Dieses Buch war für mich der Ausschlag, im Jahre 2001 ein 6-wöchiges Praktikum in der Psychosomatischen Klinik Bad Herrenalb zu machen: Eine Frau schildert ihre Psychotherapie in Deutschland, nachdem sie in Amerika alles ausprobiert hatte, was es irgend gab, um von ihren Suchtkrankheiten abzukommen. Obwohl seit dem ersten Erscheinen von „Von mir aus nennt es Wahnsinn..." über 20 Jahre vergangen sind, ist das Buch immer noch hochaktuell, besonders was den Umgang der Menschen miteinander betrifft. Das ist wohl in erster Linie dem Konzept der „Therapeutischen Gemeinschaft" zu verdanken, welches die Therapeuten mit einschließt und verhindert, daß sie sich fern von den Patienten hinter ihrer beruflichen Stellung oder ihren Methoden verstecken. Sehr genau werden auch die verschiedenen Therapieformen beschrieben, wobei dem gefühlsbetontem „New Identity Process" besonders viel Raum eingeräumt wird. Diese Methoden spielen auch heute noch eine wichtige Rolle, wurden aber inzwischen um andere Elemente besonders aus der systemischen Therapie ergänzt. An einigen Stellen war mir Frau Lair's Stil etwas zu überschwenglich. Doch sorgen die von Dr. Lechler geschriebenen Kapitel für den Ausgleich, indem sie den fachlichen Hintergrund erläutern. Das Buch gibt einen sehr guten Einblick in die Methode des „Bad Herrenalber Modell" mit Auflistung aller danach arbeitenden Kliniken in Deutschland. Dadurch ist es vor allem eine gute Orientierungshilfe für Menschen, die selbst mit dem Gedanken an eine Psychotherapie spielen, die aber Vorbehalte gegenüber einer normalen Behandlung tiefenpsychologischer oder verhaltenstherapeutischer Provenienz haben. Allen anderen Lesern kann das Buch einen guten Eindruck geben, was eine gute Psychotherapie zu leisten imstande ist.