Schon am Anfang der Geschichte ist offensichtlich, dass "Nelly, die neugierige Kaffeebohne" anders ist, als ihre zahlreichen anfangs noch grünen Gefährten: Statt sich wie ihre Freunde ihrem langweiligen Schicksal zu überlassen, möchte Nelly etwas erleben und nimmt dafür allerhand Strapazen in Kauf. Selbstbewusst schimpft sie schon auf dem Frachter von Südamerika nach Europa über die drückende Enge und die entsetzliche Luft, die im Kaffeesack herrscht, und kümmert sich gar nicht über die Zurechtweisungen der anderen. Denn Nelly "...will anders reisen und etwas sehen und hören von der Welt!"
Das gelingt ihr, denn kaum ist die Kaffeeladung am Hamburger Hafen angekommen, schafft es Nelly, sich von den anderen Kaffeebohnen zu trennen und zu neuen Abenteuern aufzubrechen. Diese werden von Hannelore Hau so spannend und kindgerecht erzählt, dass selbst ihre vielen Erklärungen zum Thema Kaffee nicht stören, sondern gut in die Geschichte eingegliedert sind. Auch die zahlreichen einfachen Schwarzweißzeichnungen von Eva-Maria Schmitt und Vanessa Eichhorn illustrieren die Geschichte auf ansprechende und lustige Art und zeigen Nellys neugierige und freche Art, ihr Leben zu meistern.
Um immer wieder neue Abenteuer zu erleben, wechselt "Nelly, die neugierige Kaffeebohne" ständig ihr Zuhause und ihren Zufluchtsort. So beginnt sie ihre Flucht im Hosenbein des Röstermeisters und scheut sich auch nicht, sie im Fell eines Hundes, einem Puppenkleid und einer Damenhandtasche fortzusetzen. Bis sie am Ende doch wieder bei ihren einstigen Gefährten aus Brasilien landet, erfährt sie sehr viel von der deutschen Lebensweise, die aus ihrer unvoreingenommenen Sicht dem (Vor)leser mitgeteilt wird.
Hannelore Hau ist es mit "Nelly, die neugierige Kaffeebohne" gelungen, ein Kinderbuch zu schreiben, in dem das eigentlich mehr für Erwachsene interessante Thema "Kaffee" spannend und unterhaltsam dargestellt wird.