Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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45 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein brillanter Erzähler!!!!, 14. Juli 2007
Nach den sehr kontroversen Kritiken habe ich mir das Buch erst mal in der Bücherei ausgeliehen, manche Leser fanden es ja sehr langweilig und ich befürchtete so eine Art "Asche meiner Mutter", in völliger Trostlosigkeit, dafür wollte ich dann lieber nicht gleich
20 Euro loswerden. Schon nach 100 Seiten aber wusste ich, dass ich das Buch nicht zurückgeben kann und habe es mir gekauft, weil es ein Buch zum ganz oft Lesen ist. Wunderbar erzählt, voller Charme und Exzentrik, ohne Superhelden, aber dafür glaubwürdig.
Möglicherweise ist es enttäuschend, falls man sich hier eine Art Bukowski oder Christiane F. Niveau erhofft, Saufstorys, Katererlebnisse, Black outs, Grenzerfahrungen kommen hier nicht vor, es gibt keine Flatrate- Partys und keine besoffenen Kinder, auch wenn es sich auf dem Klappentext möglicherweise so liest. Was es gibt, ist brillante amerikanische Literatur, echte
Poesie und wunderschöne Passagen zwischendurch, vor allem zu dem Thema: "Wie wachsen Jungs auf, was bewegt sie, was brauchen Sie, um Männer zu werden?"
In diesem Zusammenhang einfach wundervoll der Vergleich mit dem Bauen eines Wolkenkratzers in der Szene mit Pater Amtrak" .
Natürlich habe ich einfach eine Schwäche für die amerikanischen Erzähler wie Donna Tartt, Jonathan Frantzen, Michael Chabon, Tom Wolfe und vor allem John Irving und Tender Bar" reiht sich hier vom Schreibstil und Erzähltempo einfach bei meinen persönlichen Favoriten ein und wer also Bücher wie Die geheime Geschichte" oder Fegefeuer der Eitelkeiten" mag, wird auch mit JR seine Freude haben. Natürlich passiert nicht dauernd etwas Aufregendes, aber bitte, das ist ja nicht das Buch zum Film Stirb langsam 4.0", oder?
Und, nein, es ist wirklich kein Buch über eine Kindheit in einer Bar, denn die Kindheit lässt JR ziemlich rasch hinter sich und verbringt sie mit den chaotischen Barmännern um seinen
charismatischen Onkel Charlie in erster Linie am Strand, danach schafft er es auf rätselhafte Weise und unterstützt von zwei exzentrischen Buchhändlern nach Yale, erlebt seine erste, große Liebe und bekommt seinen Traumjob bei der Times. Wie kann man sich hier langweilen? Ist mir ein Rätsel.
Sicherlich nicht das Buch für jeden, aber das kenne ich auch bis heute nicht, ich würde es jedem empfehlen, der neue amerikanische Autoren und ihren Stil mag. Denen aber mit Nachdruck!!!!
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Liebevoll beschriebene fremde Welt, 25. Mai 2008
Wer entscheidet eigentlich, welche Kritiken auf dem Cover eines Buches erscheinen? Die Auswahl ist mal wieder so was von daneben....Weder hat Tender Bar viel gemeinsam mit dem düsteren "Die Asche meiner Mutter", noch findet JR's Kindheit in einer verrauchten Bar statt, noch können Frauen aus dem Buch lernen, dass Männer viel einfühlsamer sind, als man denkt. Aber sei's drum!
ZUM INHALT: Zunächst wird beschrieben, wie die Kindheit von JR verläuft - seine Prägung durch den fehlenden Vater; die chaotische Verwandtschaft, auf die man finanziell und emotional angewiesen ist; die liebevolle und stützende Mutter und die Männer des "Publicans", die aufgrund fehlender anderer Identifikationsobjekte für den Jungen sein "Männerbild" liefern müssen.
JR ist ein kluger Kopf, absolviert die High School mit Bravour und schafft es, in Yale aufgenommen zu werden. Später bekommt er eine Stelle als Volontär bei der "Times".
Damit aber tritt der junge Mann in neue, unbekannte Welten ein, für die er keine adäquaten Verhaltensmuster besitzt. Seinen Stress und seine Verwirrung kann er in der Bar "Publicans" vergessen, wobei ihm nicht nur der Alkohol sondern auch das Verständnis und die fraglose Annahme durch die anderen Dauerbesucher der Bar helfen. Die Bar wird zu seinem Zufluchtsort und beinahe (?) zu seinem Verhängnis. Diese Zeit der Flucht, das Zusammentreffen mit den zum Teil skurrilen, meist liebenswürdigen und einfühlsamen Menschen in der Bar stehen im Vordergrund der Handlung.
Erst sehr spät merkt JR, dass sein Zufluchtsort zu seinem Gefängnis geworden ist, wobei er bis zum Schluss des Buches nicht klar hat, welche negativen Wirkungen das abendliche "Abhängen" am Tresen für ihn hatte. Der Alkoholkonsum wird verharmlost, das völlige "Einfrieren" seiner beruflichen Ambitionen nicht gesehen und man hat Zweifel, ob JR nicht, wenn das Leben wieder verwirrend wird, das nächste "Publicans" finden wird.
Aber wie dem auch sei, ein Buch muss keine positive Lebensbewältigung schildern, um gut zu sein. Ich jedenfalls war nach anfänglichen Zweifeln fasziniert, habe mit Freude diese mir fremde Welt erlebt, war angerührt und amüsiert, habe über Lebensstile und menschliche Beziehungen nachgedacht. Was will man mehr?
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39 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Sinnen Katalysator, 17. Juli 2007
Ob ein Buch gut oder schlecht ist, wissen viel Leser bereits nach einigen Seiten. Bei mir ist das anders. Ich erkenne ein gutes Buch an den Gefuehlen, die es bei mir ausloest, wenn ich es beendet habe.
Nachdem ich Tender Bar ausgelesen hatte (in einem Rutsch, uebrigens) geriet ich in langanhaltendes, tiefes Nachdenken. Ich bewunderte den Autoren, der innerhlab seiner bisher recht kurzen Lebensspanne viel mehr und abtenteuerlicheres erlebt hatte als ich selbst. Ich fuehrte, wie der Titelheld, eine eigene Standortbestimmung durch. Ich dachte ueber meine Beziehung zu Maennern im allgemeinen und zu meinem Vater im Besonderen nach.
Ich dachte ueber die Definition von "Freundschaft" nach.
Ich dachte ueber Gewalt nach.
Ich dachte nach...
Was mehr kann ein Buch erreichen und was mehr kann man von einem Buch erwarten, als dass es einem wirklich, echt zum Nachdenken bringt?
Deswegen ist "Tender Bar" ein wirklich gutes Buch fuer mich. Sie sollten es lesen.
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