Gerade habe ich die letzte Seite gelesen und das Buch zugeklappt.... und ich bin immer noch nicht wieder in meiner eigenen Realität angekommen, nachdem ich stundenlang in dem Buch versunken war.
Dabei hätte ich anfangs nicht damit gerechnet, dass es das Buch schaffen könnte, mich doch noch so zu fesseln.
Auf den ersten hundert Seiten fand ich es stellenweise schon recht langatmig, ich war enttäuscht von so viel Spießigkeit in einer Nachbarschaft, und irgendwie schien die Story nicht richtig vorwärts zu gehen. Ich hatte das Gefühl, das Buch schon zu kennen, weil es sehr vorhersehbar war.
Ich habe schon so manche Bücher gelesen, in denen es darum ging, dass das Leben eine Wendung nehmen kann, die einem nicht zusagt. An der man - bzw. wie hier - frau zu verzeifeln droht.
Aber nach Seite hundert konnte mich nichts mehr vom Lesen abhalten.
Miriam, Ellinor und Nina sind Nachbarinnen in einer Kleinstadt in Schweden.
Miriam ist seit über 30 Jahren mit Frank verheiratet, den ich von Anfang an nicht mochte. Er verlässt seine Frau, die nie etwas geahnt hatte, überraschend wegen einer anderen. Miriam ist am Boden zerstört und fällt in eine tiefe Depression. Ihr ganzes Leben hatte sie ihrer Familie gewidmet, und nun steht sie vor den Trümmern ihres Lebens.
Nina, 38 Jahre alt, ist alleinerziehende Mutter eines 16jährigen Sohnes. Sie ist Friseurin, lebenslustig und zufrieden mit ihrem Leben. Bis auf einen Traum, den sie nicht verwirklicht hat, verläuft ihr Leben gut.
Und Ellinor, die jüngste der drei ist Ende 20, Anwältin in Elternzeit, mit Wille verheiratet. Die beiden haben einen kleinen Sohn, Albin. Ellinor ist unzufrieden mit ihrer Rolle als "Nur-Hausfrau" und möchte wieder arbeiten gehen. Wille ist nicht damit einverstanden.
Alle drei Frauen stehen in ihrem Leben an einem Punkt, der Veränderung bringt und verlangt.
Soweit klingt alles altbekannt. Es gibt unzählige Bücher solcher Art.
Und jedem (in einem gewissen Alter) sind solche Wendepunkte ebenfalls nicht fremd. Und die Probleme, die sie mit sich bringen, ebenso wie die Gefühle. Angst vor Veränderung. Aber das Leben bedeutet nun mal Veränderung.
Die drei Frauen freunden sich an und beginnen sich für einander zu interessieren und sich zu unterstützen. Kurz vor Weihnachten machen sie sich an einem Wochenende auf zu einem Kuztrip nach Stockholm. Sie buchen eine Übernachtung in einem Hotel. Und die kurze Reise scheint für jede der drei eine Veränderung zu bringen, die sie in einer Entscheidung, die wichtig für ihre Zukunft ist, beeinflussen wird.
Die Autorin, Kajsa Ingemarsson schreibt in "Es ist nie zu spät für alles" sehr einfühlsam, stellenwiese aber auch nüchtern (wo es angebracht war) über die jeweilige Protagonistin.
Alle drei Frauen mochte ich, auf ihre Art ist jede etwas besonderes.
Ich habe mitgefiebert, auch wenn ich geahnt habe, wie die Entscheidungen ausfallen werden. Das Lesen hat mir Spaß gemacht, das Buch hat mich gut unterhalten und ich habe es genossen, den Tag lesend zu verbringen und für ein paar Stunden in Schweden zu verschwinden. Ich konnte ganz eintauchen in die Geschichte und bin noch nicht wieder zu Hause angekommen.
Wenn man sich treiben lassen will, sich gut unterhalten will, sich auch mal Zeit nimmt, um zwischendurch nachzudenken, wenn man keine tiefgreifende, anspruchsvolle Lektüre erwartet, ist man mit "Es ist nie zu spät für alles" bestens bedient.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen- für einen verschneiten und ruhigen, stressfreien Tag am Wochenende war es genau das richtige. Und so kann ich das Buch wärmstens weiterempfehlen.