Ich war als Kind ein großer Fan dieses Buches. Freud entsprechend (nicht ganz), habe auch ich eine Pipi-Kacka-Phase durchlebt. Als großer Tierfreund fand ich es toll, so viel verschiedene "Ah-ah" und so viele Tiere in einem Buch zu treffen. Die Zeichnungen sind einfach, aber liebevoll und plastisch. Dank dem Buch kann ich sogar heute noch anhand der Hinterlassenschaften das zugehörige Tier identifizieren.
Das Buch mag etwas niveaulos sein. Aber erstens ist es für eine Zielgruppe, die sich noch nicht mit Niveau befasst (was IST eigentlich Niveau?), zweitens ist das Buch nicht schädlich. Es bringt die Kleinen zum Lachen, die Großen sind schnell fertig mit Vorlesen - win/win, oder?
Ich empfehle das Buch. Es ist lustig, einfach, ein bisschen Bio-Unterricht und mal "was anderes".
Die vielen 1-Stern-Rezensionen kann ich nicht nachvollziehen. Es wird bemängelt, dass:
-Kindern über Seiten hinweg Fäkalien gezeigt werden
-Der Maulwurf Selbstjustiz verherrlicht
-Kein Miteinander/Dialog/Piep-piep-piep-wir-haben-uns-alle-lieb stattfindet
-Keine wertvolle Lektion in Moral mitgegeben wird.
Aber warum sollte dieses Buch sich verpflichtet fühlen, obige Punkte zu berücksichtigen? Warum sollte man ein Kinderbuch zu Moral-Lektionen verpflichten? Können Eltern selbst keine weiterreichen? Hat ein Bilderbuch mehr Einfluss, als Eltern? Traurig!
Fäkalien: Kinder in dem Alter und Pipi-Kacka? Ein Liebespaar! Um so besser finde ich dieses Buch geeignet, ihnen zu zeigen, wie welches Tier "macht". Warum nicht? Kann es den Kindern schaden, soetwas zu wissen? Es ist kein Schimpfwörterglossar, sondern eine Art Bio-Unterricht. Produktiver als 4 fette Trolle, die "Dinkiwinki dipsy lala poo" sagen und winken, ist dieses Buch allmal.
Warum sollten Figuren in Kinderbüchern immer wie ein Schwamm durch die Geschichte glitschen und unterwegs Freunde aufsaugen? Kann ein Protagonist nicht auch mal ein Eigenbrötler und in eigener Sache unterwegs sein? Auch ohne Ringelreihen kann das Leben schön sein!
Selbstjustiz - den Vorwurf der Verherrlichung selbiger finde ich ziemlich unnötig. Ich denke mal, keiner wird dieses Buch als alleinige Weisheit für seine Kinder anschaffen und wenn der Maulwurf hier "zurückscheißt", wird es im Leben Ihres Kindes noch genügend Gelegenheiten geben, ihm zu verdeutlichen, dass man bei kleineren Sachen ruhig Gleiches mit Gleichem vergelten darf, deswegen aber noch lange keinen Mord mit Mord etc. Wie kann von einem einzigen Buch erwartet werden, eine absolute Lektion darzustellen?
Dieses Buch ist eines von vielen im Bücherregal, vertritt eine von vielen Schlussfolgerungen, die man seinen Kindern zeigen kann. Wer in diesem einen Buch wegen ein paar Kötteln eine Gefahr für die seelische/intellektuelle Entwicklung seines Kindes sieht, muss sich überlegen, ob das vielleicht daran liegt, dass man dem Kind nichts anderes zu bieten hat - und das wäre dann nicht die Schuld des Buches.