Die Reihe außergewöhnlicher Buchprojekte hat der Gerstenberg-Verlag nun um ein weiteres ergänzt: über 100 Grabstätten von Dichterinnen und Dichtern werden in diesem Bildband gezeigt und mit Texten derselbigen ergänzt.
Die Vielfalt der gezeigten letzten Ruhestätten spiegelt die Vielseitigkeit der Persönlichkeiten wieder.
Angefangen bei drei im vierzehnten Jahrhundert geborenen Schriftstellern werden über die Jahrhunderte hinweg in der Reihenfolge ihres Geburtsjahres die Künstler/-innen vor allem aus Europa und dem amerikanischen Kontinent berücksichtigt.
Die im Duoton abgedruckten Fotographien zeigen beschauliche, gewöhnliche, pompöse oder auch dezent verhaltene bzw. versteckte Grabsteine.
Bei verschiedenen Grabstätten ist man über das manchmal sehr kurze, dann wieder aber auch über die äußerst lang gewährte Lebensspanne der verstorbenen Person verwundert. Genauso wie auch der Ort des Gedenkens nicht immer zu dem vermuteten Land passt, in dem man die letzte Ruhestätte vermuten würde.
Sowohl auf öffentlichen Friedhöfen als auch auf den privaten Grundstücken lassen sich die Gräber finden.
Die Fotographien selbst sind von guter Qualität und überzeugen vor allem durch die Schärfe, welche man bei den auf Friedhöfen eher mangelhaften Lichtverhältnissen nicht vermuten würde.
Sowohl den Bildern als auch den Texten wird im Buch ausreichend Raum gelassen.
Die Texte selbst sind außergewöhnlich und bedienen nicht bekannte Klischees, sondern zeigen eher unbekanntere Passagen aus den Werken der Dichterinnen und Dichter.
Neben Auszügen aus Erzählungen, Romanen, Theaterstücken und Gedichten werden auch Briefauszüge wiedergegeben.
Die Trauer um ein Kind, der Tod von Freunden und Eltern, die Suche nach Gott, der äußere Rahmen einer Bestattung oder Trauerzeremonie sowie auch die Anfertigung eines Sarges werden in kräftigen Nuancen thematisiert. Hierbei ist man so manches Mal verwundert, wie offen und unvoreingenommen Sterben und Tod thematisiert werden und selbst der Humor nicht außen vor bleibt.
Die Länge der Texte bzw. Zitate stellt niemanden besonders heraus. Vielmehr ist es dem Autor und Sammler Peter Andreas gelungen, vertraute Dichter/-innen und weniger bekannte gleichwertig nebeneinander zu stellen.
Das gut angelegte Register mit genaueren Angaben zu den Lebensdaten und Bestattungsorten ergänzt die Fotos und Texte in gelungener Weise.
Der Essay von Günter Kunert hebt noch einmal hervor, dass sich an den Grabstätten so bekannter Personen eine einmalige Verbundenheit offenbart, die über den „Besuch bei Toten" hinausgeht.
Diese Sammlung erhebt keinen Anspruch auf Vollzähligkeit, vielmehr wird ein sehr breites Spektrum sichtbar, wo und mittels welchem Erinnerungsstein an Dichter und Dichterinnen gedacht wird. Wie sorgsam Peter Andreas bei der Auswahl vorgegangen ist, zeigt sich auch in der letzten aufgeführten Dichterin (Gertrud Kolmar), für die es - aufgrund ihres Todes in einem Konzentrationslager - keinen Stein gibt. Stellvertretend für alle diejenigen Dichterinnen und Dichter, an die keine Grabstätte erinnert, steht der Text dieser Dichterin.
In Italien, Deutschland, Frankreich, Österreich, Schweiz, Großbritannien, Schweden, Tschechien, Polen, Russland, Norwegen und den USA lassen sich die Grabstätten der berücksichtigten Literaten finden.
Es ist dem Autor zu danken, dass er diese einzigartige Sammlung zusammengestellt und so der Nachwelt einen Dienst erwiesen hat: nämlich immer wieder Orte aufzusuchen, die Kraft verheißen, erinnern und mahnen für eine Welt, in welcher der Kunst der passende Platz zugestanden wird.