Auf der Suche nach einer Lektüre für eine Fünfzehnjährige, die dem Jugendbuch noch nicht so recht entwachsen, in der Literatur für Erwachsene noch nicht wirklich angekommen ist, fielen mir wieder Roald Dahls Geschichten ein, die ich in genau jenem Alter erstmals las und seither immer wieder in Händen hielt.
Ich las noch einmal "Geschmack", die erste Geschichte, die alle Vorzüge der Dahlschen Geschichten in sich vereint. Es ist die Geschichte eines ausgewiesenen Weinkenners, der bei rasch zu Geld gekommenen Menschen zum Essen eingeladen ist und sich rühmt, Herkunft und Jahrgang des Tischweines zu erraten. Er pokert mit einem hohen Wetteinsatz, erwartet für den unmöglichen Fall seines eigenen Gewinns die Hand der Tochter der Gastgeber. Das unmögliche geschieht: Er errät, woher der Wein stammt... und dann gibt es eine Pointe, die überraschend und Gänsehaut-tauglich ist...
In dieser Art sind alle Geschichten des skurril-makabren Erzählers. Schnell erreichen Dahls Geschichten einen Spannungshöhepunkt, der eine ganze Weile gehalten wird und schließlich wird der Leser mit einer Wendung konfrontiert, die er so nicht erwartet. Immer gibt es einen Knalleffekt am Ende, der von schwarzem, makabren Humor zeugt.
E.W. Heine und Henry Slesar, gar die große Patricia Highsmith haben sich an diesen Erzählungen orientiert und ähnliches versucht. Mit durchaus unterschiedlichem Erfolg.
Aber Roald Dahl bleibt bis heute unerreicht!