In Ihrem neuen Lyrikband spricht Doris Distelmaier-Haas nicht nur über Katzen und ihre Darstellung in Alltagsgegenständen, Kunst, Astrologie, Mythologie, sie spricht 'Cosima', die Sittsame, auch direkt an und misst Nähe und Entfernung zwischen Mensch und Katze aus. 'Tiere müssen sich', wollen sie zu uns gehören, ein Stück in unsere Welt hineinbegeben', zitiert die Autorin zu Beginn der Gedichtsammlung Rainer Maria Rilke.
Tatsächlich aber scheint es mit dem Verhältnis von Mensch und Tier in den Gedichten von Doris Distelmaier-Haas beinahe umgekehrt zu sein: Der Mensch folgt oftmals den Spuren/Glücksspuren des Tieres, nicht das Tier der Spur des Menschen.
Deutlich wird dies in 'Schattengrafik' (S. 19): Dem 'trippeln der katze im blütenschritt' folgt der Mann, dessen Schritte sich gewichtig in den Schnee eindrücken. Das Lyrische Ich folgt beiden und setzt seine 'spur darüber'. In der Natur geht die Katze den Menschen voran, war längst da, ehe die Menschen sich in den Garten aufmachen.
Das Verhältnis von Katze und Mensch wird in den Gedichten moduliert in Moll und Dur, mosaikartig fügt es sich zum Bild zusammen: Mal sind Katze und Lyrisches Ich ein Paar ('Ich und die Kätzin Cosima/sind ein überlebenspaar'), dann wieder ist das Kätzchen ein Dämon, zeigt seine Fratze, spielt mit dem Tod als einem Fest und ist dem Menschen fremd.
Zentral sind die Metaphern 'Knospenschritte' und 'Blütenschritt', die die ganze 'Katzenleichtigkeit', ja Zartheit im Gegensatz zur Schwerfälligkeit des Menschen zum Ausdruck bringen.
'Tender Blossoms', dieser Begriff fiel mir spontan ein und erinnerte mich an Gertrude Steins 'Tender Buttons'.
Über allen Darstellungen der jagenden, schmusenden, leichtschrittigen Katze hängt ihre Unantastbarkeit: 'Eine Katze ist eine Katze ist eine Katze.'
Cosima schert sich nicht um Rilkes Aufforderung, sich in die Welt der Menschen hineinzubegeben, sondern bleibt, was sie ist und wo sie ist.
Ein Lyrikband, dessen Texte nicht nur für Katzenfreundinnen und 'freude eine gewinnbringende Lektüre sind, für diese jedoch ganz besonders.