Herbert von Karajan hatte große Freude an Bizets temperamentvoller Musik. Auf dieser CD finden Sie nun zwei der absoluten Klassiker des Bizet-Werks, nämlich die beiden Arlesienne-Suiten sowie die Suite zur Oper-Carmen, die Karajan auch mit großer Begeisterung inszenierte und aufführte.
Karajan vermag es für meinen Geschmack ganz ausgezeichnet, Bizets Temperament und die Energie, die in diesen Stücken steckt herauszuarbeiten. Die Carmen-Suite sprüht vor spanischem Temperament. Das gleiche gilt beispielsweise für die Farandole der 2. Arlesienne-Suite. Im Vergleich mit anderen Dirigenten wie beispielsweise Thomas Beecham ist allerdings anzumerken, dass Karajan die Farandole nahezu immer im gleichen Tempo und in der gleichen Lautstärke spielt, während Beecham hier differenzierter spielen ließ. Was nun der Original-Intention Bizets näher kommt, kann ich überhaupt nicht beurteilen. Ich würde mir eine Mischung aus beidem wünschen: Karajans Temperament und Beechams Differenzierungen, wobei ich schlussendlich Karajan vorziehe. Ich finde es interessant, dass beide Alternativ-Aufnahmen, die mir zur Verfügung standen (neben Beecham habe ich noch Marriner) bei der Farandole kein Tamburin verwenden, wie die Berliner Philharmoniker, sondern die normale Pauke (wer sich besser mit Rhythmus-Instrumenten auskennt, darf mich gerne korrigieren), wo das Tamburin hier so herrlich ins Klangbild passt.
Ansonsten ist es eine typische Karajan-Aufnahme: breiter Streicherklang, der sich wie ein Teppich über das Klangbild legt, eher ein Einheitsklang, also wenig differenziert. Beispiel: dass im Präludium der 1. Arlesienne-Suite in einem Abschnitt die Celli durch Fagott begleitet werden, entgeht einem z.B. bei Karajan fast und das ist durchaus repräsentativ für das gesamte Klangbild. Ganz typisch Karajan eben.
Insgesamt finde ich diese CD ganz hervorragend. Ich mag den Karajan-Stil mittlerweile nicht mehr für jede Musik, aber zu Bizet passt er meines Erachtens ganz hervorragend.
Empfehlenswert!