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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Größe der Menschlichkeit- und der bittere Preis dafür, 30. März 2005
The long Goodbye - sicherlich Chandlers bestes und gleichzeitig wohl persönlichstes Buch. Selten habe ich eine so gelungene Charakterstudie gelesen, in der der äußerlich mit allen Wassern gewaschene, zynische und harte Privatdetektiv Marlowe in all seiner Verwundbarkeit gezeigt wird, die entsteht durch seine Intellektualität und menschliche Integrität in einer unmenschlichen Welt, die nur vom Geld und Macht regiert wird. Es offenbart sich ein Mensch, der für seinen Job eigentlich viel zu sensibel und zu schade ist, den seine Tätigkeit auch oft genug ankotzt, der aber aus einem inneren moralischen Pflichtgefühl heraus trotzdem weitermacht, um einen letzten Rest Anstand zu bewahren und weiterzugeben. Das Buch ist ein Hohelied der Treue und Freundschaft, die zuletzt am Ende des langen Abschieds genauso verraten wird wie so vieles zuvor, und deren Besonderheit nur dadurch von Marlowe gerettet werden kann, indem er sie nicht käuflich werden läßt, sondern klar beendet - für den Preis der weiteren Desillusionierung und weiteren Einsamkeit. "Sie hatten ein großes Stück von mir gekauft, Terry. Für ein Lächeln, ein Nicken, ein Winken der Hand und ein paar stille Drinks hin und wieder in einer stillen Bar. Es war nett, solange es währte. Machen Sie`s gut, amigo. Groß Abschied nehmen wollen wir nicht. Das haben wir getan, als es etwas bedeutete. Als es ein trauriges, einsames und endgültiges Wort war." Wer sich bei aller Derbheit und zynischer Abgebrühtheit auf Melancholie bei einem Krimi einlassen kann, ist hier bestens beraten. Henning Mankell schreibt übrigens bestimmt ganz anders - aber die Einsamkeit seines Protagonisten Kurt Wallander und die Melancholie seiner Bücher (gut z.B. im Vergleich: "Die Hunde von Riga") ist von Chandler sicherlich vorweggenommen worden. The long Goodbye ist eigentlich ein melancholisches Männerbuch - am besten mit einem guten Maltwhisky in bequemer Reichweite!!
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ziemlich stark, 27. Januar 2004
Von Ein Kunde
Chandler, der mit fünfundvierzig Jahren das Schreiben anfing und zunächst für die billigen "Pulp Magazines" schrieb, eine sehr spezielle Literaturform, bei der es darauf ankam, möglichst viele Schiessereien in Szene zu setzen, variierte dieses Schema in seinen späteren Romanen, und den "Langen Abschied" kann man als den Höhepunkt seiner Schreibkunst bezeichnen. Wieder wird der Privatdetektiv Philip Marlowe aus L.A. auf einen Fall angesetzt. Diesmal soll er den Genie-Schriftsteller und Trinker Roger Wade aufspüren, der sich wegen seines Schreibfrusts in ärztliche Behandlung begibt. Leider kennt weder seine Frau noch sein Verleger diesen Arzt, und es wird Marlowe schnell klar, dass "Dr. V." nicht sonderlich an Wades Genesung gelegen ist. Das ist nicht der Anfang des Romans. Zu Beginn lernt Marlowe den Kriegsveteran und Alkoholiker Terry Lennox kennen, einen höflichen jungen Mann, der in eine reiche Familie eingeheiratet hat, und das wäre nicht übel, würde seine Frau ihn nicht permanent betrügen. Man findet sie eines morgens erschossen auf, Lennox wird des Mordes verdächtigt, er fragt Marlowe um Rat, der ihn über die Grenze nach Mexiko bringt. Das ist das Ende des ersten Kapitels. Marlowe wird wegen Beihilfe in den Knast gesteckt, dort holt ihn der Verleger Roger Wades raus, damit er Wade aufspürt, der endlich ein neues Buch fertig stellen soll.Wer Chandler kennt, weiss, dass die Handlungsstränge sich nur langsam entflechten, man merkt jedoch früh, dass die Lennox-Sache mit dem Fall Wade zusammenhängt. Zwischendurch spult Chandler sein Arsenal an zwielichtigen Gestalten ab: Der verwirrte Psychiater in Gestalt des "Dr. V.", korrupte Polizisten, die Verhöre mit einem Faustschlag beginnen, Frauen, die nur auf Geld aus sind, schiesswütige Gangster, zwischendrin der Moralist Marlowe, der eine Menge einstecken muss, noch dazu vom Selbstmord Lennox`in Mexiko hört, und sich seine Gedanken über die korrupte Welt macht. Höhepunkt dieser Gedanken ist ein anderthalbseitiger Essay über Blondinen, "die alle ihre Mucken haben". "Der lange Abschied" beinhaltet alles, was Chandler schon früher geschrieben hat, und er enthält noch mehr. Er ist reifer als die anderen Romane und die Figuren sind tiefer angelegt. Ein saftiges Stück Literatur.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mein Lieblings-Marlow, 15. Juni 2006
Wie so oft bei Chandler, das Böse hat mal wieder mit einer Frau zu tun. In dem wohl komplexesten Setting aller Marlow-Geschichten kämpfen Männer um ihr Glück, ihre Existenz und ihr Leben, aber gegen die Frau in ihrer Mitte sind sie doch merkwürdig hilflos. Aber möglicherweise sind ja auch die Frauen nur "Getriebene", Opfer ihrer Umwelt und der merkwürdigen Paradigmen des American Dreams.
Dagegen setzt Chandler aber etwas besonderes, nämlich die Freundschaft, die Solidarität mit einem nahen Menschen, selbst in schwierigen Zeiten, selbst dann, wenn der Freund einem schon längst fremd geworden ist, selbst dann, wenn er schon längst gestorben ist. So bekommt die Welt dann zwar immer noch keinen Sinn, das Handeln hat aber ein Ziel, man kann entscheiden, ob man zu den Guten oder zu den Bösen gehört.
Nebenbei natürlich weitere Themen, die wir als Fans bereits kennen. Die genaue soziale Beschreibung der Westküste in der Mitte des letzten Jahrhunderts (mit veränderten Ortsnamen), der Fluchtpunkt Mexiko, die Korruption, die Einsamkeit Marlows (vielleicht freiwillig, vielleicht auch nicht), die Bereitschaft zur Gewalt, der 2. Weltkrieg und seine sozialen und menschlichen Folgen als Hintergrund, der ausgiebige Genuss von Alkohol und dessen Folgen, die Bereitsschaft zu spielen und dabei seine Existenz aufs Spiel zu setzen, die Sucht nach Erfolg, Anerkennung und Wohlstand. Selten bricht dann auch noch das Thema Liebe durch, aber sie hat einen schweren Stand gegen die Lust auf Sex und Geld.
Für mich ist "The Long Goodbye" der beste der Chandler-Romane, weil Chandlers Welt, die Ideen hinter den Kriminalgeschichten, hier am deutlichsten wird. Und weil sich die Geschichte nicht nur auf einen bestimmten Fall beschränkt. Erzählt wird hier ein für Chandler sehr langer Zeitraum, vielleicht sogar viele Jahre, es wird klar, wie sich Menschen verändern und wie sich dennoch die Ereignisse in der fernen Vergangenheit auf ihr Handeln auswirken. Man kann den Leichen im seinem Keller eben doch nicht entkommen.
Wie immer liest sich das äußerst spannend, Chandler nutzt seine außerordentlichen sprachlichen Fähigkeiten, seinen lakonischen Humor, und so lohnt es sich, sich außer der Handlung auch auf die Formulierungen zu konzentrieren, insbesondere die Texte, die Marlow selbst in den Mund gelegt werden.
Einfach ein Highlight.
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