Im gesamten Buch geht es in erster Linie um Frauenpolitik, die mit Familienpolitik vermischt wird. Ursula von der Leyen meint gar, Frauenpolitik sei Familienpolitik.
Dies lässt sich leider nicht nachvollziehen, denn offenbar geht die Familienpolitik der letzten Jahrzehnte vor allem an der Lebenswirklichkeit der Männer vorbei, die in Deutschland überraschenderweise mittlerweile einen niedrigeren Kinderwunsch als Frauen haben. Familienpolitik müsste sich deshalb ganz gezielt um die Belange der Männer kümmern.
Hier könnte die Biologie weiterhelfen. Biologen wissen, dass ein Vorteil getrenntgeschlechtlicher Populationen (Männchen/Weibchen) ist, dass ein Geschlecht (die Männchen) dann die geringeren Elterninvestments tragen kann. Zwitter könnten eigentlich viel mehr Nachkommen in die Welt setzen. Biologisch gesehen sind sie dennoch im Nachteil, da bei ihnen kein entsprechender Unterschied in den Elterninvestments aufgebaut werden kann.
Im Grunde sieht die Situation bei allen getrenntgeschlechtlichen Populationen wie folgt aus: Weibchen werden relativ gleichmäßig befruchtet und bleiben nur selten kinderlos. Bei den Männchen bleibt ein nennenswerter Anteil kinderlos, dafür bekommen andere Männchen besonders viele Kinder (von ggf. mehreren Weibchen). Das trägt maßgeblich zur Evolution bei. Charles Darwin fasste den Effekt unter dem Begriff "sexuelle Selektion" zusammen.
Doch was machen nun die erfolgreichen Männchen mit den besonders vielen Kindern? Ginge es nach Maria von Welser und Ursula von der Leyen und vielen anderen aktuellen Wortführerinnen in der Familiendebatte, dann müssten sie bei jedem Kind genauso viel Familienarbeit leisten, wie die Mütter. Sie hätten also viel mehr Familienarbeit zu leisten, als Frauen. Im Prinzip könnten sie dann nicht mehr arbeiten gehen. Doch nach welchen Kriterien würden sie dann gewählt? Welche Frau möchte schon ein Kind vom Häuptling, wenn er danach nicht mehr Häuptling sein kann? Ich jedenfalls nicht.
Die von den beiden Autorinnen angestrebte Angleichung in den Familienaufwänden ist also ein Konzept, was aus prinzipiellen Gründen nicht funktionieren kann. Versuchte man es doch, wäre das das Ende der Menschheit. Man kann gegen alles ankämpfen, nicht aber gegen grundsätzliche biologische Gegebenheiten. Die sollte man respektieren, denn wir sind Menschen und damit Lebewesen.