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Wie Ziegler Bill Gates von Microsoft und Larry Ellison von Oracle, zwei Parade-"Beutejäger", beschreibt, könnte aus Brehms Tierleben stammen: Nur ihrem Killerinstinkt folgend, sind sie und ihresgleichen raubtiergleich damit beschäftigt, Beute zu erlegen, sprich feindliche Firmen zu übernehmen. Auf ihren weltweiten Beutezügen werden sie von "Söldlingen" wie dem IWF oder der Weltbank unterstützt. Damit sind sie für den ehemaligen schweizerischen Nationalrat hauptverantwortlich für den "Weltkrieg gegen die Armen". Im Zeitalter der Globalisierung, also der schrankenlosen Liberalisierung der Märkte, werden die kapitalistischen "Oligarchien" zu den eigentlichen "Herrschern der Welt". Verlierer sind die Armen. Denn obwohl es möglich wäre, zwölf Milliarden Menschen zu ernähren, dämmert bei einer Weltbevölkerung von zirka sechs Milliarden etwa ein Fünftel chronisch unterernährt dem Tod entgegen. "Verantwortlich für sie ist die Ordnung der Welt. Wer auch immer an Hunger stirbt -- er ist Opfer eines Mordes", so das Urteil des Autors.
Es gibt aber auch Hoffnung. Nicht die Selbstregulierungskraft des Marktes, auch nicht die schwindende Macht der siechenden Nationalstaaten ist gemeint, sondern die Gegenmacht einer "globalen Zivilgesellschaft". Für den "bevorstehenden Kampf" gegen die Oligarchien des Kapitals will Ziegler mit seiner Analyse "Waffen" liefern. Dies ist ihm sicherlich gelungen. Ob sich das Buch zu einer Art Bibel der Zivilgesellschaft entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Die Kraft des Wortes spricht dafür, ebenso Zieglers klare Unterscheidung von Gut- und Bösmenschen. Für Zwischentöne allerdings ist in seinem Schwarz-Weiß-Gemälde, das leider viel Wahres abbildet, nicht sehr viel Platz. --Dr. Manfred Schwarzmeier
Der Schweizer Ziegler machte sich schon in seiner Heimat unbeliebt, weil er die dortigen Praktiken (Geldwäsche, Nazivergangenheit, schmutzige Geschäfte, organisiertes Verbrechen) durchleuchtete. Jetzt kommt Ziegler folgerichtig zum Thema „Globalisierung", denn von der Schweiz als Bankenparadies ziehen sich die Fäden des organisierten Kapitals in die ganze Welt. Die Jean Ziegler gründlich kennengelernt hat: zuletzt als Sonderbotschafter der UN-Kommission für das Recht auf Nahrung. Entsprechend kenntnisreich berichtet er aus allen Ecken der Welt (mich als deutschen Leser erinnert er ein wenig an Peter Scholl-Latour, in seiner schonungslos offenen, abgeklärten Art). Dort beobachtete er mit eigenen Augen, wie die heutige Form des „Raubtier"- oder „Dschungelkapitalismus" Menschenrechte verletzt, Nationalregierungen entmachtet und Länder in die Armut treibt. Alles im Interesse reicher Eliten, anonymer Konzerne und imperialer Gebilde, mögen es Staaten oder Firmen sein.
Im ersten Teil des Buches wird der Ist-Zustand umfassend und detailliert beschrieben, belegt mit zahlreichen schockierenden Beispielen. Im letzten Viertel des Buches beschäftigt er sich, zur Erleichterung des Lesers, mit dem Widerstand dagegen. Zum Glück gibt es bereits eine Menge von Verbänden, Nichtregierungsorganisation und Aktionsformen, die sich um eine gerechtere Welt bemühen. Auch wenn friedliche Aktivisten in Brasilien von Todesschwadronen ermordet, oder in italienischen Gefängnissen gefoltert werden (auch dies im Auftrag der „neuen Herrscher") so wächst die Bewegung dagegen doch stetig an. In der Gewißheit, das Recht auf seiner Seite zu haben. Zieglers Buch ist ein Teil davon, macht Mut, bietet Anknüpfungspunkte, an denen man seiner Empörung Ausdruck verleihen kann.
Nur ein Beispiel: im Jahr 2002 erschien das Buch. Und jetzt, im Juli 2005, versprechen die G-8-Regierungen tatsächlich einen Schuldenerlaß für die ärmsten Länder (eine zentrale Forderung der globalen „Widersacher", z.B. der Organisation Jubilé 2000, die Ziegler zitiert), während überall auf der Welt sog. „Live 8"- Konzerte vor Millionen (Milliarden) Zuschauern dieselbe Forderung stellen. Ein Erfolg, der einerseits Publizisten wie Ziegler zu danken ist, vor allem aber den vielen sozialen Bewegungen, die er in seinem Buch vorstellt.
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