Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Endlich!!, 21. Mai 2008
Endlich hat mal jemand in sehr humorvoller Art eines geschafft: Eine Mischung aus den geschichtlichen Begebenheiten der Jahre 1967 bis 2003 und der Schilderung einer ziemlich normalen Reihenhausfamilie, in der sich mit Sicherheit viele Leser wiedererkennen werden.
Dank des Autors durfte ich persönlich mich an Dinge erinnern, wie den ersten Spanienurlaub 1975, an Boris Beckers ersten Sieg in Wimbledon, an die Anfänge von Michael Jackson und und und.... als Kind der 69er war ich eben dabei!
Würde mich jemand nach der Schreibweise von Herrn Jöricke fragen, so würde ich sie als charmant lustig, leicht gepfeffert, trocken, rasant und vor allem sehr gut gewählt beschreiben. Bei den Sexszenen (ja, die gab es tatsächlich auch!) nahm er nur ein ganz kleines Blatt vor den Mund, wobei er dabei eine sehr charmante Art und Weise hat, sie verblümt darzustellen, ohne dabei irgendwie "billig" oder "kitschig" zu wirken. Mir kam es fast vor, als würde er mit seinen Worten flirten und sehr oft zwinkert er dem Leser mit seinen Sätzen auch zu.
Ich habe an soooo vielen Stellen dieses Buches laut lachen müssen. Das kenne ich sonst nur von lustigen Frauenbüchern, aber auch von Tommy Jaud und Sven Regener. Und gerade mit den beiden würde ich Herrn Jöricke, rein humoristisch gesehen, sehr gerne auf eine Stufe stellen.
Es ist mir sehr leicht gefallen, das Buch recht zügig zu verschlingen. Zwei Nächte mit Herrn Jöricke und die Welt ist für mich in Ordnung ;-) Von Kapitel zu Kapitel (die übrigens sehr kurz gehalten sind, was mir persönlich sehr gefällt), wuchs die Neugier und die Lust auf "mehr". Und das bekam ich! Ich fand es äußerst witzig, dass die Kapitel am Ende immer noch einen "Cliffhanger" hatten, bei dem man einfach schmunzeln mußte.
Wenn mich die Schuldirektoren dieser Welt um meine Meinung fragen würden, dann würde ich sagen, dass dieses Buch mal anstatt der langweiligen Geschichtsbücher in den Schulen als Pflichtlektüre ausgegeben werden sollte. SO würde lernen doch wenigstens Spaß machen!!
Leider ist es (bisher) das einzige Buch des Autors, aber ich hoffe und bete, dass es nicht das letzte sein wird. Herr Jöricke: Ich brauch mehr von Ihnen und möchte gern noch weitere Nächte mit Ihnen verbringen ;-) Und ja, ich fand es am Ende des Buches schade, dass es schon zu ende war.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Chronik eines Landes und einer Familie, 13. Dezember 2008
Zu den Stärken des Buches gehören die vielen, gelungenen Aphorismen. "Kennen wir uns eigentlich?" schreibt der Protagonist mit neunzehn an seine erste, große Jugendliebe, nachdem der Verlauf der Ereignisse diese Liebe entzaubert hat. Und ja, denkt man als Leser, diesen Satz hätte man selbst auch noch ein paar Jahrzehnte später einer Frau mitgeben sollen, als sie mit dem größten Langweiler von allen abzog. Nur man selbst ist natürlich nicht drauf gekommen. Deshalb vielleicht gibt es Leute, die schreiben mit Recht Bücher, und andere, die schreiben nur Rezensionen.
Derart kurze, knackige Kommentare finden sich fast am Ende jedes der kleinen Kapitel, die jeweils ein Jahr im Leben des Erzählers und seiner Familie beschreiben. 1967 beginnt es mit einer Geburt und einem gesellschaftlichen Aufbruch. Das letzte Jahr im Buch ist das Jahr 2003 - ein Jahr des Klimawandels und der Bilanz. Nicht alle der Figuren erreichen dieses Ende, ohne Schaden davon zu tragen. Und bei weiteren Figuren ist das Ende der Geschichte wohl auch noch offen. Es sind im Wesentlichen acht Personen, von denen hier über immerhin dreieinhalb Jahrzehnte erzählt wird. Es geht um zwei Paare, miteinander verwandt, mit jeweils einer Tochter und einem Sohn. Dazu kommt noch die Landschaft, in der diese Familie wohnt, der Hunsrück, der in diesem Buch eine eigene Rolle spielt. Das ist viel Stoff für eine Geschichte von gut 200 Seiten. So hat man manchmal als Leser den Wunsch, mehr zu erfahren über die Entwicklung der Personen. Oft erscheint einem daher die Geschichte mehr als eine Chronik denn als der Roman, der einem auf dem Cover eigentlich versprochen wird. Manches wird gerafft wiedergegeben, erscheint plötzlich und unvermittelt, nicht immer sind alle Motivationen klar. Aber dann kommt wieder einer dieser klasse Sätze und man muss als Leser lachen und ist mit dem Buch wieder im Reinen.
Der Eindruck einer Chronik wird auch dadurch verstärkt, dass sich in jedem der kleinen Jahreskapitel auch ein Thema gibt, das den jeweiligen Zeitgeist erläutert. Die meisten dieser Themen kommen einem aus den üblichen Revivals im Fernsehen doch recht bekannt vor. Studentenunruhen und sexuelle Befreiung, Boris Becker und Easy Listening finden sich hier. Die Wende, das Internet und die Börseneuphorie sind gut dargestellt. Auch diese Passagen sind clever geschrieben, inhaltlich erscheinen sie dem Leser aber nicht immer neu. Aber immerhin leisten sie doch einiges für die Geschichte. Menschen agieren vor dem Hintergrund ihrer Zeit. Und diese hat sich im Verlauf der Jahrzehnte doch sehr gewandelt. Manchmal bietet gerade die spezifische Stimmung eines bestimmten Jahres für das Handeln eine Motivation, die dann nicht mehr ausdrücklich erklärt werden muss. Das Buch ist dann umso besser, je mehr die beiden Elemente, die Chronik der bundesdeutschen Gesellschaft und die Chronik der Familie zusammenfinden.
Und genau in diesen Momenten spielt dann auch der Hunsrück eine Rolle. Irgendwie ist das alles auch ein Roman über die Provinz. Aber es ist ein Roman, in dem die Leute nicht in der Provinz verbleiben, sondern ihr Glück in der Welt draußen suchen. Natürlich ist die Familie, die alle zusammen hält, an den Ort ihrer Herkunft gebunden. Das schöne ist, dass sich die Protagonisten aber nicht mit dem Wohlfühlen dort begnügen. Vom Hunsrück aus hat man einen weiten Blick in die Welt. Und so kann man dort in der Welt auch aktiv nach dem Glück im Leben suchen. Leider kann man dabei auch mal Scheitern. Doch wenn man das nicht könnte, würde sich der Kampf um das Glück vielleicht auch nicht lohnen. Es ist diese Erkenntnis, die sich mir am Ende des Buches als Leser aufdrängt, und das ist es dann, was das Buch - trotz ein paar Bedenken meinerseits über das Format der Chronik als Weg zur Erzählung einer Geschichte, die auch einen Roman verdient hätte - lesenswert macht.
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26 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Lustig ist nicht immer lustig, 18. Dezember 2007
Als Millionen von Menschen auf die Strasse gingen und Frank Jörike geboren wurde, tunte ich gerade mein erstes Mofa, um im Quartier und bei den Mädchen Eindruck zu schinden. Um den Weltfrieden und den Hunger in Afrika kümmerte ich mich erst, als ich die 68er-Unruhen bereits wieder vorbei waren. Mein Blickwinkel ist also ein leicht verschobener. Möglich, dass das zusätzliche Lach- und Schmunzeleffekte auslöste. Jedenfalls gelang es Frank Jöricke locker, mich zu unterhalten. Aber Begeisterungsstürme löste er bei mir nicht aus, was noch erklärungsbedürftiger ist, wenn alle bisherigen Rezensionen so enthusiastisch sind.
An Jörickes Fabulierkunst liegt es bestimmt nicht, dass ich ihm die Höchstnote verweigere. Mir war das Ganze einfach zu lustig. Oder anders gesagt, der emotionale Rhythmus stimmte für mich nicht. Immer wieder stiess ich auf Passagen, die mir das Gefühl gaben, der Autor betrachte die ganze Welt als Kulisse für seinen Auftritt als Fabulierer. Was auch immer geschieht, Jöricke fühlt sich offenbar dazu gedrängt, es lustig zu beschreiben oder zu verpacken. Das kommt gut an, ich weiss. Aber meine Lieblingsform von Humor und Comedy ist es nicht. Das hat nichts mit einem masochistischen Drang nach Tiefgang zu tun, sondern eher mit dem Vermissen dramaturgischer Feinheiten, einem einseitigen Spiel oder Beliebigkeit. "Im Augenblick, da sich Andreas Baader eine Kugel in den Kopf jagte, legte sein Vetter Erich Theodor in einer Trierer Diskothek Stayin alive auf womit er gleich in zweifacher Hinsicht seherische Fähigkeiten bewies." So beginnt das Kapitel "1977: Disco", in dem vietnamgeschädigte GIs den Shit plattenweise kauften. Mir fehlten in Frank Jörickes Comedy-Show die Zwischentöne, die leisen Anspielungen und die Trauer der grossen Clowns. Und wenn der Klappentexter der Meinung ist, die Tätigkeit als Werbetexter habe Frank Jöricke nicht geschadet, halte ich diese Ansicht eher für eine sprachliche Selbstbeschwörung. Und wieso braucht es den Hinweis, der Autor verfalle nicht dem Zynismus?
Mein Fazit: Ganz ohne Zweifel ein unterhaltsames Buch. Frank Jöricke entwirft Figuren, die so schräg und verschroben sind, dass man sie gleich in einem Film sehen möchte. Wenn mir die geschilderten Personen und Ereignisse trotzdem blass vorkamen, liegt das an den fehlenden Schattierungen und Zwischentönen. Die Kunst der grossen Komiker besteht gerade darin, die ganze Palette komödiantischer Hilfsmittel zu nutzen.
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