Ich habe seit kurzem die Asus Xonar DS PCI-Karte. Gesucht war eine Karte mit DTS connect Unterstützung, optional Dolby Digital Live. Nach dem Lesen einiger Tests und Erfahrungsberichte habe ich mich dann doch für die Xonar DS entschieden, auch wenn ich eigentlich eine PCIexpress Lösung wollte (die Xonar DX hat allerdings "nur" Dolby Unterstützung). Meine Erwartungen waren gemischt, durch die Low-Profile Blende stand mir auch die Möglichkeit offen, die Karte im Server zu verwenden.
Erster Eindruck:
Solide Verpackung, der Inhalt war die Karte, eine Low-Profile Blende, ein Kunststoff-Adapter vom 3,5mm Klinke auf Toslink, die Schnellstart-Anleitung und eine CD mit Treiber und Handbuch. Die Karte selbst ist guter Durschnitt, wie bei der Preisklasse aber auch nicht anders zu erwarten. der kombinierte Rear-/optische Ausgang ist mit einem Metallring versehen, die übrigen mit farbigem Kunststoff.
Installation:
Der Einbau macht keinerlei Probleme. Unter Linux funktioniert die Karte fast auf Anhieb mit Pulseaudio und ALSA, mit minimalen Anpassungen lässt sich annähernd der volle versprochene Funktionsumfang nutzen. Unter Windows 7 (64bit) lässt sich der Asus-Treiber installieren und funktioniert ohne Probleme, das Control-Panel startet mit Windows zusammen und bietet alle Einstellmöglichkeiten. Hier ist zu sagen, dass der Windows Manager zur Verwendung von Audiogeräten lediglich zur Auswahl der Xonar-Karte tauglich ist (egal, ob man digital oder analog wählt), die Ausgangskonfiguration übernimmt komplett der Treiber.
Unter MacOS X (auf dem PC) lief die Karte nicht Plug&Play, ich hatte allerdings noch keine Gelegenheit, mich näher damit zu befassen. Ist für die meisten wohl auch weniger Interessant.
Treiber / Interface:
Der Treiber bietet die Möglichkeit, die Ausgänge analog zu verwenden, wobei man Konfigurationen von Kopfhörer über echtes 2.1 bis 7.1 wählen kann. In sämtlichen Einstellungen sind Abtastraten von 44,1 bis 192kHz wählbar. Das verwendete System lässt sich unabhängig von der Konfiguration von 2-8 Kanälen einstellen. Der kombinierte Eingang lässt sich zwischen Line-in und Mikrofon umstellen.
Das Interface ist recht übersichtlich gehalten, das Einstellungsmenü kann man einklappen, sodass eine Übersicht über die verwendete Konfiguration, den Lautstärkeregler sowie eine das Klangspektrum bleibt. Klanglich bietet das Menü die Anpassung von DTS connect , Interactive und Neo:PC.
Interactive lässt sich mit dem Virtual Speaker-Shifter anpassen. Ist der Quellmodus auf 2-Kanal gestellt, wird die Option dts:Neo Freigeschaltet. Die Movie-Anpassung ist fix (hier werden die Front-kanäle 1:1 ausgegeben, die Surround/Back Kanäle bekommen ein gefiltertes Signal), bei der Music-Anpassung lässt sich die Weite des Fronsspektums sowie die Klangverschiebung nach vorne/hitnen einstellen.
Desweiteren finden sich ein Mixer, ein typischer EQ mit vordefinierten Effekten, Umgebungssimulation, sowie Einstellungen für den Karaoke-Modus, FlexBass und VocalFX.
Verwendung:
Ich verwende die Karte ausschließlich über den optischen Ausgang mit einem Klinke -> Toslink Kabel an einem Digital-Reciever mit 5.1 Lautsprechersystem. Die analogen Kanäle habe ich nur kurz geprüft, allerdings wenige Einstellungen vorgenommen.
Klangliches:
Bemerkenswert ist die Asus-typische, sehr klare Tonwiedergabe. Bässe kommen sehr präzise, könnten allerdings von Haus aus etwas mehr Volumen haben. Die Abstimmung ist alles in allem stimmig und gut gelungen. Bei guten Quellen (Mpeg mit hoher Bitrate oder besser unkomprimierte Audiodateien) ist die Musikwiedergabe ein Genuss. Die Abstimmung ist flexibel für eine große Bandbreite an musikalischen Genres, von Klassik über Jazz bis hin zu Elektronischer Musik und Rock bis Metal. Bei Musik mit großem Klanspektrum verfügt, zeigt die Karte wirklich, was in ihr steckt.
Zu beachten ist in jedem Fall, dass die Einstellungen viel ausmachen, wie bei den meisten Audio-Anwendungen. Da die Lautsprecher Recieverseitig auf den Raum angepasst waren, war diese Einstellung nicht mehr nötig, blieb also Zeit für die Klanganpassung - und die sollte man sich wirklich nehmen, wenn man das Potential ausschöpfen möchte. Die weiter oben kritisierte Basscharakteristik lässt sich über die FlexBass Funktion sehr gut Anpassen. So habe ich dem Bass mehr Volumen gegeben, wobei die Präzision nicht darunter leiden sollte. Über die Raumanpassung mit dem Virtual SpeakerShifter lässt sich das Klangvolumen insgesamt regeln, sodass man den Druck erhält, den man von den meisten DTS-Spuren auf DVD/Blu-Ray her kennt.
Musik OK, wie sieht es mit Film und Spielen aus:
Zu Filmen auf DVD und Blu-Ray ist wenig zu sagen, da die DTS/Dolby Tonspur per Passthrough weitergegeben wird, sodass letztendlich nur der Reciever für den Klang verantwortlich ist. Bei Stereo-Filmen ist die dts Neo:PC Movie-Anpassung hervorzuheben. Es ist schwer zu beurteilen, ob eine Dolby ProLogic Umrechnung besser oder schlechter klingt, habe es nicht im direkten Vergleich gehört, es kam mir aber durchaus ähnlich vor.
An Spielen habe ich bislang nur Modern Warfare 2 getestet. Hier funktioniert DTS connect wie es soll und kodiert die 5.1 Ausgabe in DTS, der Klang überzeugt. Die manchmal genannten Lautstärkeprobleme könnten hier mit der "Smart Volume" Einstellung zusammenhängen, habe es aber nicht genauer analysiert, da ich das Problem nicht hatte. Spiele mit EAX-Unterstützung habe ich bislang nicht getestet, eventuell reiche ich dies nach.
Vergleich:
Als klanglicher Vergleich dienen mir der OnBoard Soundchip (Realtek ALC883) und eine M-Audio ProFire 610, also ein Chip im niedrigen, einer im weit höheren Preissegment.
Im Vergleich zum Realtek-Chip liegt die Asus-Karte zweifllos vorne. Auch onhe die DTS-Funktion (die der OnBoard Sound nicht liefert) hebt sich der Klang durch seine Brillianz ab. Die M-Audio liefert im Stereo-Bereich ebenfalls einen hervorragenden Klang (auch über den mit koaxialem S/PDIF), ist aber nicht primär zur Wiedergabe konzipiert, entsprechend sind die Möglichkeiten auch eher begrenzt, was einen direkten Vergleich schwierig macht.
Fazit:
Für den Preis bin ich durchaus positiv überrascht. Im analogen Bereich ist der Klang sehr gut, auch wenn es mit höherwertigen Karten durchaus besser geht. Ich nutze die Karte wie bereits erwähnt rein für die Wiedergabe per S/PDIF, ein analoges Headset habe ich aus praktischen Gründen weiterhin am OnBoard-Chip, für Studiozwecke und Aufnahmen verwende ich ein externes Interface. Die Xonar DS ist einfach, bietet viele Möglichkeiten und durch Umschalten kann man auch eine analoge Ausgabe je nach Bedarf kombinieren. Ich sehe in der Karte einen verhältnismäßi günstigen Einstieg in guten Klang. Eine optimale Lösung, um ohne goße Investitionen wesentlich mehr aus seinem Surround-System zu holen, als es die meisten OnBoard Chips und die meisten (teils minimal) günstigeren Karten bieten. Kritikpunkt ist der altmodische PCI-Anschluss, aber solange dieser noch verbaut wird (viele HTPC-Boards bieten ausschließlich PCI) sollte das keine Probleme machen.
Als HTPC-Karte sehe ich auch durchaus Potential, durch die interne S/PDIF Schnittstelle lässt sich der Ton auch per HDMI mitübertragen.