Der Autor hat hier einmal mehr ein tiefsinniges, ehrliches und hilfreiches Buch vorgelegt. An zahlreichen Beispielen, zuletzt auch an sich selbst, legt er offen, wie es um die Welt, um die Menschen und auch um Christen und ihrem Glauben schlecht bestellt ist. Vieles in und um uns ist unbefriedigend, traurig und oberflächlich, es schreit nach Veränderung. Crabb, Arzt, Christ und Therapeut, nennt aber nicht nur die Krankheit, sondern auch die Medizin.
Dieses Buch wendet sich an alle, die über ihr Leben verbittert sind, an alle, die in der Kirche Verantwortung tragen, an alle, die genug davonhaben, sich und anderen, etwas vorzuspielen, an alle, die nicht mehr oberflächlich weiterleben wollen, an alle, die ihre Sehnsüchte nicht mehr an den falschen Quellen stillen möchten und an alle, für die eine Flucht in Zynismus, ständiges Gemeindehopping und resignierter Rückzug keine Lösung sein können.
Wirkliche Veränderung verlangt dabei mehr als blosse Korrektur des sichtbaren Verhaltens. Es genügt nicht, nur die Strasse zu fegen, wie müssen hinab in die Kanalisation unseres Inneren. Menschen, die dabei realistisch ihren Schwierigkeiten ins Auge schauen, haben dabei echte Chance, eine dauerhafte Änderung zu erfahren. Man muss mit eben diesem realistischen Blick beginnen, dem Blick darauf, was sich wirklich in unserem Leben abspielt. Verdrängen oder Überspielen, Gutmensch sein, noch mehr gesetzliche Anstrengung (durch selbstauferlegtes Bibellesen und Gebet ohne Freude) führen nicht weiter.
Es gilt den ständigen Selbstschutz abzulegen, sich dem Schmerz zu stellen, die Bestürzung und die Enttäuschung über sich nachzuspüren und anzunehmen. Es geht um Umkehr, um Eingeständnis der eigenen Sündhaftigkeit im echten Sinne (nicht als dogmatische Theorie-Floskel). Es geht darum zu erkennen, dass allein Christus und niemand und nichts anderes Befriedigung, Rettung und die Stillung aller Sehnsucht geben kann: hier in diesem Leben und vollkommen dann in der Ewigkeit.
Höhepunkt des Buches ist der dem Buchtitel folgende Teil IV "Von innen nach aussen". Gott will uns weg vom Selbstschutz hin zur Liebe führen, zur ehrlichen Aufarbeitung unseren Sünden in unseren Beziehungen (viele, auch engagierte Christen weichen da aus und verpassen ihre wahre Bestimmung): Wo in der Art meines Umgangs mit anderen ist was nicht in Ordnung? Das gilt es zu sehen und zu verändern.
Ich muss lernen, den anderen ohne falschen Selbstschutz zu lieben (was Kritik und Nein-sagen-können nicht ausschliesst), weil Gott mich liebt, ist mir das möglich.
So werde ich immer mehr und mehr vorstossen zu jenem langersehnten Leben in Fülle.
Was ich hier in wenigen und nüchternen Worten geschildert habe, bringt der Autor in einer unnachahmlichen Weise auf Papier, gespickt mit vielen lebendigen Beispielen. Man spürt die grosse Echtheit, Offenheit und eigene Leidensgeschichte von Crabb, welchem hier ein aussergewöhnliches Buch gelungen ist.
Mich haben diese Zeilen sehr beschäftigt, sie werden es weiterhin tun. Dies ist ein Buch mit grosser (Nach)wirkung.