Frische strömt einem entgegen, wenn man die kräftig-bunten Bilder von Dagmar Geisler betrachtet. Nuancenreich und detailverliebt greift sie zu ihren Pastellkreiden, führt schwungvolle Linien in die Bilder und vermag auch bei der Gestik und Mimik der dargestellten Figuren, den Reichtum menschlicher Bewegungen und Haltungen zu vermitteln: Einfach wunderbar!
Die Geschichte selber ist gut strukturiert unnd lebt von dem Erstaunen des nicht näher beschriebenen "Ich-Kindes". Immer wieder nimmt dieses Kind Bereiche der Welt wahr - wie z.B. ein Blumenfeld, einen See oder einen Spielplatz - und glaubt, dass diese "Weltausschnitte" allesamt von Herrn Wunder, einem aus einer anderen Zeit anmutenden Mann hergestellt worden seien.
Der kleine Herr Wunder aber, dieser leider zu grau dargestellte Mann, hat aber nur Details gemacht, wie das Vogelhaus auf der Blumenwiese oder die Sandburg auf dem Spielplatz. Das Gesamte "kommt woanders her", betont Herr Wunder immer wieder, ohne dies schließlich aufzulösen.
Das Einzige, was klar wird, ist die Großartigkeit der Welt und dass ein Mensch alleine nur seinen - wenn auch bescheidenen Beitrag - leisten kann, um die Welt ein wenier wunderbar zu machen.
Die Erlebnisse mit Herrn Wunder beeindrucken schließlich das kleine Kind so stark, dass es selber einen kleinen Beitrag zum Verschönern der Welt leistet.
Besonders kritische Stimmen werden das Verhältnis zwischen dem kleinen Kind und dem verniedlichten kleinen Herr Wunder mit misstrauischer Skepsis beargwöhnen. Denn das Outfit des Mannes und das unbekümmerte Mitgehen des Kindes auf einem Spaziergang mit Herrn Wunder trägt nicht unbedingt zu einer gereiften kritisch-distanzierten Beziehung bei, welche den nötigen Abstand zueinander bewahrt.
Wer das Buch in diesem Sinne gut beim Vorlesen begleitet und erklärt, wird sowohl sich, als auch dem Kind große Freude machen; wenn man auch bereit ist, ungewöhnliche Fragen beantworten zu wollen.