Man kann den Titel des Buches durchaus doppeldeutig verstehen. Zum einen ist das Buch mit 141 Seiten angenehm kurz (wird aber durch 47 Seiten Anhang bereichert). Andererseits: Wenn das Menschheits-Experiment Zivilisation scheitern sollte, dann war es das eben: Eine kurze Geschichte des Fortschritts.
Das Buch erinnert mich ein wenig an "Das Schicksal der Erde" von Jonathan Schell (1982). Damals ging es um die Gefahr und die Folgen eines Atomkriegs. Die letzten Zeilen benennen bereits das Thema von Ronald Wright: "Eines Tages - und vermutlich wird dieser Tag bald kommen - werden wir unsere Entscheidung treffen müssen. Entweder werden wir in eine Agonie versinken, aus der es keine Rettung mehr geben wird, und die Welt wird mit uns untergehen, oder aber wir werden erkennen, so hoffe und glaube ich, wie real Gefahr ist, in der wir schweben." Diese Geschichte ist spätestens seit 1989 in der Verlängerung: kein Atomkrieg - bisher.
Ronald Wright geht es um eine sich abzeichnende ökologische Katastrophe. Es stellt sich die Frage, ob diese Katastrophe ein systemimmanenter Fehler jeder Zivilsation ist. Das alte Rom, die Bewohner der Osterinseln und u.a. die Sumerer werden als Beispiele für das Scheitern der Zivilisation angeführt. Es fröstelt mitunter beim Lesen, wenn man erkennt, das ökologische Probleme vor Jahrhunderten schon bekannt waren. Die Menschen sind sogar sehenden Auges in die Katastrophe gelaufen.
Ich wünsche dem Buch, dass es seine Wirkung entfaltet. Die zahlreichen Quellen im Anhang geben genügend Quellen für engagierte Menschen an die Hand. Zivilisation sollte keine Kurzgeschichte sein!