Nachdem Volker Pudels "Ernährungspsychologie" zu einem beliebten Buch von mir zählt und ich es im Rahmen meiner Ausbildung zur Ernährungsberaterin und Diätassistentin gut brauchen kann, hab ich auch "So macht Essen Spaß" bestellt.
Was ich gelesen hab hat mir mehr als enttäuscht. Herr Pudel wiederholt sich ständig in jedem Kapitel und insgesamt bringt das Buch keine neuen Informationen die man nicht auch in der Zeitschrift "Eltern" und Ähnlichem bereits dutzende male zu lesen bekommen hat.
Es mag sein, dass Herr Pudel ein guter Psychologe ist, aber sein ernährungswissenschaftliches Wissen lässt zu wünschen übrig, und er schockiert mich mit zb folgender, unfundierter Pauschal-Aussage:" Wenn mehr als 30% der Tagesenergie durch Fettkalorien, aber mehr als 55% durch Kohlenhydrate geliefert werden, dann ist es nahezu unmöglich sich nicht vollwertig zu ernähren."
Aber die Liste meiner Kritikpunkte geht noch weiter:
*Herr Pudel erwähnt mehrmals wie unschädlich Zucker eigentlich für das kindliche Gebiss ist.
*Herr Pudel stellt die Behauptung auf, dass Zucker nicht verantwortlich sei für andere ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten, was ich schon mal ganz praktisch an mir selber widerlegen kann, da ich jahrelang ein Problem mit Pilzinfektionen im Mund und Rachenraum hatte die durch den Verzehr von Zucker begünstigt wurde, die ich erst nach Zuckerabstinenz vollständig los geworden bin, und die schon bei kleinstem Zuckerkonsum wiederkommt. Aber die Liste der bewiesenen Schäden durch Zucker ist natürlich noch viel länger und betrifft natürlich längst mehr als nur ein paar Personen und auch nicht ausschließlich große Bruker-Anhänger.
*Herr Pudel äußert sich immer wieder herablassend über die Vollwertkost nach Bircher Benner und Bruker und somit auch über die "Vollwertköstler" als Personen. Er feuert mit folgenden Argumenten um sich: "...Die Vollwertkost ist zudem genussfeindlich, sehr rigide in ihren Vorschriften und wenig kinderfreundlich." "...knusprige Brötchen aus Weißmehl sind wahre Sündenfälle, die - so wird gedroht (!) mit Krankheit bestraft (!) werden." "Die sogenannten Vollwertköstler die uns Körner, Frischkornbrei und allerlei andere, vor allem "naturbelassene" Lebensmittel andienen wollen, sehen die Ernährung durch eine gefärbte Brille, die alles abwertet, was nicht ursprünglicher Natur ist..."
Mit solche Aussagen muss man Herrn Pudels Professionalität stark anzweifeln, denn gerade als Ernährungs-Psychologe müsste er sich darüber bewusst sein, wie wenig diese Polemik in seiner Arbeit zu suchen hat.
*Weiters rät Herr Pudel Eltern, deren Kinder bestimmte Lebensmittel ablehen, folgendes:"Da Süßes von Kindern gut akzeptiert wird, kann Zucker sinnvoll gebraucht werden, um Lebensmittel, die auf spontane Abneigung stoßen, aber durchaus verzehrt werden sollten, geschmacklich attraktiver zu machen." Danach spricht er noch einen Absatz lang darüber welche Lebensmittel sich gut mit Zucker "aufwerten" lassen (zB Müslis, Getreideprodukte etc)
Meiner Ansicht nach sollten Kinder selber entscheiden was sie nicht essen möchten, und eine Überwürzung und eine Überzuckerung kann und darf keine Lösung dafür sein. Vielmehr sollte man Alternativen und alternative Zubereitungsmethoden anbieten (zb wenn schon süßen, dann mit einer reifen Banane usw)
*Herr Pudel erklärt außerdem, ohne eine Quelle zu nennen, dass Mikrowellen-Geräte völlig unbedenklich für die Gesundheit wären und spricht sogar von gesundheitlichen Aspekten.
*Herr Pudel bringt uns auch noch ein praktisches Beispiel eines (Zitat Pudel) "nahe zu schon optimalen" Tagesplanes für Kinder zw. 10 und 12 Jahren, welches mit nachgezuckerten Cornflakes beginnt, weitergeht mit dem Pausenbrot (Graubrot), das mit einem Schokoriegel gekrönt wird; das Mittagessen mit Spagetti und Eis als Nachtisch; der Nachmittagssnack zu dem seiner Meinung nach ein Glas Fruchtsaft(Limo) gehört und das Abendessen, das eine Scheibe Toastbrot und immerhin 2 Scheiben Vollkornbrot das dich mit Quark bestrichen werden soll und erneut das Glas Limo.
Ganz ehrlich...hätt ich es nicht selbst gelesen, hätt ich nicht geglaubt, dass jemand der sich hauptberuflich mit Ernährung beschäftigt noch solche Ansichten hat und die auch noch ausgerechnet unters Volk bringen muss. Beim Lesen hat sich mir immer öfter der Verdacht aufgedrängt, dass Herr Pudel anspricht was die breite Masse hören möchte, um kein schlechte Gewissen mehr haben zu müssen, wenn sie ihren Kinders die gewünschte "Beruhigungslimo" geben um beim Essen ihre Ruhe haben zu können.
Zurückgeschickt hab ich das Buch nicht, weil ich es schon gelesen hatte und sowas nicht meine Art wäre.
Ein Stern hab ich deshalb gegeben, weil man einen vergeben muss wenn man eine Rezension verfasst.