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3.0 von 5 Sternen
Bibliophiles Plädoyer & mediävaler Reisebericht, 27. Januar 2006
"Nur weniges ist wertvoller als ein Buch...." (Hroswith von Wikala)In der niederländischen Originalausgabe wurde Jan van Akens Roman unter dem treffenden Titel "De valse dageraad: Het leven van Hroswithus Wikalensis, wreldreiziger en geleerde" bereits im Jahre 2001 veröffentlicht. Demgegenüber wird der deutsche Titel "Das Geständnis des Mönchs" nicht gerecht. Der Protagonist Hroswith, Sohn des Schwertschmiedes Fritherik, legt während seines ganzen Lebens nämlich niemals ein Gelübde zur Armut, Keuschheit und Gehorsam ab. Denn ein Ordenbruder wollte er gerade nicht sein! Auch der von ihm verfasste Rückblick auf sein 99-jähriges Leben ist alles andere, als ein Geständnis. Die im Umschlagtext genannten Stationen seiner Reise durch das mittelalterliche Europa und den Nahen Osten führen ebenfalls zu einer Verzerrung der Romanhandlung. Während Hroswiths Aufenthalt in England keine zwei Tage ( 4 Seiten) andauerte, beschränkt sich sein "Besuch" Konstantinopels mit einer knappen Seite auf die Durchfahrt des Bosporus. Bei den zeitlich längsten Aufenthaltsorten des mediävalen Weltenbummlers, dessen Leben eher von der Suche nach Büchern und Wissen, als vom "Cherchez la femme", bestimmt ist, handelt es sich um Jelling, Damaskus, Cordoba und schließlich Rom, wo er mit dem Amt des "Biblothecarius Palatii" betraut wird..... In seiner Danksagung räumt der Autor zwar ausdrücklich "für Erbsenzähler" ein, dass das Wort Zephirus aus dem 13. Jahrhundert stammt. Der Roman weist darüber hinaus vor allem in direkter Rede seiner Akteure eine nicht geringe Zahl weiterer Anachronismen auf, von denen besonders folgende zu nennen sind. Steckenpferd (Seite 316), Projekt (S. 630) - 17. Jh., Schlepptau (S. 28 pp.), Schnaps (S. 137), Spaßvogel (S. 482), Schwerenöter (S. 668) - 18. Jh., Witzbold (S. 397) - 19. Jh., sowie Schluckspecht (S. 380) und Mannomann (S. 536) die aus der modernen Umgangssprache (!) stammen. Die historisch gravierendsten Schnitzer bieten jedoch der Begriff Ketzerei (S. 580), der erst im 13. Jahrhundert geprägt werden sollte und das aus der Nahuatl-Sprache des damals noch unentdeckten Mexiko (mehr als 500 später) entlehnte Wort "Tomate" (S. 392). Der Roman bietet eine zwar Vielfalt an Details über historische Begebenheiten, Orte und Personen, wie die Dänenkönige Harald I. "Blauzahn" und Svend "Gabelbart", die Herrscher Polens, Ungarn und Venedigs, sowie den kaiserlichen Cousin und Papst Gregor V. Der Schwerpunkt wurde auf Kaiser Otto III. und Papst Silvester gesetzt, die mit ihrer einvernehmlichen "Renovatio Imperii Romanorum" das Morgenrot eines neuen Zeitalters heraufdämmern ließen. Einige bedeutende historische Fakten fehlen jedoch: Obgleich Hroswith als Walij am Hofe des Kalifen von Cordoba beschäftigt ist, wird an keiner Stelle der Name des Omajadenherschers Hischam II. genannt. Auch dessen berühmter Minister und Heerführer Mohamed ibn Abi Amir, genannt Almansor, wird mit keinem Wort erwähnt. "Das Geständnis des Mönchs" spielt in einer Zeit des Mittelalters in der es noch Einklang zwischen Kaiser und Papst gab und über die es recht wenige Romane gibt. Durch die (zum Teil) unfreiwilligen Reisen des Romanhelden werden große Entfernungen in der damaligen Welt überbrückt. Die stets mit einer kräftigen Portion schwarzen Humors respektlos vorgetragenen, manchmal auch recht brutalen, Ereignisse sind nichts für zart besaitete Leser. Das wiederholte Auftreten einen mysteriösen Unbekannten mit schwarzem Mantel, roter Jacke und schwarzem Schlapphut erzeugt eine entbehrliche Prise Mystik. Trotz aller Kritik hat der informative und unterhaltsame 735seitige Roman, der zudem ein leidenschaftliches Plädoyer für das Lesen von Büchern ist, das Prädikat historisch verdient. Er kann vor allem denjenigen Lesern empfohlen werden, die bereits Freude an ähnlichen, mittelalterlichen Reiseschicksalen (z. B. Bronzevogel von Kaari Utrio, Der Goldene Salon von José Luis Corral Lafuente) gefunden und/oder den besonderen Humor mancher Wikingerromene (Röde Orm v. Frans Bengston u. a.) zu schätzen wissen. 3 Amazonsterne.
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