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Das kleine Buch der Lebenslust
 
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Das kleine Buch der Lebenslust [Kindle Edition]

Anselm Grün
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Lust am Leben - das ist die Kunst, mit allen Sinnen zu leben. Ganz im Augenblick sein. Die Fülle des Lebens wahrnehmen. Sich nicht umtreiben lassen vom Habenwollen und Nutzendenken. Ein Buch über die Kunst, glücklich zu sein.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Pater Anselm Grün, geb. 1945, Dr. der Theologie, trat 1964 in den Benediktinerorden ein. Seit 25 Jahren ist er erfolgreicher "Manager" der Abtei Münsterschwarzach. Neben seiner Tätigkeit als Theologe und Cellerar wirkt er als geistlicher Berater und Kursleiter. Er ist einer der meistgelesenen spirituellen Autoren unserer Zeit.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Unmöglich anderswo
"Es ist nicht einfach, das Glück in uns selbst zu finden. Und es ist unmöglich, es anderswo zu finden." Das eigene Herz, sagt Agnes Repplier, ist der einzige Ort, an dem wir das Glück zu finden vermögen. Wir können noch so weit fahren, um das Glück zu suchen. In der Fremde werden wir es nicht finden. Wir werden es nicht bei anderen Menschen finden, nicht im Beruf, nicht im Erfolg, nicht im Reichtum. Es ist nur in uns. Doch obwohl es dort verborgen ist, lässt es sich nicht so leicht finden. Es braucht ein feines Gespür, um es wahrzunehmen. Wir brauchen die Stille, um in Berührung zu kommen mit dem Glück, das auf dem Grund unseres Herzens in uns ruht. Wenn wir immer nur in Bewegung sind, werden wir es in uns nicht spüren. Es ist wie ein See. Nur wenn er ganz ruhig ist, spiegelt sich in ihm die Schönheit der Welt. Nur wenn wir stille stehen spiegelt sich in uns die Herrlichkeit, die uns umgibt. Dann spüren wir die Freude, die in uns liegt.
Wer hat Lust am Leben?
"Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben und gute Tage zu sehen wünscht? Wenn du das hörst und antwortest: 'Ich', dann sagt Gott zu dir: Willst du wahres und unvergängliches Leben, bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor falscher Rede! Meide das Böse und tu das Gute; suche Frieden und jage ihm nach." Dieser Satz steht ganz am Anfang der Regel des Heiligen Benedikt ( Prolog 15-17). 25 Jahre lang habe ich in der Abtei Münsterschwarzach die Jugendarbeit geleitet. Unser Motto für die Jugendarbeit war dieses Wort Benedikt im Prolog seiner Regel, in der er junge Männer mit der Frage ins Kloster einlädt: "Wer hat Lust am Leben?" Unser Ziel war, die jungen Menschen Lust am Leben zu lehren. Doch Lust am Leben ist etwas anderes als das, was die Spaßgesellschaft möchte. Es ist etwas anderes als oberflächlicher Fun. Es ist die Kunst, ganz im Augenblick zu leben, mit allen Sinnen zu leben, das wahrzunehmen, was gerade ist. Die Kunst, präsent zu sein, verlangt einmal Achtsamkeit, zum anderen Loslassen der vielen inneren Stimmen, die ständig etwas von mir wollen oder mich hierhin und dorthin treiben. Ich kann mich nur auf den Augenblick einlassen, wenn ich alles Haben wollen loslasse, wenn ich mich selbst vergessen kann. Loslassen muss ich vor allem die ständige Frage: Was bringt es mir? Was fühle ich dabei? Nur wer sich selbst vergisst, vermag das reine Dasein zu schmecken und die Lust daran zu empfinden.
Nicht zum Vergnügen
"Der Mensch ist nicht zum Vergnügen geboren, sondern zur Freude," sagt Paul Claudel. Schon die Sprache zeigt es: Das deutsche Wort Vergnügen kommt aus der Geschäfts- und Rechtssprache und meint ursprünglich die Bezahlung und die Zufriedenstellung. Der Mensch ist nicht dazu geboren, zufrieden gestellt zu werden, genug zu haben, in seinen Ansprüchen befriedigt zu werden. Ein solches Menschenbild erzeugt in uns Kälte. Der Mensch ist zur Freude geboren. Freude kommt von "froh" und hat zu tun mit: "hurtig, erregt, bewegt". Es kommt von hüpfen. Wer sich freut, der hüpft innerlich auf. So hat es Lukas in der wunderbaren Begegnung zwischen Maria und Elisabeth beschrieben: Das Kind in Elisabeth hüpft vor Freude in ihrem Leib auf. Das althochdeutsche Wort für Freude "frewida, frouwida" ist verwandt mit dem schwedischen "fröjd", das Lebhaftigkeit, Lebenslust bedeutet. Die Freude steht der Lust näher als das Vergnügen. Das Vergnügen ist nur eine Befriedigung meiner Wünsche, die Freude dagegen macht lebendig. Sie macht mich hüpfen. Sie erfüllt mich mit Lust.
Entzücken der Augen
"Es ist so eine Ironie, solch ein Widerspruch, dass wir ständig nach Höhepunkten des Erlebens suchen, wenn die Höhepunkte doch in all den Dingen um uns vorhanden sind, die unser Auge entzücken." Das hat die Dichterin Anais Nin schon vor der Erfindung der so genannten Spaßgesellschaft geschrieben. Die Suche nach außerordentlichen Ereignissen versucht heute eine ganze Vergnügungsindustrie zu befriedigen. Sie hätte nicht so großen Erfolg, wenn die Sehnsucht danach nicht so tief in der menschlichen Seele verankert wäre. Aber was ist ein Höhepunkt?
Der Psychologe Abraham Maslow spricht von "Gipfelerfahrungen". Solche Erfahrungen aber kann man nicht machen oder künstlich inszenieren. Sie geschehen, wenn wir ganz im Augenblick sind. Dann kann ein Sonnenaufgang eine solche Gipfelerfahrung sein. Oder die Geburt eines Kindes. Oder das Schauen in eine herrliche Bergwelt.
Die Höhepunkte sind schon in den Dingen vorhanden. Wir brauchen nur offene Augen, um sie wahrzunehmen.
Warum der Vogel singt
Es gibt ein chinesisches Sprichwort, das heißt: "Ein Vogel singt nicht, weil er die Antwort weiß - er singt, weil er ein Lied hat." Eine wunderschöne Weisheit ist hier ausgedrückt. Der Vogel singt, weil er in sich ein Lied hat, das nach außen drängt. Nicht, um irgendjemandem eine Antwort zu geben. Nicht, weil er die Antwort auf die großen Fragen der Zeit hat. Er singt, weil er Lust am Singen hat.
Es gibt Dichter, die mit ihren Gedichten eine Antwort auf die tiefsten Fragen der menschlichen Seele zu geben suchen. Doch andere Dichter schreiben aus lauter Freude an der Sprache. Sie spielen mit der Sprache. Sie drücken das innere Lied aus, das in ihnen erklingt, ohne sich den Kopf zu zerbrechen, ob ihre Worte irgendeinem Menschen eine Antwort auf seine Fragen geben. "Antwort" heißt eigentlich: Worte sagen, angesichts eines anderen, gegenüber einem anderen. Antwort ist Gegenrede. In der Antwort sind wir immer auf einen anderen bezogen. Wir sagen dem anderen etwas. Oft genug stehen wir unter Druck, wenn wir dem anderen etwas sagen wollen. Wir möchten ihm das Richtige sagen, etwas, das vor ihm bestehen kann.
Der Vogel, der singt, ist frei von solchem Druck. Er denkt nicht an die anderen, denen er vorsingt, und er singt nicht deshalb, weil er gut singen möchte. Er singt, weil das Lied in ihm ist und nach außen drängt. Das Singen ist Ausdruck seiner inneren Freude. Und gerade weil sein Singen so zweckfrei ist, macht es uns Freude. Absichtsloses Singen spiegelt die innere Freiheit und Lust am Leben wider. Wenn wir hinter etwas zuviel Absicht spüren, stört es uns. Das Sprichwort sagt: "Man spürt die Absicht und ist verstimmt." Der Vogel hat keine Absichten mit seinem Singen. Er singt, weil er ein Lied hat. Aus purer Lebenslust.
Und wenn sich alles dreht ...
Oft haben wir das Gefühl: Alles dreht sich immer schneller. Der Mystiker Angelus Silesius weist uns darauf hin, dass wir selber es sind, die entscheiden, wie wir mit der Hetze umgehen:
"Nichts ist, das sich bewegt,
du selber bist das Rad,
das aus sich selber lauft
und keine Ruhe hat."
Natürlich ist unsere Zeit schneller geworden. Aber ob ich mich dieser schnellen Zeit anpasse oder nicht, ist meine Entscheidung. Ob es in mir schnell wird, das liegt an meinem Rad. Ich kann anschauen, wie alles an mir vorüberzieht. Dann berührt mich die äußere Schnelligkeit nicht. Ich bleibe der Beobachter. Oder aber ich ziehe mich bei allem äußeren Trubel auf mich selbst zurück. Auch wenn um mich herum Hektik und Unruhe herrschen: Wenn ich in meiner Mitte bin, dann nehme ich die Hetze wahr, ohne mich davon anstecken zu lassen. Natürlich kenne ich die Gefahr, einfach mitzumachen im Karussell, das sich um mich dreht. Aber es ist dann meine Entscheidung. Und ich darf die innere Hetze nicht den anderen anlasten.
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