Ich weiß nicht, wie viele Filme es gibt, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind, ohne dass in ihnen auch nur eine blanke Brust oder ein Tropfen Blut vorkommen.
Aufmerksame sollten spätestens an dieser Stelle gut nachdenken, ob dies ein Film ist, den sie tatsächlich sehen möchten. Denn was kann denn noch "schlimmer", noch tabuisierter sein als sex & crime? Der Tod natürlich! Der Tod direkt neben mir, direkt neben DIR! Unvorstellbar: Der Freitod!!
Nur am Rande: es sterben mehr Jugendliche durch Suizid als durch Autounfälle! - und das sind schon ne Menge...
Jessie ist nun aber schon lange keine Jugendliche mehr, aber ändert das etwas an dem subjektiven Gefühl, ein Loser zu sein? Offenbar kaum; sie hat es nicht "hinbekommen", wie sie selbst glasklar feststellt: Der geliebte Vater ist tot, der Gatte stiften gegangen; der Sohn wird nicht mehr lange brauchen, etwas zu tun, das ihm Lebenslänglich bringt, da ist ihre "Fallsucht" nur das Tüpfelchen auf dem I.
Einen winzigen Moment lang scheint es, als hätten diese beiden so unterschiedlichen Frauen, die, obwohl ja genetisch womöglich ähnlich, sich offenbar niemals auch nur annähernd verstanden haben, eine Chance, an DIESEM EINEN ABEND (den wir in Echtzeit miterleben!) die Andere einigermaßen zu verstehen. Allein: es ist viel zu spät! Die Summe der Verletzungen wiegt zu schwer, die Aufmerksamkeit, womöglich echtes Interesse kommt zu spät. Jessie will sich töten!
Ich habe diesen Text auch geschrieben, weil Suizid so gut wie nie "plötzlich kommt". Es ist eben manchmal wichtig, nicht die Ohren zuzumachen, oder die Augen oder sonstwas. - Als Eltern, als Freund, als Nachbar oder nur so...
Jessie sagt an einer Stelle etwas extrem Kluges, das reale Personen so oder ähnlich auch andeuten, meistens mehrmals: "Wenn es nur etwas geben würde, für das es sich lohnen würde zu bleiben, wenn ich zum Beispiel so richtig gerne Cornflakes zum Frühstück essen würde, vielleicht würde das schön reichen."
Ich habe mich verzettelt... :-) Sorry! Aber KUCKT euch eben mal um!
Fazit: Ein Kammerspiel ohne Gleichen, schon wegen der intelligenten, oft politisch nicht sehr korrekten Dialoge (dass die beiden Darstellerinnen überirdisch agieren, muss ich wohl nicht erwähnen?!), und für den, der sich darauf einlassen kann und sich nicht seiner Tränen schämt, ein Eindruck, der ihn nicht so bald verlassen wird.