Stephan Baier spricht in seinem hervorragenden Buch "kinderlos" genau die Themen an, um die es bei dieser Frage wirklich geht. Weit davon entfernt, das Heil bei der demografischen Krise in bloßer Aufstockung von Betreuungsangeboten zu sehen, legt er sehr detailliert dar, wo der Schuh drückt. Er zeigt geistes- und kulturgeschichtliche Hintergründe auf, die zur heutigen Situation des Kindermangels geführt haben und weiterhin ihre fatale Wirksamkeit besitzen. Baiers Gegenrezept könnte man folgendermaßen umschreiben: Stärkung der Familie (und ihrer gesellschaftlichen Anerkennung!) auf allen Ebenen; neues Selbstbewusstsein, sich zur Mutter- bzw. Vaterrolle zu entscheiden; Flexibilisierung der Arbeitswelt, so dass Karrieren auch nach der Kinder-Zeit möglich sind und nicht alles gleichzeitig in die relativ kurze Familien-Gründungs-Phase hineingepresst werden muss; echte Wahlfreiheit durch finanziellen Lasten-Ausgleich bei den Familien, etwa durch ein Erzeihungsgehalt. Wer dieses Buch gelesen hat, fragt sich, warum Politiker und Wirtschaftsverantwortliche diese Zusammenhänge nicht begreifen wollen, sondern stattdessen ungerührt an ihren längst gescheiterten Idealen weiterbasteln.