Es ist schon überraschend, wenn nach gut 90 Jahren das Werk eines zur damaligen Zeit in ganz Deutschland berühmten, inzwischen weitgehend in Vergessenheit geratenen Autors neu aufgelegt wird. "Der krasse Fuchs" - der Roman, mit dem Bloem seine Karriere als Romanschriftsteller begann und in dem er seine eigenen Jugenderinnerungen mit einbrachte. Die Geschichte erzählt von einem Neuling im studentischen Leben und einer schlagenden Verbindung: ein krasser Fuchs eben. Die Probleme, das Neue, das ganz Andere nach all den Jahren gut behütenden Gymnasiastentums, mit sich der "Jüngling" herumschlagen muss - all das schildert Bloem auf gekonnte Art und Weise. Interessant für uns Heutige ist, dass die Geschichte Ende des 19. Jh spielt und wir somit einen intimen Einblick in das kleinbürgerlich-studentische Leben des Städtchens Marburg gewährt bekommen. Auch nach einem Jahrhundert ist zu erkennen, wie gern Bloem Burschenschaftler war (was er auch in anderen Studentica-Romanen, z.B. "Komödiantinnen" , "Das jüngste Gericht" und "Brüderlichkeit" zeigte).
Ob sich heute eine breite Leserschaft für Bloem noch begeistern kann, darf bezweifelt werden. Der Autor hat in den ersten Jahrzehnten des 20. Jh Millionenauflagen erlebt, jetzt ist seine Zeit vorbei. Ein kleines Juwel wie "Der krasse Fuchs" jedoch - das ist schon eine Neuauflage wert.