John ist ein vierzehnjähriger Junge, der mit seiner Mutter und ihrem Freund in einer amerikanischen Kleinstadt lebt. Der Freund wird von John der Mann, der nicht mein Vater ist genannt. Sein richtiger Vater verließ die Familie ohne eine Erklärung, als John noch ein Baby war. In Johns Leben gibt es nicht nur den Kampf gegen den Freund der Mutter, er ist auch vernarrt in die Schulschönheit Gloria. Mehr erzähl ich nicht.
Obwohl das Buch nur 266 Seiten lang ist, kommt einem die Geschichte sehr lang vor, was an dem Blickwinkel liegt, den der Autor dem Leser präsentiert. John spricht als Ich-Erzähler, und er spricht dabei nicht nur den Leser an, er wendet sich in Gedankensprüngen, Perspektivwechseln und allen Rafinessen der Erzählkunst (Du-Form) mal an seine Mutter, mal an seine Freunde und mal an fast jede Person in der Geschichte. Sein Ton ist witzig, clever, zwischendurch weise und auch naiv. Er schwankt zwischen einem, der alles durchschaut (auch sich selbst), und einem, der viel zu wenig weiß und von einer Idiotie in die nächste taumelt. Zwischendurch erinnern die Blickwinkel an Kamerafahrten, die Johns Welt durchstreifen und hier und da Pause machen. Es ist nicht die Geschichte eines Jungen, der von einem Erwachsenen mißhandelt wird. Das ist nur die Hintergrundsmusik für einen Charakter, der glaubt, daß ihn niemand kennt, daß ihn niemand sieht. Die Szenen sind zwischendurch überraschend kurz, sie holen im richtigen Moment Atem und lassen sich Zeit. Der Kitsch wird angeschnitten und dann gnadenlos zerstört. Ein Wechselbad aus Slapstick und Ernsthaftigkeit macht es einem schwer, daß Buch aus der Hand zu legen. Durch die Präsentation von Johns Gedankenwelt, die sehr ausführlich ist und den Leser oftmals hereinlegt, weiß man nie, ob etwas wirklich passiert oder nur in Johns Kopf stattfindet. Klass kostet das voll aus, und es gelingt ihm eigentlich immer einen Kitzel aus diesem Spiel herauszuholen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ein Buch wie eine kurze Reise durch den Kopf eines Jugendlichen, hart und warm, witzig und böse zugleich; eine saubere Mischung, die fesselt. David Klass, der mit "Desperate Measures" und "Kiss the Girls Goodbye" zwei recht laue Drehbücher abgeliefert hat, scheint beim Romanschreiben seine Geschichten fester im Griff zu haben.