Die Idee, die Führungskraft und den Coach unabhängig über den gemeinsammen Coaching-Prozess berichten zu lassen, finde ich eine tolle Idee. Hier hatte ich mir erhofft zu erfahren, wie unterschiedlich jede Partei die gleiche Situation empfunden hat und unterschiedliche Reaktionen/Aktionen provozierte.
Leider liest sich für mich der Buchinhalt eher wie ein schriftlicher Lobgesang auf Herrn Lubbers (der ohne Zweifel ein toller Coach sein mag). Die Beschreibung des Werdegangs von Herrn Lubbers paßt in dieses Bild.
Auffallend fand ich, daß alle Führungskräfte Dutz-Freunde von Herrn Lubbers sind, und das Coach und Coachee auch auf der familiärer Ebene fast durchweg sehr engen privaten Kontakt haben (bei einem der Kandidaten war er sogar Trauzeuge). Nur die einzige Dame im Feld bestand auf einer klaren Trennung zwischen Beruf und Privat. Zufall?
Sätze wie "Von der Coaching-Beziehung zum Vater-Sohn-Verhältnis" und "...väterlicher Freund gefunden..." unterstützen meine Vermutung, daß es sich bei dieser Art von Coaching doch eher um Mentoring handelt, daß sich mit konkreten Vorschlägen ("...spricht Empfehlungen aus...") , Zugreifen auf die vorhandene eigene berufliche Kompetenz ("...sein Vertrauen dadurch zu gewinnen, dass ich ihn mit meinem Wissens- und Erfahrungsvorsprung beeindruckte...") und seinem Wunsch, die private Seite seiner Klienten kennenzulernen, doch klar vom eigentlichen Coaching unterscheidet. Dies wird durch seine Kandidaten ja auch bestätigt z.B. "Coaching heißt für mich vor allem Beratung".
Verwirrt haben mich auch einige Techniken von Herrn Lubbers, z.B. "...also verschaffte ich mir ersteinmal Respekt, indem ich mit meiner eigenen beruflichen Karriere, meinem Alter und meiner Erfahrung kokettiert habe. Erst einmal ließ ich diesen Youngster kräftig auflaufen..." (WOW!!!) und "...ich bin ein unbequemer Coach, versuchte ich Distanz zu schaffen..." (???). Auch hier sehe ich doch eher den Berater, Trainer und Mentor als den Coach.
In dem Kapitel "Das Verhältnis zwischen Coach und Coachee" bietet der Autor als Beispiel für Coaching-Schwierigkeiten bei emotionale Abhängigkeit folgendes Beispiel: "...Als Mann soll ich eine Frau coachen, die mir so sehr gefällt, dass ich mich in sie verliebe. Vielleicht schlafen wir auch miteinander. Können Sie sich vorstellen, daß unter solchen Bedingungen ein sinnvolles Coaching möglich ist?...". Danke für diesen Tip.
Warum trotzdem Sterne? Trotzallem und mit der nötigen Distanz kann man sich doch ein paar gute Tips und Ansätze holen. Aber die gibt es auch in anderen Büchern - und dann ohne den ständigen "hart aber herzlich"- und "lieber ehrlich als höflich"-Ton.