Ingeborg Nordmann und Iris Pilling (Hrsg.),
Die Korrespondenz Hannah Arendt und Kurt Blumenfeld
'in keinem Besitz verwurzelt', Rotbuch Verlag, 1995
Hannah Arendt und Kurt Blumenfeld kennen sich seit 1926. Sie führen philosophische und politische Gespräche. 1933 trennen sich ihre Wege. Sie weichen vor der Gefahr durch die Nazis und wandern aus, Hannah Arendt in die USA, Kurt Blumenfeld nach Palästina.
Hanna und Kurt bleiben sich trotz der großen Entfernung verbunden und teilen sich ihre Gedanken mit.
Zahlreiche Briefe aus der Zeit bis 1945 sind nicht mehr vorhanden.
In 125 Briefen aus der Folgezeit bis 1963 dokumentieren Hanna Arendt und Kurt Blumenfeld ihre Gedanken und Gefühle, ihre Hoffnungen und Erwartungen, ihre Enttäuschungen und Willensbekundungen, immer wieder zu versuchen, dem menschlichen Sein auf den Grund zu gehen, das Verhalten Intellektueller und jüdische Identität nach der Shoa zu hinterfragen.
Die Herausgeberinnen Ingeborg Nordmann und Iris Pilling haben den Briefen umfassende Anmerkungen hinzugefügt, sowohl zu Hannah Arendt, als auch zu Kurt Blumenfeld Zeittafeln erstellt und zu beiden Persönlichkeiten Auswahlbibliografien aufgeführt.
Der Aufsatz 'Eine Freundschaft auf des Messers Schneide' von Ingeborg Nordmann macht deutlich, wie spannungsreich die Freundschaft der beiden Persönlichkeiten ist. Ihre Gedanken sind allzu oft recht gegensätzlich.
Hannah Arendts Ausführungen z.B. über den Eichmannprozess kann Kurt Blumenfeld nicht akzeptieren. Ihr Briefwechsel wird zu einer philosophischen Übung.
Hannah Arendts eigentliche Heimat ist das Denken und nicht das politische Handeln, während bei Kurt Blumenfeld Denken immer eine praktische Dimension im Organisieren politischer Bewegung hat. Blumenfeld bewundert das Denken seiner Brieffreundin und kritisiert es aber auch.
Beide, Hannah Arendt und Kurt Blumenfeld, stehen der akademischen Welt mit ihren hierarchischen Ordnungen und Einteilungen sehr skeptisch gegenüber.
Wer politischen und philosophischen Gedankengängen nachgehen will, hat mit diesem Buch eine wirklich lohnende Lektüre.