Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
zwei spannende Abenteuer, 22. November 2006
Den Roman kann man nicht mehr zur Seite legen, so packend ist er geschrieben. Die Spannung kommt vor allem dadurch zustande, dass zwei Handlungsstränge recht gekonnt miteinander verbunden werden, so dass man regelrecht der Lösung am Ende entgegenfiebert, was auch durch die gut eingebauten Vorausdeutungen erreicht wird. Mitunter stößt man bei aller Spannung auch auf ein paar humorvolle Stellen, gerade bei der ersten Hamburger Episode. Die abenteuerlichen Unternehmungen der kretischen Partisanen sind vielleicht manchmal etwas zu ausufernd, die Naturbeschreibungen manchmal etwas zu bemüht-poetisch und die Liebespassagen manchmal etwas zu zuckrig und vielleicht hätte man noch eine mythologische Ebene einfügen können, wenn man schon mal auf Kreta ist. Aber das alles tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch, und dass man dabei auch noch geschichtliches Wissen und viel Mittelmeersonne abbekommt, rechtfertigt fünf Sterne.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Zeitgeschichte wunderbar erzählt, 10. Dezember 2005
Johann Martens hat Glück. Denn während seine Arbeitskollegen an der Ostfront sterben wird er Ende 1943 nach Kreta abkommandiert. Dort soll er Kunstwerke ausfindig machen und katalogisieren, Beutestücke für die Parteibonzen. Als Fahrer wird ihm der Grieche Andreas zur Seite gestellt. Mit dem Seitenwagen-Motorrad geht es quer über die Insel. Johann und Andreas, der vom Alter sein Vater sein könnte, freunden sich an. Er ist überwältig von der Gastfreundschaft der Insulaner, und bei einem Familienfest verguckt er sich zudem noch in Eleni, Andreas Tochter. Johann, der vor kurzem seine Eltern und Frau bei einem Bombenangriff verloren hat, erfährt Zuneigung mitten im Krieg. Das Inselidyll ist jedoch getrübt. Die deutschen Besatzer führen ein hartes Regime, starten immer wieder Strafaktionen gegen Dörfer, erschiessen jeden der verdächtig ist, mit den Andarten, Freiheitskämpfern, zu kooperieren. Als Johann mitbekommt, dass Oberstleutnant Hollbachs Truppen Andreas Heimatdorf ausheben wollen, weil sie dort eine Versammlung der Partisanen vermuten, trifft er eine folgenschwere Entscheidung.30 Jahre später. Lukas Hollbach schlendert über einen Flohmarkt und stößt per Zufall auf zwei alte Schwarzweissfotos. Ein Foto zeigt einen Mann in Landestracht vor der Taverne an einem Hafen. Auf der Rückseite des Bildes steht auf Griechisch eine kryptisch anmutende Nachricht. Lukas Neugier ist geweckt, denn er erinnert sich wieder an seine Kindheit, wo er eines Tages seinen Vater, der angeblich seine gesamte Wehrmachtszeit auf einem ruhigen Verwaltungsposten in Athen verbracht hat, im Garten genau diese Art von Fotos verbrennen gesehen hat. Er zeigt ihm die Fotos, und stößt nur gegen eine Mauer des barrschen Schweigens. Also macht er sich auf Spurensuche nach Kreta und was er dort erlebt, ist mit der Vergangenheit verknüpft und wird sein Leben für immer verändern. Der Roman hat mich schnell in seinen Bann gezogen. Die spannende Handlung trieb über die Seiten, das Hoffen und Bangen mit dem Hauptprotagonisten hielt mich in Atem. Modick erzählt mit Leichtigkeit schwere deutsche Zeitgeschichte entlang einer belasteten Vater-Sohn- Beziehung und regt den Leser zum zeitlosen Nachdenken über Zivilcourage unter persönlicher Bedrohung und Vergangenheits- bewältigung an. Unbedingt lesen. Sollte auch in keinem Koffer eines Kretaurlaubers fehlen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Für Kretafans ein muss ??, 28. August 2003
Ausgebrannte Dörfer, Partisanenkämpfe, bewaffneter Widerstand gegen Besatzer, Versorgungsknappheit, eingeschleuste Agenten - diese Szenerie spielt nicht etwa in Afghanistan oder dem Irak. Sie ist aus dem neuen Roman des norddeutschen Autors Klaus Modick «Der kretische Gast», der während der deutschen Besetzung Kretas im Zweiten Weltkrieg spielt. Modick hat sich damit ein weniger bekanntes Kapitel der Kriegsjahre ausgesucht. Die grausamen Ereignisse auf der griechischen Insel zwischen 1940 und 1945, die heute eine Touristenhochburg ist, kennen nur wenige.Auch beschreibt er die Flucht über die Weissen Berge durch die Imbrosschlucht bis Frangokastello so eindrucksvoll, als sein man sie gerade selbst gegangen. Doch viele Passagen in dem Roman könnten auch aus Krisengebieten der heutigen Zeit stammen. «Xenos», das griechische Wort für Modicks Titel «Gast», kann auch mit «Fremder» übersetzt werden. Um diese Doppeldeutigkeit rankt sich das Geschehen des Romans. Modick erzählt das Schicksal des Kunsthistorikers Johann Martens, der vom Naziregime 1943 nach Kreta geschickt wird, um dort Kunstgegenstände zu suchen, die sich als Raubgut für Hitlers germanisches Museum eignen. Mit seinem kretischen Führer verbindet ihn jedoch bald mehr als ein sachliches Verhältnis. Es gibt kein Schwarz oder Weiß mehr, nur noch Grautöne. Man hat keine Heimat mehr. Man weiß nicht, wessen Freund man ist. Man weiß auch nicht mehr, wessen Feind man ist. Ich weiß nicht einmal mehr genau, wer ich überhaupt bin. Raffiniert hat Modick jedoch einen zweiten Erzählstrang in seinen Roman eingeflochten: Dieser beschreibt, wie der Sohn von Johanns Auftraggeber Hollbach per Zufall auf das dunkle Kapitel in der Vergangenheit seines Vater stößt und sich auf eine Reise in dessen Vergangenheit begibt. Zunächst planlos reist er 1975 nach Kreta und findet schließlich immer mehr erschütternde Details heraus. Vielleicht ist es ein wenig zu kitschig konstruiert, dass sich Hollbachs Sohn ausgerechnet in Johanns Tochter verliebt. Gewohnt einfühlsam und bildhaft, fast im Stil eines Polit-Krimis, beschreibt der 1951 in Oldenburg geborene Schriftsteller («September Song») die Sinnlosigkeit des Krieges. Die nationalen Interessen der Kriegsparteien verbünden sich unheilvoll mit übersteigerten und zum Teil naiven Erwartungen der Partisanenkämpfer. Und in all diesen Wirren versuchen die Beteiligten auch noch ihr persönliches Glück zu retten. Dem Leser erscheinen alle diese Szenen beklemmend aktuell.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|