Um für sich selbst irgendetwas aus den Schriften der sogenannten "Traditionalisten", bzw., was ein treffenderer Name ist, "Perennialisten" zu ziehen, muss man als geneigter Leser folgende Prämisse zulassen: Die Autoren der perennialistischen Schule sind "Wissende"; Sie postulieren eine letztendliche Realität, das Göttliche, das der Mensch zwar erreichen kann (mit Gottes Hilfe), das aber Anstrengung, Hingabe und Übung fordert. Der Autor des vorliegenden Werkes, Schuon, schreibt also aus der Perspektive eines Menschen, der den Weg hinauf zum Allerheiligsten bereits zurückgelegt hat, und nun von oben herab all die Stufen und Pfade in Ruhe betrachten kann, die zum Gipfel aller Erkenntnis führen.
Alle wahren Religionen, so die Perennialisten, führen zu dieser letzten Höhe der Gotteserkenntnis, entsprechend muss es zwischen allen Bekenntnissen und dogmatischen Systemen notwendige Übereinstimmungen geben, so z.B. die metaphysische, quasi logische, Notwendigkeit, dass die "Schöpfung" nicht die absolute Vollkommenheit haben kann, die dem transzendenten "Schöpfer" zukommt; keine wahre Religion, so Schuon, könne in diesem Punkte etwas anderes lehren. Andererseits müsse aber ein Abglanz der göttlichen Vollkommenheit auch in allem vorhanden sein, das dem vollkommenen Schöpfer entspringe - anderes werde nur in nicht-lehrmäßigen, falschen Traditionen gelehrt, z.B. in einigen christlichen Häresien, oder den "falschen" gnostischen Schulen des Frühchristentums. Die wahren Religionen verkündeten aber die (scheinbar paradoxe) übereinstimmung von Absolutem und Bedingtem, dem im Samsara zu findenden Nirvana, dem in der Schöpfung widergespiegelten Schöpfer (Islam), u.s.w..
Andererseits seien die wahren Religionen aber auch von den Begrenzungen der bedingten Welt, der Schöpfung, geprägt. Alles "metaphysisch Notwendige" sei zwar in allen Religionen lehrmäßig vorhanden, aber in jeweils anderer Betonung und in abgewandelter Symbolik - denn die Religion sei um des Menschen willen offenbart, und jede Religion passe sich den besonderen Bedürfnissen jener Völker an, die zu sammeln sie geoffenbart worden sei, bis hin zu der "Widersinnigkeit", das zwei dem "wahren Grund" entsprungene Religionen einander als gotteslästerlich betrachten könnten (wie etwa Islam und Christentum in manchen Ausprägungen).
Dergleichen sehr erhellende Gedanken zu "inneren Einheit" aller Religionen finden sich noch mehr im Buch. Es scheint dem Leser tatsächlich so, dass hier jemand aus einer privilegierten Perspektive - weniger denkt als - "schaut". Ich meine, dass in einer Zeit, in der in Mitteleuropa die Anhänger verschiedenster Hochreligionen zusammenleben (müssen) und auch Deutsche schon längst damit begonnen haben, ihren spirituellen Weg in außereuropäischen esoterischen (im ursprünglichen , engeren Sinne des Wortes) Systemen zu beschreiten, dieses Buch dem toleranten, geistig offenen Leser eine Hilfe sein mag, seinem Nachbarn eines anderen großen Bekenntnisses mit größerem Verständnis und vertiefter Achtung zu begegnen.