Schade. Einige gute Komponenten machen mal wieder keinen guten Film aus. Das Problem ist, dass der Film zu 'deutsch' ist. Am Ende wird sich einfach nicht genug getraut auch einmal richtiges Genrekino zu machen. So versumpft der Film als schnöde Fernsehunterhaltung mit starken Stellen.
'Klimawandel, Terrorismus, Finanzkrise, Wasser- und Ölknappheit: Unsere Wohlstandsgesellschaft wird von allen Seiten bedroht. Was passiert, wenn das System plötzlich zusammenbricht? Mit der Geschichte zweier Schwestern und ihrer unterschiedlichen Lebenswege geht der mehrfache Grimme-Preisträger Lars Kraume dieser Frage in einem außergewöhnlichen Zukunftsdrama nach.
Während die impulsive Cecillia (Johanna Wokalek) tiefer und tiefer in die Terrorszene rund um ihren Freund Konstantin (August Diehl) abtaucht, hält Laura (Bernadette Heerwagen) immer noch an ihren Vorstellungen einer heilen Welt fest, selbst als ihre große Liebe Hans (Daniel Brühl) seine eigenen Konsequenzen zieht und der Zivilisation endgültig den Rücken kehrt.
Die kommenden Tage ' ein bewegendes Liebesdrama und eine aufrührerische Zukunftsvision.'
Okay, ich war faul, das steht auf der Blu-Ray-Hülle (Inhaltsangaben schreibe ich aber auch ungern, das langweilt mich irgendwie' :. ). Wir beachten den letzten Satz: Zuerst wird vom Liebesdrama gesprochen, erst dann von der Zukunftsvision. Da ist bei einem deutschen Film leider schon wieder alles gesagt (Klischee, ich weiß, aber es ist nun mal so').
Hier ist also das Hauptmanko des Filmes:
Die Zukunftsvision dient nur als Rahmenhandlung um eine völlig doofe Liebesdreiecks(vierecks)geschichte aufzuziehen ' okay, schlimm oder schlecht ist die Liebesgeschichte nicht, doch mich nervt es ja immer schon, wenn in jedem Film eine Lovestory mit drin sein muss (als würden sich die Menschen jeden Tag neu verlieben, Pfui!).
Zwar transportiert der Verlauf der Liebeseskapaden ein Stück Moral (das Ende finde ich so gesehen gut, weil kein Happy-End), aber was soll das? Ich wollte die ganze Zeit etwas über diese nahe Zukunft wissen, und nicht, wer sich in wen verliebt und wer mit wem und warum oder auch nicht ein Kind hat.
Denn die Science-Fiction-Komponente ist recht sehenswert.
Es ist die nahe Zukunft und es werden ein paar politische wie gesellschaftliche Fäden aufgenommen, die zur Zeit in der Luft liegen ' eben Ölknappheit, Wirtschaftsrebellionen der Jüngeren, Krieg, Lebensmittelengpässe, doch entweder werden die Linien nicht richtig verfolgt oder nur angedeutet.
So gibt es da also eine Terrorismusgruppe, die sich aus dem Harmlosen heraus radikalisiert, doch was macht die eigentlich genau? Wer ist da dabei? Was passiert da? Darüber erfährt man nur Bruchstücke, ein paar Worte, schlaue Blicke, doch am Ende ist das nur ein RAF-Abklatsch. Nicht, dass es an intelligenten, provokanten Ideen in der Beziehung fehlen würde (selbst einen der eigenen Demonstranten zu erschießen, dann der Polizei die Geschichte in die Schuhe schieben, um somit die die Bewegung zu radikalisieren ' das hat was), doch auf kurz oder lang wird wieder die Gefühlsschiene im Beziehungsstress gefahren und jegliche Spannung weggeweint ' man wollte wohl nicht zu radikal auftreten, sonst könnte man dem Film falschen Pathos unterstellen; irgendwie so kam es mir vor.
Dabei ist der Film kein 'linker' Film, auch wenn er mit alternativen Lebensstilen spielt oder davon erzählt. Er beschreibt den Verfall einer konservativen Gesellschaft und da wird es meiner Meinung nach immer ein wenig 'links' ' ein wirkliches Urteil erlaubt sich das Drehbuch, egal welches Konzept gerade scheitert, nicht.
Wie gesagt: Kleine Ideen gibt es allerhand. Von der bewegten Werbung an Taxis bis hin zum Sicherheitspersonal im Supermarkt, welches die Kunden gegen Überfalle schützt, wenn sie ihre Lebensmittel zum Auto tragen (weil Lebensmittelknappheit), aber insgesamt reicht das nicht. Es muss ja nicht gleich 'Children of men'like sein, der in spektakulären Bildern von einer Gesellschaft am Abgrund erzählt, doch gerade hier kam Atmosphäre auf (ich denke mehr an den Anfang von 'Children of men', wo noch keine teure Hollywoodaction abgefackelt wurde) ' so etwas hätte man sich auch hier leisten können.
Inszenatorisch ist der Film gut gemacht, wenn auch zu ruhig insgesamt. Wenn es um den Untergang geht (nein, nicht Hitler), dann müssen auch gewisse Bilder transportiert werden ' doch vlt waren hier auch meine Erwartungen falsch, denn wenn diese Gesellschaft einmal fallen würde, dann würde sie es auch langsam tun. Wie eine Kerze, die nach und nach abbrennt und erlischt' Hm'
August Diehl sollte nicht erst seit 'Inglourious Basterds' hierzulande als überragender Schauspieler bekannt sein, und seine Szenen sind jene, die den Film aus dem Vielerlei der Fernsehproduktionen hervorhebt (Achtung: Es ist eigentlich ein Kinofilm'). Mal linkisch, mal idealistisch, dann doch durchtrieben - jedoch immer charmant und charismatisch.
Paroli bieten kann ihm eigentlich nur Bernadette Heerwagen, die die Hauptrolle des Filmes besetzt. Sie bringt ihre Rolle sehr emotional herüber, mit einer gewissen Echtigkeit ' so eine wie sei (eben weil sie keine Schönheit ist) kennt man fast aus seinem Umfeld, das macht ihre Rolle so glaubhaft.
Johanna Wokalek spielt für mein Gefühl in jedem neuen deutschen Film mit, und macht nie wirklich eine schlechte Figur (aber ist euch einmal aufgefallen, dass Frauenrollen meistens nur dann wirklich gut gespielt sind, wenn sie verrückt oder hysterisch werden? Jetzt dürft ihr mich Sexist nennen, das ändert an meinem Urteil jedoch nichts'), doch gerade weil sie erst im 'Baader-Meinhof-Komplex' war, erinnert der Film noch mehr an eine Zukunftsversion von etwas bereits Gezeigtem.
Zuletzt: Daniel Brühl. Ich mochte den Daniel, früher. 'Das weiße Rauschen' oder 'die fetten Jahre sind vorbei' sind deutsche Großwerke, doch umso öfter ich den August sehe, desto mehr habe ich das Gefühl, dass er ein Hollywoodproblem besitzt. Jenes, das auch Keanu Reeves hat: Egal welche Rolle Keanu Reeves spielt, er ist halt immer Keanu Reeves. Natürlich. Kein Schauspieler kann aus seiner Haut, doch Manchen kauft man es einfach ab eine andere Persönlichkeit vorzutäuschen, während Andere auf eine gewisse Art immer sich selbst spielen. Ganz trifft das auf den lieben Daniel zwar noch nicht zu, doch solche Rollen wie hier helfen ihm auf Dauer nicht bei seiner Karriere.
So.
Mag ich den Film?
Ja. Irgendwie schon, doch insgesamt fehlt mir einfach zu viel an Atmosphäre. Das Problem ist, dass die Idee im Prinzip sehr gut ist und mich anspricht, doch die Umsetzung kann nicht mit dem Mithalten, was der Trailer in meinem Kopfkino auslöst (vielen Dank übrigens noch mal an die Trailer-Abteilung, dass ihr in dem auch noch gespoilert habt ' so war von Anfang an klar, wohin die Reise geht wenn sie am Anfang' Der Film muss ja immer mit einer Schlussszene des Filmes anfangen' Damit könnte man langsam auch mal aufhören' Also wenn sie am Anfang mit dem Kind rumläuft). Bedeutet: Der Film erfüllt die Erwartungen nicht und ich glaube, dass das nicht nur mir so geht. 130 Minuten ist auch etwas lang dafür, dass es davon 80 Minuten um Liebe und Beziehung geht, aber, ich werde ihn mir bestimmt noch einmal ansehen