Aus der Amazon.de-Redaktion
Literatur über Lust und Leid des Schülerdaseins hat eine lange Tradition, von Hermann Hesses
Unterm Rad bis
Crazy von Benjamin Lebert. Markus Orths wirft nach seinem viel beachteten Romandebüt
Corpus zur Abwechslung mal einen Blick hinter die
Lehrerzimmer-Türen.
Studienassessor Kranich tritt seine erste Stelle in der schwäbischen Provinz an und gerät in eine Bildungsanstalt, die Kafka und Orwell ersonnen haben könnten. Weil der Junglehrer beim Chef, Direktor Höllinger, sogleich einige Minuspunkte verbucht ("Alkoholexzesse, falscher Wohnort, Vornotenignoranz"), versucht er als dessen GSB ("Geheimer Sicherheitsbeamter") Boden gutzumachen und unbotmäßige oder bloß schlampige Kollegen, die ihren Schlüsselbund liegen lassen, ans Messer zu liefern. Gleichzeitig sympathisiert er mit der KG, den rebellischen Elementen unter den Kollegen, trifft sich mit ihnen im Hinterzimmer einer Stuttgarter Gaststätte und bekommt auf der Lehrer-Toilette gut gemeinte Warnungen zugeflüstert. Das Ganze ist -- natürlich! -- als Parodie gedacht: James Bond meets Schulbürokratie. Auf diesem Grat balanciert der ehemalige Lehrer Orths in einigen Szenen recht gekonnt ("nieder mit dem Maulwurf!"), insgesamt jedoch stürzt er böse ab.
Statt auf die realsatirische Wirkung der Schulszenerie zu setzen, dreht er fieberhaft an der Absurditätsschraube: Da geilen sich dauerfrustrierte Studienrätinnen an ihrem prallen Wissensschatz auf ("Weiter, Kranich, machen Sie weiter, hören Sie nicht auf."), wird besagter Maulwurf nach erfolglosen Verhören bei zugezogenen Vorhängen kurzerhand per Los ermittelt oder stürmen als Frösche verkleidete Schergen der "Klett-Diktatur" eine Fachkonferenz. Richtig getimte Slapstick- und Screwball-Einlagen bleiben die Ausnahme, es dominiert die umständliche indirekte Rede, die das Bürokratendeutsch mehr imitiert als persifliert. Nicht einmal die Schüler tragen zur Belebung bei, denn sie schaffen es auch hier wieder einmal nicht bis ins Lehrerzimmer.
Der Roman trägt Züge einer Abrechnung aus persönlicher Betroffenheit -- und insofern wird er sein Publikum unter Ex- und Noch-Lehrern wohl finden. Wer nicht zu den Insidern gehört, wird bei der Lektüre weder wirklich schlauer noch besonders gut unterhalten. Schade! --Patrick Fischer
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
»Ihr solltet auf jeden Fall sportliche Leser sein, denn sonst gerät man beim Lesen leicht aus der Puste – so schnell ist das Buch geschrieben. Kling komisch, ist aber so, auf jeder Buchseite passiert nämlich was, und die Erzähllawine gerät ins Rollen. Wer schon immer hinter die Kulissen seiner Schulzeit gucken wollte, bekommt mit dem Roman ›Lehrerzimmer‹ einen tiefen schwarzen Einblick.«
mdr 12.11.2007»Ab damit auf den Lehrplan.«
Titanic August 2007»Was subtil und wenig fassbar in mancher Schule, in manchem Betrieb abgeht, übersetzt Orths in lebendige, fantasievolle Szenarien, die grotesk erscheinen und doch so unmittelbar einleuchten, als hätte man sie schon erlebt.«
Neue Luzerner Zeitung August 2007»So komisch beschrieben, dass man daran verzweifeln könnte ... Eine absurde Groteske, ein satirischer Amoklauf. Orths' Satire wird in vielen Lehrerzimmern auf zustimmendes Kopfnicken und verschwörerisches Lächeln stoßen.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung»Eine grandiose Satire mit Orwellschen Einschlägen.«
Buchmarkt»Eine fulminante Satire – ein an Wortwitz und Slapstick überreicher Roman.«
Süddeutsche Zeitung»Komisch, spannend und präzise. [...] Jede Schulbehörde sollte umgehend eine ultimative Verordnung erlassen, die allen Lehrkörpern die Lektüre von ›Lehrerzimmer‹ als unverzichtbaren Curriculumbestandteil auferlegt.«
Badische Zeitung»Dieses Buch ist ziemlich lustig. Das muss gesagt werden, denn es versteht sich nicht von selbst. [...] Jeder kann mitlachen in diesem absurden Theater.«
Der Tagesspiegel
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
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