29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Erhöht das Niveau von Stammtischgesprächen, 27. Februar 2004
Mit dem Erfolg seiner 99 philosophischen Rätsel hat der amerikanische Professor für Philosophie Kollegen und Buchbranche überrascht. Eine Fortsetzung war also zu erwarten. Der Untertitel zum Folgeprodukt lautet „Eine unterhaltsame Einführung in die Philosophie des richtigen Handelns." Der Titel der amerikanischen Originalausgabe heisst "101 Ethical Dilemmas". Verlag und Übersetzer haben da also gewirkt, was mir egal ist. Weniger egal sind mir einige Übersetzungsschludrigkeiten bei den Texten. Vielleicht müsste man die ohnehin schon tiefen Zeilenhonorare zumindest bei philosophischen Sätzen etwas erhöhen, um die Qualität zu verbessern.
Ich kann es dem Autor nicht verübeln, möglichst lange auf seiner Erfolgswelle surfen zu wollen. Denn der Markt ist hart und Kundentreue ein Relikt. Dennoch hätte ich mit etwas mehr Sorgfalt bei einem philosophischen Bestseller gewünscht. Schliesslich sind solche Bücher für viele Leser der Einstieg in eine unbekannte oder abschreckende Materie. Doch das Positive überwiegt. Mir liefern solche Bücher eine tolle Sammlung bekannter, aber mühsam auffindbarer Geschichten und Lösungsansätze aus unverkrampfter Sichtweise. Gerne wüsste ich aber noch mehr, über den philosophischen Hintergrund und die persönliche Haltung des Autors, weil dies die Einordnung seiner Antworten erleichtern würde.
Auf meist nicht mehr als 1-2 Seiten werden in einem kurzen Text klassische Probleme des Handels aufgearbeitet, die zum Diskutieren anregen sollen. Im zweiten Teil erfährt man dann, was Cohen dazu meint. Ausserdem werden in einem knappen Glossar Fachbegriffe und wichtige Personen behandelt.
Der Laie wird die fachlichen Ungereimtheiten kaum merken. Und für philosophische Laien ist das Buch auch gedacht. Ein Stammtischgespräch über den Abwurf von Atombomben, die kleinen Kriminalitäten der Braven oder das Verhalten in Kriegszeiten würde nach der Lektüre bestimmt an Niveau gewinnen. Wenn Martin Cohen viele selbst berufene Moralethiker mit seiner Sammlung erreicht, hat sich sein Schreiben gelohnt. In diesem Sinne können die fachlichen Schwächen einer guten Bewertung nicht im Wege stehen. Ich wünsche jedenfalls dem neuen Buch den gleichen Erfolg wie seinem Vorgänger.
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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wie würden Sie entscheiden?, 21. November 2006
Rezension bezieht sich auf: 99 moralische Zwickmühlen: Eine unterhaltsame Einführung in die Philosophie des richtigen Handelns (Taschenbuch)
Es ist nicht Sinn der Ethik und noch viel weniger dieses Buches ein Regelwerk aufzustellen oder gar ein erbauliches Traktat zu liefern. Es geht in der Ethik viel mehr darum, unsere Orientierungsfähigkeit zu stärken () schreibt Martin Cohen in der Einleitung seines Buches. Damit meint er die Fähigkeit im Alltag zu unterscheiden was gut und was falsch ist.
In 99, maximal zwei Seiten umfassenden Szenarien, wirft Cohen Probleme der unterschiedlichsten ethischen Disziplinen auf (beispielsweise Unternehmens-, Umwelt- und Medienethik) und lässt den Leser dann mit einer konkreten Frage zu diesem Szenario allein. Ganz im Stil von wie würden Sie entscheiden?: Soll ich muss ich vielleicht meinen ewig zu spät kommenden Kollegen beim Chef anschwärzen? Warum nicht? Ist es in Ordnung, gewaltsam Tiere zu befreien? Heiligt der Zweck die Mittel? Und so weiter. Im zweiten Teil, dem Lösungsteil des Buches, beschreibt er, was verschiedene Philosophen zu den alltäglichen, häufig durch historische Ereignisse inspirierten Geschichten gedacht haben.
Dabei macht das Buch besonders deshalb Spaß, weil es aus dem Elfenbeinturm herausgeht: Cohen gräbt mit beiden Händen in unterschiedlichsten Wissensbereichen, wühlt in vergilbten Akten, fischt alte Zeitungsberichte hervor kurz, er bringt immer wieder Beispiele aus der Politik, der Kriminalgeschichte, der Ethnologie, der Geschichte des Festungsbaus und so weiter um verschiedene Standpunkte bildhaft zu machen. Das hat auch den erfreulichen Nebeneffekt, dass oft eher theoretische Überzeugungen mit der Wirklichkeit in Form von beispielsweise Bomber Harris, dem Son of Sam, der School of the Americas oder dem Experiment von Stanley und Milgrem kollidieren. Aber Cohen bemüht nicht nur Extreme, um Meinungen zu hinterfragen. Oftmals stellt er einfach nur Alltagssituationen vor: Jim hat eine Lebenspartnerin, die ständig auf teuren Schnickschnack und Postwurfsendungen hereinfällt. Das unnütze Zeug füllt ungenutzt die ganze Wohnung. Eines Tages flattert ein Versandhauskatalog, von einem Computer an die Partnerin adressiert, durch den Briefkasten. Darf Jim die Sendung stillschweigend entsorgen, bevor seine Partnerin wieder auf etwas hereinfällt? Platon bietet hier eine bestechend einfache Lösung an.
99 moralische Zwickmühlen bietet zusätzlich ein Glossar mit wichtigen Begriffen von Utilitarismus bis Islamische Ethik. Darüber hinaus vor allem auch ein kommentiertes Literaturverzeichnis, das nach Themen wie Einführung in die Ethik, Sexualpolitik, Genetik, Tierrechte, Umweltethik und viele mehr strukturiert ist.
Fazit: Absolute Kaufempfehlung für alle, die sich einen ersten Eindruck verschaffen möchten, was Ethik ist und wie sie zum Einsatz kommt. Das hervorragende Literaturverzeichnis gibt dem Leser dabei die Möglichkeit, je nach Interesse, die unterschiedlichen Positionen im Detail selbst zu vertiefen.
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2.0 von 5 Sternen
Unterhaltsam, aber nicht unbedingt sehr lehrreich, 4. März 2010
Rezension bezieht sich auf: 99 moralische Zwickmühlen: Eine unterhaltsame Einführung in die Philosophie des richtigen Handelns (Taschenbuch)
Die vorgestellten Fälle sind nicht in jedem Fall wirklich Dilemmata (siehe z. B. die Geschichte vom Machandelbaum). Gerade beim Machandelbaum stellt man sich die Frage, was eigentlich die Aussage dieses Märchens sein soll.
Die Erklärungen zu den Zwickmühlen sind eher knapp, um nicht zu sagen dürftig. Hier hätte es einer leicht vertieften Erörterung bedurft, allein schon, um zu erkennen, inwiefern hier tatsächlich ein Problem vorliegt.
Zum Schmökern ganz nett, aber sicher keine Kaufempfehlung.
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