autorin, sie bringt ihr wissen so geschickt unter, dass man sich wirklich alles bildlich vorstellen kann. und das, ohne die dinge zu beschönigen. doch das buch überzeugt nicht nur durch wissen, die handlung wird so reizend erzählt, dass man selbst kälte verspürt, wenn die kleine sibylla im winter holz sammelt. man fühlt, leidet und liebt mit ihr. "die hexe und die heilige" ist überaus spannend und gefühlvoll, gewährt einen umwerfenden und schockierenden einblick in die zeit des 17. jahrhunderts und besticht den leser mit dieser fantastischen geschichte. und es stimmt mich immer wieder fassungslos, dass sich das schicksal einiger handlungsfiguren genauso zugetragen hat... am schluss der geschichte überschlagen sich meiner meinung nach die ereignisse etwas, wodurch die geschichte jedoch nichts an klasse verliert. gerne würde ich noch weiter stundenlang weiter lesen und mit sibylla durch ihr leben gehen...
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