Pelletier erzählt eine facettenreiche, zunächst ruhig dahin fließende Geschichte über den Kommissar Maurice Laice, dem mehr und mehr der Boden unter den Füssen weg gezogen wird. Seine polygame Liebste tröstet ihren Ex über den Tod seiner zweiten Frau, Laice hat Hodenkrebs und seiner bekennend lesbischen Chefin, die ihn nicht leiden kann, hat er seine Versetzung ins 19. Arrondissement zu verdanken. Zudem überschüttet sie ihn mit weiteren Fällen: einem toten Chinesen, Brandanschlag auf einen Brückenwärter, Jugendbanden und eine Mädchenbande, die über Einbruch und Diebstahl wilde Gelage in First Class-Hotels finanziert. Mehr und mehr verdichtet sich der Roman bis hin zu einem furiosen, explosiven Finale. Souverän verknüpft Chantal Pelletier die einzelnen Geschichten, so dass man als Leser erst spät bemerkt, wie radikal und konsequent Pelletier ihren Plot zu Ende gedacht sind. Pelletier nimmt sich Zeit, Nebenfiguren und Randfiguren mit präzisen Schilderungen zu charakterisieren und auszuleuchten, und erschafft lebendige Charaktere, deren Schicksal uns bis zum bitteren Ende fesselt. Pelletiers Sprachmächtigkeit und Wortwitz, schwarzer Humor, Virtuosität und Esprit machen diesen Roman zu einem außerordentlichen Lesevergnügen. Doch trotz aller Sprachvirtuosität ist Pelletiers Sprache eine äußerst harte Sprache, in der sie eine nicht weniger harte Realität, bis an die Schmerzgrenze, beschreibt. Ein „Must" für alle Anhänger der "Série noire".
Ein großes Lob gebührt auch der hervorragenden Übersetzung. Chantal Pelletier ist mit „More is Less" ein großartiger Roman gelungen. Unbedingt empfehlenswert!!!