Lentzlesen ist manchmal schwierig. Sperrig stehen die Texte im Sprachraum wie USOs, unbekannte Sprachobjekte, und man meint, einen Spezialschlüssel zu brauchen, um sie zu öffnen. Ich empfehle dringend: Lentzhören. Dieses unverwechselbare Drucksprechen verleiht den Worten einen Spin, verleiht ihnen eine emotionale Semantik, die den Text schlagartig einsehbar macht, als hätte drinnen jemand das Licht angemacht. Lentz spricht jedes Wort mit fast aufdringlicher Deutlichkeit aus, feierlich, ein wenig so, als wundere er sich über das, was da geschrieben steht oder so, als wolle er es nicht hergeben. Der fremdartige Rhythmus, der einen beim Lentzlesen zuweilen verunsichert, erschliesst sich durch die Stimme des Autors und gewinnt an manchen Stellen die Oberhand über den Text, die er verdient. „Spätaussiedler zerstückelt Schwester" ist ein Satz, dessen Komik und dessen Nüchternheit sich demjenigen am besten erschliesst, der Lentz beim Erzählen dieser bizarren Geschichte zuhört. Lesen und Schreiben sind der einzige Weg für diesen eigenartigen Wörtermann, ein wenig notwendige Distanz zwischen sich und die Welt zu bringen - und das einzige Mittel, sich ihr zu nähern. Je deutlicher der sprachliche Druck im Kittel das atemlose Lentzsche Stakkato beschleunigt, desto unüberhörbarer schwingt der Text auf Seelenfrequenz. Nachdem man diese CD gehört hat wird man beim Lesen anderer Texte des Autors stets dessen Stimme hören, und das ist gut so.