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Der längste Tag des Jahres
 
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Der längste Tag des Jahres [Restexemplar] (Gebundene Ausgabe)

von Tanja Dückers (Autor)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 213 Seiten
  • Verlag: Aufbau-Verlag; Auflage: 1 (2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3351030681
  • ISBN-13: 978-3351030681
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 13,2 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 106.705 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Familienbild in Fürstenfeldbruck! Die einzigen Licht- und Wärmequellen im düsteren Elternhaus waren Vaters Terrarien vorbehalten. Seinen geliebten Geckos und Chamäleons, die er stundenlang, auf seinem Sitzkissen thronend, beobachten konnte. Den Bienenvölkern, über die er endlos monologisierte. Seine Kinder hatten im Lebensraum des Wüstenfreundes weniger Platz. Die Mutter hatte sich aus dem Schatten des gestrengen Naturliebhabers ins ewige Licht des Katholizismus geflüchtet. Nur Thomas, der Jüngste, ein As in Naturwissenschaften, hatte Vaters uneingeschränkte Liebe erhalten. Bis er mit zwanzig verschwunden war!

Vier traurige Anrufe läuten den Roman ein. Am längsten Tag des heißesten Sommers seit Menschengedenken war der Vater an Herzversagen gestorben. Vier erwachsene Kinder quält die Frage, wer dieser verschlossene Mann eigentlich war, der ihnen seinen Stempel so unauslöschlich aufgeprägt hatte? Die Schürfarbeit beginnt! Was sie mit ihrem Vater verband, glich einer Liebe mit gebremstem Schaum. Zu frostig seine Distanziertheit und mangelnde Zuwendung, zu deutlich die unverhohlene Enttäuschung dieses Geradlinigen über ihre beruflichen Werdegänge.

Bennie schlaumeiert sich im fernen Berlin an der Seite der schrillen Nana als "Galerist" mehr schlecht als recht durchs Leben. Dem gnadenlosen Therapeutenblick Annas entgeht kein menschlicher Makel. Sylvia, die Wendige, kümmerte sich um die väterliche Zoohandlung, bis diese mangels Nachfrage schließen musste, was dem Vater buchstäblich das Herz brach. David wandte sich dem Theater zu, was beim Vater lediglich höfliches Interesse hervorrief. Tanja Dückers Wechselobjektive enthüllen langsam ein Familienbild voller Animositäten, des Neides, des Unausgesprochenen und der heimlichen Allianzen -- bis sich schließlich die unbequeme Frage erhebt, wieviel väterliches Erbe in jedem einzelnen schlummert.

Verlustschmerz und Erinnerungsarbeit reichen am Ende bis in die Wüste von Utah. Im längsten und merkwürdig aus dem Erzählrahmen fallenden Schlusskapitel treffen wir auf den verschollenen Thomas, der zwischen Esoterikern, Umweltaktivisten und Land Art-Künstlern des Vaters Erbe auf seine Art weiterführt. Die ausufernde Genauigkeit in der Beschreibung dieser Wüstenaktivitäten wirkt ein wenig wie ein Fremdkörper im restlichen Romangefüge, einem Werk, das sich zwischen Tagebuchgeständnishaftigkeit und Selbstfindungsrhetorik ein durchaus passables Plätzchen erobert hat. --Ravi Unger



Kurzbeschreibung

Ein Roman, der unser aller Leben betrifft

Am 21. Juni, dem längsten Tag des Jahres, reißt das Läuten des Telefons vier Geschwister aus ihrem Alltag: Gerade ist der Vater, das "Zentralgestirn" der Familie, gestorben. Was die Todesnachricht bei den Geschwistern auslöst, fügt sich subtil zu einem scharfsinnigen Familienporträt. Selten ist dieser einschneidende Moment eindrucksvoller eingefangen worden als in dem neuen Roman von Tanja Dückers.

Ganz überraschend kommt der Tod des Vaters nicht. Seit er seine Zoohandlung wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten schließen mußte, schien er jeden Lebensantrieb verloren zu haben. Als typischer Vertreter der Nachkriegsgeneration hatte er jahrzehntelang all seine Energie darangesetzt, das Geschäft auf- und auszubauen. Ja, mehr noch, die Wüstentiere, die er verkaufte, waren die Verkörperung seiner romantischen Sehnsucht nach Exotik. Allein die älteste Tochter teilt diese wirklichkeitsferne Wüstenleidenschaft, die schuld daran war, daß der Vater seine Kinder weniger wahrnahm als die Warane im Terrarium. Der jüngste Sohn hat der Familie sogar den Rücken gekehrt und ist nicht zu erreichen. Die anderen vier ahnen nicht, daß er die ungelebten Träume seines Vaters auf eigenwillige Art wahrgemacht hat. Unter dem Eindruck der Todesnachricht erkennen die längst erwachsenen Kinder auch den eigenen Lebensweg in unerbittlicher Schärfe. In ihrem raffiniert erzählten Roman blickt Tanja Dückers hinter die Kulissen einer Familie, in der Erfahrungen und Lebensstile zweier Generationen aufeinanderprallen.


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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Fünf Kinder reflektieren den Tod ihres Vaters-das Buch beschreibt die Vielfalt der Lebenseinstellungen der letzten 20 Jahre , 28. April 2007
Von Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 10 REVIEWER)   
Paul Kadereit, Hobbyimker und leidenschaftlicher Reptilien- und Amphibienliebhaber stirbt am 21. Juni 2003, dem längsten Tag des Jahres. Seine Frau findet den gerade 62 Jahre alt gewordenen tot in seinem Bienenhaus, seinem letzten Zufluchtsort, nachdem er sein Lebenswerk, eine Zoohandlung mit Spezialisierung auf Wüstentiere wegen Insolvenz zwei Jahre zuvor aufgeben musste. Seine zweite Firma, "Honeylife", ein Spezialversand für Imkereibedarf hatte er schon einige Zeit vorher schließen müssen.

Diese Verluste treffen den Mann tief, er zieht sich zurück, lässt sich gehen und droht körperlich und seelisch zu verwahrlosen. Das Buch beschreibt nun in fünf Kapiteln die Reaktionen seiner fünf erwachsenen Kinder auf seinen Tod. Und so unterschiedlich seine Kinder sind, so verschieden fallen auch ihre Reaktionen auf die Todesnachricht aus und so unterschiedlich verarbeiten sie auch die Trauer um ihren Vater.

Nicht nur diese Reaktionen auf den Tod des Vaters beschreiben die Kapitel dieses den Leser tief berührenden Buches, sondern in den Erinnerungen der Söhne und Töchter von Paul Kadereit entsteht in der Summe der Perspektiven ein Bild von einem Mann, den das Wirtschaftswunder" hochgespült hat und der sich der neuen Zeit nach der Wende 1989 nie wirklich anpassen konnte und wollte. Ein Mann, der träumte von der Wüste und der weiten Welt, und sich doch nie auch nur eine einzige Reise in nur eines der Länder gönnte, deren Tierbewohner er in seiner Zoohandlung verkaufte und in deren Geographie und Geschichte er sich auskannte wie kein zweiter.

Tanja Dückers, 1968 in West-Berlin geboren, reflektiert hier das Leben der Generation ihrer Eltern. Und sie verknüpft die Eigenheiten des Familienoberhauptes Paul Kadereit geschickt mit den verschiedenen Lebenswegen und -konzepten seiner Kinder in einer ausdrucks- und eindrucksvollen Sprache.

Diese Lebenskonzepte und -wege von fünf Geschwistern könnten kaum unterschiedlicher sein. In ihnen bildet sich im Mikrokosmos die Vielfalt von Lebenseinstellungen und Werthaltungen der letzten 20 Jahre wieder.
Die beiden Töchter Anna und Sylvia leben mit ihren Familien ein relativ normales Familienleben in ihrer Heimatstadt Fürstenfeldbruck. Sie haben all die Jahre den intensivsten und häufigsten Kontakt mit dem Vater. Ihre Kinder lieben den Großvater und sind, jedenfalls bis zu einem gewissen Alter, gerne gelehrige Schüler in seiner Wüstenwelt.

David ist Schauspieler, experimentiert gerne und schielt nicht auf die große Karriere. Sein Bruder Bennie, den es nach Berlin verschlagen hat, tut das noch weniger. Er ist ein kleiner Lebenskünstler, der versucht, ambitionierte und kritische Kunst in seiner kleinen Galerie auszustellen. Man spürt bei beiden Brüdern, eine gute, abgesicherte Zukunft hat das alles nicht, aber das stört sie nicht. Ganz im Gegensatz zu ihrem Vater, der Schauspiel und Kunst für etwas hält, was man zu seinem Hobby machen, aber mit dem man sicher keine Familie ernähren kann.

Und dann ist da noch der verschollene Sohn Thomas, von dem nur David den jeweils letzten Aufenthaltsort kennt. Er ist ein echter Freak, aber mit einer gediegenen Ausbildung. An vielen Stellen auf der Welt hat er in Wüstenregionen Wasserleitungen repariert und ist jetzt in der kalifornischen Wüste gelandet, wo er mit seinem Sohn Sami und seiner Partnerin Chantal lebt.

Er ist anscheinend der einzige von Paul Kadereits Kindern, der seine Leidenschaft für die Wüste mit ihm teilt. Zwar hat Thomas den Kontakt zur Familie abgebrochen, dennoch ist sie dauernd in ihm präsent. Als er ernsthaft überlegt, die Verbindung zu seinem Vater wieder aufzunehmen, nachdem seine Frau mit einem anderen Freak durchgebrannt ist, erreicht ihn -Wochen nach Pauls Tod- die Trauerkarte aus Deutschland, die seine Mutter geschrieben hat. Sie bewegt ihn tief und dennoch - man hat beim Lesen das Gefühl, er weiß nicht, wie er damit umgehen soll. Er hat etwas verloren, aber er weiß nicht was. Es bleibt offen, wie sein Leben weitergeht. Wahrscheinlich bleibt er mit seinem Sohn in der Wüste, vielleicht fährt er auch weiter in der Welt herum, bis er für sich und seinen Sohn eine wichtige Frage beantworten kann.

Als Thomas und Sami die Trauerkarte aus Deutschland lesen, fragt ihn sein Sohn am Ende:
"Was heißt das: Er ist nach einem erfüllten Leben zu unserem Herrn heimgegangen ?"
Thomas lenkt ab, aber Sami besteht auf einer Antwort:
"Ich weiß es nicht."

Dieses Buch war meine erste Begegnung mit der Schriftstellerin Tanja Dückers. Sie hat mich voll überzeugt und mir Lust gemacht auf ihr letztes Buch "Himmelskörper", in dem auch die Geschichte einer Familie erzählt wird.

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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen Viel gewollt, aber wenig gekonnt, 4. April 2008
Von M. Schottmayer "Beini86" (Bremen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Diese Rezension stammt von: Der längste Tag des Jahres (Broschiert)
Hauptbemühung von Tanja Dückers ist mit ihrem neuesten Roman die Reaktion von fünf Geschwistern auf die Todesnachricht des Vaters darzustellen. Darüber soll der Leser jede Menge Hintergrundinformationen über das Familienleben der Kadereits und die, auf den ersten Blick, völlig verschiedenen Charaktere der Geschwister erfahren.
Doch genau hier liegt auch das größte Problem des Romans: denn der Versuch der Geschichte Abwechslung und Spannung durch die Andersartigkeit der Ge-schwister zu verleihen, ist leider gründlich nach hinten losgegangen. So wirken die Kapitel wie eine Aneinanderreihung von Portraits von Menschen, welche durch mangelnde Zuwendung Verhaltens- und Erlebensstörungen erlitten ha-ben, und sich nur durch Nuancen unterscheiden. Als ob dies nicht schon ans-trengend genug wäre, findet die Geschichte ihren Tiefpunkt in dem letzten und zugleich längsten Kapitel Die Wüste. Doch warum sticht dieses Kapitel so unangenehm hervor? Diese Frage ist schnell beantwortet, indem man auf den allgemeinen Erzählstil eingeht. Dückers hat es radikal vermieden, versteckte Botschaften oder sonstige Nachrichten zwischen die Zeilen zu schieben. So verkommt vor allem dieses letzte und längste Kapitel bezeichnender Weise zu einer Unterhaltungswüste welche von Aneinanderreihungen von Landschafts- und Ortsbeschreibungen dominiert wird. Die Aussage des Kapitels du kannst deiner Vergangenheit nicht entkommen, oder umso weiter du fliehst, desto näher kommst du deinem Ursprung, wird dem Leser hier so offensichtlich auferlegt, das ich mich Zeitweise ungläubig fragte, ob dies nicht sogar beab-sichtigt sei
Natürlich hat nicht jeder das Bedürfnis nach Tiefgang und intellektueller Forde-rung beim Lesen, so dass der hier geschilderte Lesefrust des einen zum genuss-vollen literarischen Zwischenmal des Anderen wird.
Doch merkt man diesem Kapitel auch an, dass Dückers eine Recherchereise in den Südwesten der USA unternahm, so präzise sind die Schilderungen der örtli-chen Begebenheiten und Impressionen. Es fördert eine gewisse Melancholie zu Tage, dieses Wissen an eine Umsetzung wie diese verschwendet zu sehen. Denke ich nur eine Minute an mögliche, alternative Verarbeitungsmöglichkei-ten, kommen mir spannende Roadstorys oder mysteriöse Verschwörungs-thriller in den Sinn.
Wirklich ärgerlich stimmt mich allerdings folgender Umstand:
Nach dem ich das Zitat auf der Rückseite des Buches aus der FAZ las, welches Ein rabenschwarzes Bild vom Versuch nachwachsender Generationen, der psychischen Narbe des Zweiten Weltkriegs zu entkommen, versprach, war ich zunächst sehr gespannt auf das, was da kommen möge. Doch das Resümee nach dem Beenden des Buches ist auch hier mehr als ernüchternd. Bis auf ein paar Äußerungen bezüglich des Großvaters der Geschwister, welcher im Afrika-Feldzug des Zweiten Weltkrieges starb, und zwei oder drei seichten, jedoch, oh Wunder, krass offensichtlichen Bezügen auf die Gegenwart, ist hier nichts von dem propagierten Inhalt zu finden. Somit bleibt mir nichts anderes übrig als an dieser Stelle vor einer dreisten Fehlinformation zu warnen, die so manchem potentiellen Käufer auf eine falsche Fährte bringen dürfte. Zwar ist dieses nicht von Tanja Dückers verschuldet, jedoch denke ich, dass diese dubiose Art von Kundenfang nicht zu einer starken Kundenidentifikation mit dem Aufbau Verlag führen dürfte.
Alles in allem reiht sich Der längste Tag des Jahres in eine schier endlose Zahl von belanglosen Werken mit einem vielversprechendem Konzept und einer unterirdischen Umsetzung ein. So kann mein Urteil hier leider nur lauten: Thema verfehlt, sechs setzen!
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Unter Geckos, 8. Juli 2006
5 Personen, Geschwister, haben sich auf verschiedene Weise in ihrem Leben mehr oder wengier eingerichtet. Die spießige Sylvia, die alternative Anna, der coole David, der nette Bennie und der experimentelle Thomas. Sie beäugen sich teilweise voller Misstrauen und Geringschätzung. Wird die Person der Leserin vorgestellt, macht zwar fast alles Sinn, was sie unternommen hat und ergibt ein geschlossenes Bild, an dem es Vieles zu bewundern gibt. Aber wenn man sich vorstellt, dass man - auch noch wegen Verwandtschaftsbeziehungen gezwungenermaßen - im täglichen Leben miteinander zu tun haben müsste, ist leicht nachvollziehbar, dass die Personen viele Aspekte der jeweils anderen für unakpebtabel halten. Dieses eigentlich aber doch unnötige gegenseitige Ablehnen, das als Missachtung erlebt wird, mit dem man eben umgehen muss, ist ein sich durchziehendes Thema von einiger Bedeutung.
Der Vater, der stirbt, vertritt die andere Welt, in der es noch keinen Individualismus und verschiedene Lebensentwürfe gab, sonderen Berechenbarkeit und Werte. Das Leben des Vaters war nicht fragmentiert wie teilweise das seiner Kinder, sondern es war wie ein langer ruhiger Fluß und hatte ein großes Thema, das den Vater auf obskure Weise zu einer Persönlichkeit gemacht hat, die Tierwelt, im Besonderen die der Wüste sowie Bienen. Einer der prinzipiellen Unterschiede zwischen den beiden Generationen ist, dass der Vater sich nicht dauernd die Frage stellen musste, was er tun soll, so wie es für die meisten seiner Kinder der Fall ist. Der Vater hatte die Aufgabe, seiner Leidenschaft nachzugehen und dabei den wirtschaftlichen Erfolg im Auge zu behalten. Als ihm das nicht mehr gelingt, liegt hierin für ihn ein fundamentales Scheitern, das sein Schicksal besiegeln wird.
Sylvia ist mit ihrem Leben am nächsten an dem des Vaters dran. Sie hat einen nicht näher spezifizierten regelmäßigen Beruf und betreibt erfolgreich eine Familie einschließlich heldenhaftem Ehemann. Anna hat nicht nur eine gelungene Familie, sondern betreibt auch noch erfolgreich eine psychotherapeutische Praxis gemeinsam mit ihrem Mann. Sie ist also durch ihre Berufswahl das Thema Depression, Scheitern in seiner Auswirkung, frontal angegangen, so wie sie auch keine Diskussion mit ihrem Mann, etwa über Kindererziehung, scheut. David ist eine klassische kreative Persönlichkeit und arbeitet in prekären Verhältnissen als Schauspieler. Im Darbieten auf einer Bühne und im Sex mit seiner Freundin findet er sein Glück. Bennie ist eine Berliner Persönlichkeit, er macht aus dem, was die unstete Erwerbsgesellschaft einem anbietet, das Beste, und sein Anliegen besteht darin, mitzubekommen und zu verstehen, was sich um ihn herum abspielt. Bei Thomas schließlich fällt einem auch der Ausdruck ein, mit dem David das Leben seines Vaters charakterisiert hat: "The German Weltflucht", wobei man das "German" streichen kann, da in der amerikanischen Wüste, in der er schließlich gelandet ist, auch viele Amerikaner und Asiaten ein Zuhause gefunden haben. Thomas ist der größte Grenzüberschreiter der Familie. Sein jenseitiges Leben enthält viele ästhetische Momente, vor allem amerikanische Land Art-Objekte. Aber in der Wüste stellt sich die unendliche Steigerung von Freiheit als Leere heraus.

Das Buch ist sehr lustig, weil es so pointiiert ist: " Als Sylvia Nana mal gefragt hatte, ob sie mit Jonas Scrabble spielen würde, hatte die sie nur angeguckt, als sei sie darum gebeten worden, Jonas zu adoptieren." (frei zitiert) Durch die Geschichte ziehen sich zudem wie selbstverständlich und ohne Wertung gegenwärtige Realitäten, wie die prekären Arbeitsverhältnisse von David, Thomas, Bennie und dessen Freundin Nana und wie die Aufeinanderfolge lauter langjähriger Lebenspartner bei mehreren der Geschwister. So ist es nun mal.
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