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Die kindliche Gesellschaft. Über die Weigerung, erwachsen zu werden.
 
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Die kindliche Gesellschaft. Über die Weigerung, erwachsen zu werden. [Broschiert]

Robert Bly
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Produktinformation

  • Broschiert: 383 Seiten
  • Verlag: Droemer Knaur (1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 342677397X
  • ISBN-13: 978-3426773970
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 549.214 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Für Robert Bly ist unsere heutige Gesellschaft geprägt von der Weigerung des einzelnen, erwachsen zu werden. Politisches Bewußtsein, soziales Engagement, die Auseinandersetzung mit den eigenen kulturellen Wurzeln werden mehr und mehr zugunsten von schnellem Erfolg, Geld, Spaß, Entertainment aufgegeben. Wie schon in seinem Bestseller "Eisenhans" benutzt der Autor Gedichte und Märchen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, um dieses beunruhigende Phänomen zu analysieren, und anhand der Texte auf mögliche Lösungen hinzuweisen.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Broschiert
Das Buch enthält einige interessante Ansätze - auch wenn ich manche Ausführungen nicht ganz nachvollziehen kann. Doch was der Autor zum Thema "Kinder und Fernsehen" schreibt, finde ich sehr interessant. Daher halte ich das Buch für lesenswert.

Robert Bly kritisiert die amerikanische Gesellschaft, die Vernachlässigung von Kindern, die mangelnde Kommunikation zwischen Eltern und Kind, die Vaterlosigkeit in den Familien; - (Fünfzig Prozent der in den USA inhaftierten Männer sind vaterlos.) Er beklagt, dass die Unterhaltungsindustrie zunehmend die Stelle der Eltern einnehme.

Das Spielen draußen in der Natur ist durch Fernsehen und Computer ersetzt worden. 1995 verbrachten die amerikanischen Kinder etwa ein Drittel ihrer wachen Zeit vor dem Bildschirm. Grundschullehrer berichten, sie müssten Zweitklässler geradezu zwingen, nach draußen zu gehen. Doch das Naturerleben ist für die Entwicklung des Gehirns von äußester Wichtigkeit. Ein Kind, das ab dem zweiten Lebensjahr täglich drei bis vier Stunden fernsieht, verliert tausende Stunden Spielzeit. Im Kleinkindalter ist das Gehirn ganz begierig auf sprachliche Anregungen, und den kleinen Kindern macht die Sprache richtiggehend Spaß; doch die Spannbreite des Vokabulars, das im Fernsehen gesprochen wird, schrumpft unaufhörlich zusammen. Sprachmangel kann das Gehirn ebenso schädigen wie Vitaminmangel den Körper.

Das Fernsehen liefert uns die Bilder direkt ins Mittelhirn. Es ist die "Anstrengung" nicht mehr nötig, Bilder durch Vorstellungskraft entstehen zu lassen. Das hat gravierende Folgen, vor allem bei Fernsehen im Kleinkindesalter. Denn in diesem Alter lernt das Kind normalerweise, Bilder von innen zu erschaffen. Wenn diese Bilder nun nicht entstehen, da das Fernsehen schon fertige Bilder liefert, bedeutet dies, dass das Kind keine eigene Vorstellungskraft entwickelt.

Der Autor kritisiert auch - speziell bei Kindersendungen - die Missachtung der natürlichen Langsamkeit. Es wird versucht, durch ständige aprupte Sprünge in neue Szenen die Aufmerksamkeit zu erhalten. (***Was mir als Leser dieses Buches in diesem Zusammenhang aufgefallen ist: die alten Zeichentrickserien aus dem frühen Anfang der 1980er Jahre, wie "Nils Holgerson", "Pinoccio" haben noch die notwendige Langsamkeit; die "neuen" ("Pokemon", etc.) unterliegen der kritisierten Schnelligkeit.) ****. Geht die Handlung dem Kind zu schnell, dann blendet es gerade dann den Sinn aus, wenn es die Unterhaltung einschaltet. Das bleibt nicht ohne Folgen für das weitere Fernseh- und Leseverhalten.

Der Autor meint, dass wir schleichend unsere Fähigkeit, zur Reife zu gelangen, verlieren. Die Dauer von Adoleszenz und Kindheit ist in den vergangenen Jahren immer länger geworden. Fotos von amerikanischen Einwanderern, die vor 100 Jahren gelebt haben, zeigen physiognomische Merkmale, die unmissverständlich sagen:" Wir sind Erwachsene". "Wer heute in einer beliebigen europäischen Stadt spazierengeht, dem werden amerikanische Gesichter durch ihren jugendlichen und naiven Ausdruck auffallen." heisst es auf S 72. ***Das kann ich bestätigen, das ist mir selbst auch schon aufgefallen****

Weiters beklagt der Autor u.a., dass die Menschen zunehmend die Fähigkeit verlieren, Symbole, wie sie. z.B. in Märchen vorkommen, zu verstehen.

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Broschiert
Es ist schon eine Weile her, dass ich dieses Buch gelesen habe. Die Lektüre hat mir deutlich gemacht, was ich lange geahnt habe: für das Funktionieren unserer Welt im Kapitalismus ist es einfach notwendig, es mit Nicht-erwachsen-werden-wollenden zu tun zu haben. Wer sollte sonst die immensen Bedürfnisse haben, die immer wieder neu durch immer neue Waren befriedigt werden müssen? Da es sich aber um eine Eigenschaft der meisten Menschen zu handeln scheint, wird es den wenigsten wirklich gefallen. Ein Buch für Leser, die sich aufrütteln und verunsichern lassen wollen.....und womöglich doch schon ziemlich erwachsen sind.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Broschiert
Der amerikanische Lyriker Robert Bly erörtert in diesem in vier Teile gegliederten Buch seine These, dass die heutige (amerikanische) Gesellschaft beinahe ausschließlich aus Erwachsenen, die Jugendliche bleiben und aus Kindern, die kein Verlangen danach haben, erwachsen zu werden, besteht. In dieser Gesellschaft werden die Älteren vernachlässigt und die Kinder verlassen, da keiner mehr bereit ist, Verantwortung für andere zu übernehmen. Auf sog. „vertikale“, traditionell vermittelte Werte wird verzichtet, stattdessen versuchen sich die Jugendlichen in einer horizontalen, kindlich geprägten Gesellschaft gegenseitig zu erziehen.
Bly vermutet, dass „der Konsumkapitalismus mit seiner Abhängigkeit von der Stimulation der menschlichen Besitzgier etwas Grundlegendes in der psychischen Struktur des Menschen verändert“ haben muss. Anders kann er sich den Wandel der optimistischen, geselligen und solidarischen Jugend der 60-er Jahre zu den „schwermütigen, verschlossenen, todessehnsüchtigen, gleichgültigen, blasierten, sich in dekonstruktivistischer Attitüde gefallenden Jugendlichen“ heutzutage nicht erklären.
In dem ganzen Buch benutzt Bly Märchen, Mythen und Gedichte aus verschiedenen Kulturkreisen, um seine Standpunkte zu illustrieren. Im ersten Teil des Buches, welcher sich an dem Märchen „Jack und die Bohnenranke“ orientiert, präsentiert er (scheinbar) zusammenhanglose Ideen und Bilder von der sufistischen Tradition über Ergebnisse der Gehirnforschung aus dem frühen 20. Jh. bis hin zu Freuds Psychoanalyse, um seine These zu stützen und sogar evolutionstheoretisch und gehirnphysiologisch zu belegen. Beispielsweise bezieht er sich auf Erkenntnisse des Anatomieprofessors Bolk, gemäß denen ein erwachsener Mensch grosse Ähnlichkeiten mit einem Schimpansenfötus einen Monat vor der Geburt habe, woraus Bly schließt, dass der Mensch so etwas wie eine Frühgeburt eines Primaten mit einem überentwickeltem Großhirn sei. Er geht sogar noch weiter und vermutet, dass wir heute zwei Monate zu früh geborenen Schimpansen entsprechen und somit unser ganzes Leben lang nicht über die Phase der Jugend hinauskommen. Mir scheint, dass er, wie dieses Beispiel zeigen soll, oft zu weit geht, Vergleiche aus ihrem Zusammenhang reißt und für seine Zwecke benutzt, ohne sie auf eine nachvollziehbare Art und Weise zu belegen oder ausführlich genug zu argumentieren. Der simplen, sprunghaften und oberflächlichen Argumentationsweise Blys kann ich nichts abgewinnen, auch wenn seine Grundthese wohl einen wahren Kern beinhaltet.
Die anderen drei Teile des Buches sind etwas weniger chaotisch. Im zweiten Teil, der sich bisweilen wie ein psychologischer Erziehungsratgeber liest, behandelt Bly die Auswirkungen der kindlichen Gesellschaft auf das Innere der Familien. Dabei spricht der Sprecher der Männerbewegung immer wieder bedauernd über die „vaterlose (bzw. elternlose) Gesellschaft“, die den Jugendlichen das Erwachsenwerden erschwert, da es für sie keine Vorbilder mehr gibt. Auch weist er in seinen entwicklungspsychologischen Ausführungen immer wieder auf die verheerenden Auswirkungen des Verlusts von Initiationsritualen hin. Scheinbar werden die jungen Menschen nicht nur durch die „Junkkultur“ mit ihrem Überfluss an Pornographie und Leistungsdruck überfordert, sie werden hierbei auch alleine gelassen mit ihren gleichaltrigen Freunden und dem Fernsehen als Eltern- und Kommunikationsersatz.
Im dritten Teil setzt sich Bly mit der kindlichen Gesellschaft außerhalb der Familien auseinander. Den Erwerbs- und Konsumkapitalismus sieht er als Ursache für die heute vorherrschenden Hartherzigkeit und den Mangel an sozialem Engagement. Danach erläutert er die Entwicklung verschiedener Frauen- und Männerbewegungen, die das Ende der patriarchalen Gesellschaftsstruktur herbeigeführt haben. Bly ist der Meinung, dass die kindliche Gesellschaft das Vakuum ausfüllt, welches das Ende der paternalen bzw. patriarchalen Gesellschaft hinterlassen hat.
Kultur ist das Thema des vierten Teiles. Bly macht das Fernsehen, das der bilderschöpfenden Potenz des Gehirnes Schaden zufügt, für die heute vorherrschende Seichtheit der Kunst verantwortlich. Eine Gefahr für die Kultur und die Gesellschaft als Ganze sieht er auch darin, dass in der kindlichen Gesellschaft die Fähigkeit, Mythen und Symbole zu verstehen, weitgehend verloren gegangen ist. In diesem Teil des Buches und im Epilog sind viele Gedichte zu lesen, die Bly fast zwanghaft auf seine These der kulturellen und spirituellen Verarmung in der kindlichen Gesellschaft hin interpretiert.
Im Großen und Ganzen erweist sich Bly in diesem Buch als scharfer Beobachter der amerikanischen Gesellschaft. Einige seiner Thesen sind erschütternd zutreffend –andere hingegen deuten darauf hin, dass Bly ein älterer Mann ist, der sich über die heutige Zeit wundert und die gesellschaftliche Entwicklung gern um hundert Jahre zurückdrehen würde. Leider ist seine Argumentationsweise zutiefst unwissenschaftlich, obwohl der Autor am Ende des Buches eine lange Literaturliste angibt.
Bly entwickelt auf ca. 350 Seiten eine Gesellschaftskritik, die für jedermann lesbar und durch die Anreicherung mit vielen Geschichten unterhaltsam ist. Allerdings zeichnet er ein ausschließlich negatives Bild von der amerikanischen Gesellschaft und bietet keine konkrete soziale Lösung für die von ihm geschilderten Probleme an.
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