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Produktinformation
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Dass auch nach 1806 die politische Geschichte Deutschlands keinen voraussetzungslosen Anfang nehmen konnte, versteht sich von selbst. Winkler trägt den tief verwurzelten Bestimmungsgründen deutscher Befindlichkeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts in einem glänzenden Einleitungskapitel Rechnung, das er treffend "Prägungen: Das Erbe eines Jahrtausends" überschrieben hat. Auf gerade einmal etwas mehr als 30 Seiten erfährt man hier mehr über die tiefen Wurzeln der einen oder anderen deutschen Besonderheit, als in so manchem dicken Kompendium über die deutsche (Vor-)Geschichte.
Ebenso prägnant und urteilssicher wie die Vorgeschichte präsentiert uns der Autor dann auch die deutschen (Ab- und Irr-)Wege durch die Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert. Dabei wird noch einmal überdeutlich, wie sehr sich bis Weimar die obrigkeitsstaatlich geprägte deutsche politische Kultur und das politische Bewusstsein der Deutschen von dem demokratisch entwickelteren Politikverständnis in England sowie in Frankreich unterschied. Und noch einmal deutlich vor Augen geführt wird uns auch, wie tief der Bruch der Weimarer Republik mit dieser Tradition war. Sehr viel tiefer zumindest, als die obrigkeitsstaatliche Seele der politischen Eliten zu verkraften vermochte.
Den der verspäteten Demokratisierung vorangehenden Nationalsozialismus schildert Winkler unter anderem, in dem er ihn abgrenzt gegen die faschistischen Bewegungen in anderen europäischen Ländern, namentlich in Italien, Spanien und Portugal. Als unvergleichlich radikaler erweist sich dabei einmal mehr die totalitäre politische "Religiosität" des Nationalsozialismus. Auch die auf "die deutsche Katastrophe" folgenden Wegmarken der deutschen Geschichte von der Teilung bis zur deutschen Einheit 1990 analysiert Heinrich August Winkler mit einem beeindruckend souveränen Urteil, das es ihm erlaubt, die komplexen politisch-historischen Prozesse überzeugend auf ihren Nenner zu bringen. --Andreas Vierecke
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Das Buch ist sehr flüssig geschrieben und verliert sich nicht im oft langatmigen Duktus wissenschaftlicher Geschichtsmongraphien. Trotzdem ist es gespickt mit Details, die auch jene Leser interessant finden werden, die bereits über fundierte geschichtliche Vorkenntnisse verfügen. Den Erzählfaden verliert der Autor dennoch nie.
Vor allem aber scheut sich Winkler nicht zurück vor der Abgabe klarer Bewertungen und Meinungen, die oft genug auch mit in der Geschichtsschreibung herrschenden Mythen aufräumen: Interessant sind diesbezüglich z.B. Passagen über den Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die Rolle von Kommunisten und Sozialdemokraten in der Weimarer Republik.
Die Fussnoten befinden sich am Ende des Buches; das ist gut so und fördert die Lesbarbeit. Doch wer sich die Mühe macht, Winklers "Belegsammlung" etwas durchzusehen, merkt schnell, dass der Verfasser gute Arbeit geleistet hat und seine Ansichten wohl begründen und fundieren kann.
Alles in allem: ein sehr lesbarer Schmöker. Bravo!
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